Chronik/Niederösterreich

Fahrrad-Mafia: Bande stahl mehr als 400 Bikes

Rupert H. aus Wiener Neustadt wollte mit seiner Familie einen Ausflug machen. Ihre Fahrräder stellten sie am Bahnhof ab. Als sie zurückkamen, trauten sie ihren Augen nicht. "Jemand hatte das City-Bike meiner Tochter gestohlen." Sofort erstattete H. Anzeige bei der Polizei.

Vor ein paar Tagen meldete sich ein Ermittler bei der Familie. Er hatte gute Nachrichten. Die Fahnder konnten das Fahrrad sicherstellen – und eine siebenköpfige Bande verhaften.

Bei den Einvernahmen stellte sich heraus, dass den Kripo-Beamten ein großer Erfolg gelungen war. Denn auf das Konto der Verdächtigen sollen mindestens 400 Fahrraddiebstähle gehen. Die Dunkelziffer dürfte sogar noch höher sein. Schaden: rund 100.000 Euro.

Beutezüge

Als Drahtzieher der ungarischen Rad-Mafia entpuppte sich Tibor K. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, deren Sohn sowie dem Cousin heuerte der Clan immer wieder arbeitslose Männer an, die mit ihnen per Bahn nach Österreich reisten. In den Bezirken Wr. Neustadt, Neunkirchen und Mattersburg gingen sie auf Beutezug. Vorwiegend schlugen sie auf Bahnhöfen und in Wohnhausanlagen sowie in der Nähe von Gärten zu.

"Die Räder wurden in weiterer Folge über Facebook oder auf Flohmärkten zum Kauf angeboten. Auch ein rumänischer Hehler dürfte seine Finger im Spiel gehabt haben. Dieser holte immer gleich zehn bis 20 Räder mit einem Bus ab", sagt ein Ermittler im Gespräch mit dem KURIER.

112 Tatorte

Die mutmaßlichen Täter erbeuteten teilweise auch sehr hochwertige Bikes. Wie zum Beispiel ein Rennrad im Wert von 7000 Euro. 112 Tatorte in Wien und dem Burgenland konnten den Verdächtigen mittlerweile zugeordnet werden. "Viele Betroffene haben aber gar keine Anzeige erstattet", berichtet ein Fahnder. Bislang konnten auch nur wenige Räder ihren rechtmäßigen Besitzern zugeordnet werden.

Für die Polizisten steht auch fest, dass die Verdächtigen auch für Dutzende Ladendiebstähle verantwortlich sein sollen. Die sieben Beschuldigten im Alter von 16 bis 46 Jahren haben mittlerweile auch Geständnisse abgelegt. Sie sollen mehr als ein Jahr lang höchst aktiv gewesen sein.

Die Landespolizeidirektion Niederösterreich hofft, dass sich noch weitere Geschädigte melden.

Patrick Wammerl