David Beckham, Victoria Beckham und ihr Sohn Brooklyn posieren gemeinsam im eleganten Outfit auf dem roten Teppich bei einer GQ-Veranstaltung.

Psychotherapeutin über Brooklyn Beckham: "Leider geprägt von seiner Familie"

Der Streit zwischen den Beckhams und Sohn Brooklyn sorgt für Gesprächsstoff. Warum erwachsene Kinder sich von den Eltern entfremden und wie eine Versöhnung gelingen kann.

Das Verhältnis zwischen Brooklyn Beckham, dem ältesten Sohn von Ex-Fußballer David Beckham und Designerin Victoria, und seinen Eltern ist schon seit Jahren zerrüttet.

Auf Social Media konfrontierte er die beiden diese Woche mit allerhand Vorwürfen, etwa, dass seine Ehefrau Nicola Peltz, eine Milliardenerbin, von seiner Familie nicht akzeptiert werde (der KURIER berichtete). Via Instagram-Story schloss er eine Versöhnung aus: „Seit ich mich von meiner Familie distanziert habe, wache ich jeden Morgen auf, dankbar für das Leben, das ich gewählt habe.“ Im Netz sorgt die Fehde für Diskussionen.

So oft brechen erwachsene Kinder mit den Eltern

Dass erwachsene Kinder mit ihrer Familie brechen, kommt häufig vor. Eine Studie der Universitäten Halle-Wittenberg und Köln zeigte: Jede fünfte Vater-Kind-Beziehung ist betroffen, bei Müttern ist es knapp jede zehnte. Für die Studie wurden Daten von 10.000 Personen aus dem Zeitraum 2008 bis 2018 ausgewertet.

Brooklyn Beckham und Nicola Peltz sitzen nebeneinander. Sie flüstert ihm etwas ins Ohr, während er aufmerksam zuhört.

Brooklyn Beckham und Nicola Peltz (re.) gaben sich im April 2022 das Ja-Wort. 

©APA/AFP/FRANCK FIFE

Was dahinter steckt

Die Gründe für eine Entfremdung sind unterschiedlich, sagt die Wiener Familientherapeutin Béa Pall: „Es kann sein, dass diese Person übergriffige Situationen – physisch oder psychisch – erfahren musste, keine Chance auf Selbstbestimmung hatte oder sich in der Familie nicht wahrgenommen fühlte.“

Ein Kontaktabbruch diene dem reinen Selbstschutz, erklärt sie. Brooklyn Beckham entschied sich vorwiegend dafür, weil seine Frau bei diversen Familientreffen unerwünscht war. „Auch hier es geht darum, sich abzulösen“, sagt Pall und gibt zu bedenken: „Manche wählen den Partner bewusst im Widerstand zu den Eltern. Es ist ein Versuch der Individuation.“

Wie Brooklyn Beckham brach auch Prinz Harry mit seiner Familie, jedoch nicht vollständig: „Er hat sich zwar auch distanziert, aber zu gewissen Anlässen fährt er weiterhin zu seiner Verwandtschaft – allerdings ohne Ehefrau Meghan.“

Wenn der Kontakt zum eigenen Kind abreißt, ist das für die Eltern „eine sehr schwierige und traurige Situation“, sagt Pall. „Sie wissen oft nicht, warum es überhaupt so weit gekommen ist. Erst in der Beratung beginnen sie oft zu reflektieren.“

Eltern sollen einen Brief schreiben

Die Psychotherapeutin empfiehlt in dem Fall, dem Sohn oder der Tochter einen Brief zu schreiben. „Die Person, die den Brief erhält, hält ein Kuvert in der Hand und sieht sofort den Absender. Diese kann dann entscheiden, ob sie ihn öffnet, wegwirft oder für 25 Jahre beiseitelegt.“ Eine Kontaktaufnahme per Mail – davon rät Pall eher ab: „Diese lässt sich zwar wegklicken, doch oft hat man schon ein paar Zeilen gelesen. Das kann als Übergriff empfunden werden, wenn kein Kontakt gewünscht ist.“

Wichtig ist vor allem, den Brief in der Ich-Form zu verfassen und dabei auf Vorwürfe zu verzichten. Das könnten Zeilen wie „Ich komme schwer damit zurecht, dass wir nicht mehr miteinander sprechen“ oder „Ich möchte gerne wieder Kontakt haben“ sein.

Trotzdem ist es wichtig zu akzeptieren, wenn die Person sagt, sie wolle in Ruhe gelassen werden: „Manchmal müssen zwanzig Jahre vergehen, bis man für eine Annäherung bereit ist. Die Hoffnung bleibt: Denn solange man am Leben ist, ist alles möglich. Vorbei ist es erst, wenn die Person gestorben ist.“

Kann ich damit leben, wenn meine Mutter oder mein Vater stirbt?

Das sei auch etwas, dessen man sich bewusst sein sollte: „Derjenige, der mit den Eltern im Streit liegt, muss sich überlegen: Kann ich damit leben, wenn meine Mutter oder mein Vater stirbt und ich keinen Kontakt mehr hatte? Das hat auf mich eine Auswirkung und nicht auf denjenigen, der gestorben ist.“ Einen Streit in den sozialen Netzwerken auszutragen, hält Pall generell für keine gute Idee. „Andererseits muss man sich schon auch fragen: Welche Grenzverletzungen hat diese Person erlebt?“

"Er ist leider geprägt von seiner Familie"

Die Reaktion von Brooklyn Beckham, die Entfremdung von den Eltern öffentlich zu machen, sei nicht verwunderlich, sagt Pall. Die Beckhams geben seit Jahren private Einblicke in ihr Leben: „Er ist leider geprägt von seiner Familie und kennt das nur so. Für uns wirkt es vielleicht seltsam, einen Familienstreit in der Öffentlichkeit auszutragen. Aber das ist seine Art, das abzuarbeiten.“

Liisa Mikkola

Über Liisa Mikkola

Digital Producer bei freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit.

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