Chronik/Burgenland

Gemeinde erbt von Brüdern – und weiß nicht warum

Unverhofft, kommt oft. Als vor rund zwei Jahren ein Brief aus Schweden auf dem Schreibtisch des stellvertretenden Amtsmannes von Gols, Dieter Horvath, landete, dachte er sich nichts dabei. Es gab viel zu tun, das Volksfest war vorzubereiten.

Als er Tage später den Brief öffnete, wusste er nicht, wie ihm geschieht. Es handelte sich nämlich um ein Testament des Ärztebrüderpaares Georg (er lebte in Schweden) und Radim Jetel (er lebte in Wien), die die Gemeinde als Universalerbe eingesetzt hat. Und es ging um einen Betrag in Millionenhöhe. "Ich glaubte zuerst – wie Bürgermeister Schrammel – an einen Scherz", sagt Horvath. Mittlerweile liegen 438.826,04 Euro auf dem Gemeindekonto. Weitere 500.000 folgen demnächst.

An Überraschungen hat sich der Amtsmann gewöhnt. Denn erst kürzlich bekam er einen Anruf von der Schweizer UBS-Bank, dass 296.000 Schweizer Franken (225.000 Euro) abzuholen wären. Der Bank sei nämlich im Rahmen einer Revision aufgefallen, dass sich auf den Konten der beiden Brüder nichts bewege. Durch Zufall seien sie, so Horvath, auf ein Foto vom Bürgermeister und ihn, dem Amtsmann, gestoßen, und kamen zum Schluss, dass dieses Geld – es wird demnächst überwiesen – der Gemeinde Gols zustehe.

Ungewiss

Die wahren Hintergründe, warum das Geschwisterpaar an die Gemeinde Gols die Million vermacht hat, ist nach wie vor ein Rätsel. "Selbst die schwedischen Anwälte können sich das nicht erklären", sagt Dieter Horvarth.

Vielleicht spielt doch der Golser Wein eine Rolle. Denn vor rund 15 Jahren hat der Weinbauer Georg Allacher Georg Jetel in Wien bei einer Ordinationseröffnung kennengelernt. Dort wurde Allacher-Wein getrunken. Seitdem kamen die Brüder regelmäßig jedes Jahr "und kauften bei mir Wein. Sie waren außerordentlich nette Leute", erinnert sich Allacher.

Das Erbe – das Budget der Gemeinde beträgt acht Millionen Euro – soll in die Renovierung der Mehrzweckhalle, wo das Golser Volksfest stattfindet, fließen. Ob die Erb-Geschichte nun vorbei ist, weiß man nicht. "Mich würde es nicht wundern, wenn es noch andere Testamente gibt", sagt Horvath.