Chronik/Niederösterreich

Horn: Vogelschützer trauern um Naturjuwel

Naturschützer sind geschockt. Innerhalb weniger Monate haben mehrere Landwirte das so genannte Horner Gmoos, das zwischen Breiteneich und Mold liegt, durch Drainagiermaßnahmen teilweise trocken gelegt. Die Umweltfreunde sprechen von einer unfassbaren Zerstörung eines wieder herangewachsenen Naturjuwels für seltene Vögel und hoffen, dass die Bezirkshauptmannschaft in Horn den Landwirten einen Riegel vorschiebt. Doch die Bauern haben laut Behörde seit Jahren eine Genehmigung, um dort Ackerflächen zu entwässern. Wieweit diese tatsächlich reicht, muss ein Verfahren klären.
Was noch vor wenigen Monaten ein fast unberührter Lebensraum mit ausgedehnten Feuchtgebieten war, gleicht jetzt flächenweise einer Steppenlandschaft. "Vor allem im Bereich der Taffa hatten Kiebitze, Wasserrallen, Raubseeschwalben und Rohrweihen eine Heimat gefunden. Sogar der seltene Sichelstrandläufer besuchte regelmäßig dieses Gebiet", schildert Hans-Martin Berg, Vorstandsmitglied in der Organisation "Birdlife", der dieses Wasserparadies seit seiner Kindheit kennt. "Im Westteil des Horner Gmoos konnten mehr als 100 Vogelarten gezählt werden. Jetzt sind die meisten wieder weg", sagt Berg sauer und richtet einen Appell an die Bezirkshauptmannschaft Horn. "Gebt der Natur eine Chance und verlangt eine Renaturierung."

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Auch Margit Gross vom Naturschutzbund NÖ, der Anfang 2011 wegen der Trockenlegung eine Anzeige bei der BH Horn eingebracht hat, hofft noch auf einen Ausweg für das Naturparadies, wenngleich schon massive Eingriffe getätigt wurden. "Wir wissen derzeit nur, dass ein Verfahren läuft und unser Anliegen aus Sicht des Naturschutzes geprüft wird. Eine Antwort der Bezirkshauptmannschaft ist noch ausständig", schildert Gross.

Horns Bezirkshauptmann Johannes Kranner bestätigt, dass die Untersuchungen in Sachen Horner Gmoos nach wie vor laufen. "Wir müssen noch ein Gutachten abwarten, das darüber Auskunft gibt, welche Eingriffe genehmigt sind und wie die Neuerungen aussehen", schildert Kranner. Denn die Landwirte hätten keinesfalls illegal drainagiert, wie manche behaupten. "Seit Jahren sind die 40 Grundstücksbesitzer in einer Drainagiergenossenschaft formiert", erklärt Kranner. Die sei im Besitz einer Genehmigung, um bestimmte Ackerflächen in dem Gebiet trockenzulegen.