Leihmutterschaft: Hollywood-Trend in der Kritik
Während Hollywoodstars zunehmend auf "Surrogates" setzen, wächst weltweit die Kritik. Nun fordert eine Betroffene sogar ein Verbot.
Das Foto wirkt auf den ersten Blick unverdächtig: Die Sängerin Meghan Trainor liegt in einem Krankenbett, die Augen müde und glücklich verheult. Auf ihrer nackten Brust liegt ihr Neugeborenes, eine Tochter. Trainor hat das Kind jedoch nicht selbst zur Welt gebracht – es wurde von einer bezahlten Leihmutter ausgetragen, geboren und ihr anschließend übergeben.
Diese Praxis ist in Hollywood längst keine Seltenheit mehr. Sarah Jessica Parker, die Kardashians, Nicole Kidman, Paris Hilton, Cameron Diaz, Lily Collins oder zuletzt Michelle Williams – die Liste der US-Stars, die durch Leihmütter (Englisch: surrogates) Nachwuchs bekommen haben, ist lang. Und sie wird jedes Jahr länger.
Wer ist die Mutter?
Damit wächst auch die Kritik an dem Modell, das es unfruchtbaren oder homosexuellen Paaren (durch eine Eizellenspende) ermöglicht, biologische Kinder zu kriegen. Leihmutterschaft ist – insbesondere in den USA – zum Milliardenbusiness geworden. In der Regel wird dabei die Eizelle der Mutter mit dem Samen des Vaters per In-vitro-Fertilisation befruchtet und einer bezahlten Leihmutter eingesetzt. Die Eltern, die das Kind erziehen, sind also auch die genetischen Eltern.
Fakten zum Thema Leihmutterschaft
Rechtliche Lage
In der EU gibt es keine einheitliche Regelung: Die meisten Länder verbieten Leihmutterschaft vollständig (darunter Österreich, Deutschland, Frankreich), manche, etwa die Niederlande oder das Vereinigte Königreich, erlauben sie ohne Bezahlung (altruistische Leihmutterschaft).
100.000 US-Dollar
gilt derzeit in den USA als „Einstiegspreis“ für eine Leihmutter. Etwa ein Drittel geht an die Leihmutter selbst, der Rest an die Agentur, med. Behandlungen, Versicherungen, Anwälte. In anderen Ländern wie der Ukraine oder Mexiko sind Leihmütter deutlich günstiger.
Laut Studien aus der Reproduktionsmedizin treten bei Leihmutterschaften überdurchschnittlich häufig Zwillings- oder Mehrlingsgeburten auf, da bei künstlicher Befruchtung teilweise mehrere Embryonen eingesetzt werden.
Nicht so im Fall von Olivia Maurel. Die US-Amerikanerin erfuhr erst als Erwachsene, dass sie von einer Leihmutter zur Welt gebracht wurde. Ein DNA-Test belegte, dass diese außerdem ihre biologische Mutter war, also die Eizelle gespendet hatte. Sie wuchs aber bei ihrem Vater und ihrer nicht leiblichen Mutter auf.
Kind einer Leihmutter fordert Abschaffung
„Ich spürte immer, dass etwas nicht stimmte“, erzählt Maurel, die vergangene Woche auf Einladung der Politikerinnen Gudrun Kugler (ÖVP) und Faika El-Nagashi (ehemals Grüne) im Österreichischen Parlament zu Gast war. Ihre (vermeintliche) Mutter sah ihr nicht ähnlich und war bei ihrer Geburt bereits 50 Jahre alt. In ihrer Jugend fühlte Maurel eine diffuse Leere, kämpfte mit Depressionen und Abhängigkeit. „Meine Mutter bemühte sich, aber die emotionale Verbindung war einfach nicht da.“
Olivia Maurel, 34, ist inzwischen selbst dreifache Mutter.
©Jennifer SerantoniHeute ist die 34-Jährige eine der lautesten Kritikerinnen der Leihmutterschaft – und das erste betroffene „Kind“, das darüber ein Buch geschrieben hat („Wo bist du Mama?“, Kolek Verlag). Die Kinder-Perspektive fehle in der Debatte, findet Maurel, die im Rahmen der Casablanca-Erklärung die weltweite Abschaffung von Leihmutterschaft fordert. „Die Kinder befinden sich in einem Loyalitätskonflikt, weil sie so sehr gewollt wurden und ihre Eltern viel Geld für sie bezahlt haben."
Sie warnt vor einer Kommerzialisierung von Frau und Kind. "Menschliches Leben sollte nicht zur Ware werden. Es gibt kein nun mal kein Recht auf ein biologisches Kind.“
Was Studien zum Thema Leihmutterschaft ergeben haben
Diese Ansicht polarisiert, quer durch das politische Spektrum finden sich Gegner und Befürworter. Kritiker wie Maurel berufen sich auf Studien, die zeigen, dass Föten bereits im Mutterleib eine Bindung zur austragenden Frau entwickeln – auch wenn diese nicht die genetische Mutter ist. Wird das Kind nach der Geburt getrennt, könne das später psychische Folgen haben. Eine Langzeitstudie aus Cambridge fand dagegen keine Benachteiligung von Kindern aus Leihmutterschaft. Ihr wichtigster Befund: Eine frühe Aufklärung über die eigene Herkunft gilt als entscheidend für ein stabiles Familienleben.
Paris Hilton bekam dank einer Leihmutter Sohn und Tochter.
©EPA/JILL CONNELLYEin solches genießt inzwischen auch Maurel, die mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern in Südfrankreich lebt. Den Kontakt zu ihren Eltern in Amerika hat sie abgebrochen, die Kinder sehen Oma und Opa aber regelmäßig. Sie sollen von Anfang an wissen, wo ihre Wurzeln liegen.
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