Chronik

Der Wähler der ersten Stunde

Clemens Drössler lässt sich Zeit. Ganze zehn Minuten steht er in der Wahlkabine im Bezirksamt Alsergrund. Der 35-Jährige ist am Mittwoch um acht Uhr einer der ersten, der in Wien wählt, bevor er seinen Sohn in den Kindergarten bringt. Noch am selben Abend wird sich Drössler auf den Weg nach Tansania machen, wo er für sechs Wochen als Wahlbeobachter für die OSZE tätig sein wird. „Das ist das erste Mal, dass ich solange von meinem Sohn getrennt sein werde“, sagt Drössler.

Um seine Stimme trotzdem abgeben zu können, beantragte er vor Wochen eine Wahlkarte. „Es wäre ja Ironie, würde ich als Wahlbeobachter nicht wählen gehen“, sagt er. Die Wahlkarte per Post zu schicken, war für ihn keine Option. Niemand konnte ihm mit Sicherheit sagen, ob eine in Afrika abgeschickte Wahlkarte bis 11. Oktober angekommen wäre.

Das Recht zu wählen

Drössler ist es wichtig, medial auf die Wahlen aufmerksam zu machen, damit die Wahlbeteiligung steigt. „In den Ländern, in denen ich im Einsatz bin, ist Wahlberechtigung keine Selbstverständlichkeit. Gerade deshalb ist es wichtig, dass man von seinem Recht Gebrauch macht“, sagt Drössler, der auch als Logistiker auch für Ärzte ohne Grenzen tätig ist. Über seine Erwartungen für die Wahl sagt er: „Ich hoffe einfach, dass Wien eine weltoffene und liberale Stadt bleibt.“