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Schönheitsdruck bei Männern: Experte warnt vor Social Media

Immer mehr junge Männer orientieren sich an Schönheitsidealen aus sozialen Medien. Psychotherapeut Konrad Rauchbauer fordert mehr Aufklärung.

Schönheit ist längst nicht mehr nur Frauensache: Laut der Internationalen Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie (Imcas) hat sich bei Männern die Zahl der Beauty-OPs innerhalb von weniger als zehn Jahren fast verdoppelt.

Zu den häufigsten Behandlungen zählen Augenlidkorrekturen, Brustverkleinerungen, Narbenentfernungen, Fettabsaugungen und Nasenkorrekturen, heißt es in einem Vorjahresreport der International Society of Aesthetic Plastic Surgery. Auch Haartransplantationen werden immer beliebter.

Zudem steigt bei jungen Männern der Schönheitsdruck. Zuletzt sorgte etwa der brasilianische Fußballspieler Vinicius Junior (26) mit seinem veränderten Aussehen für Gesprächsstoff. Mehreren US-Medien zufolge soll er sich kurz nach der Fußball-Weltmeisterschaft einem kosmetischen Eingriff am Kinn unterzogen haben. Dabei seien Füllstoffe eingesetzt worden, um die Kinnkonturen stärker zu definieren und die Gesichtszüge markanter wirken zu lassen.

Fragwürdiger Trend

Wie stark der Druck zu einem möglichst „perfekten“ Aussehen bei Männern inzwischen geworden ist, zeigt auch ein fragwürdiger Trend aus den sozialen Medien: das sogenannte „Looksmaxxing“. Dabei schlagen sich junge Männer mit Hämmern oder Plastikgegenständen ins Gesicht. Ihr Ziel ist es, „männlicher“ auszusehen und markantere Gesichtszüge zu bekommen.

Welche Züge der Schönheitsdruck bei jungen Männern annimmt, sei „erschreckend“, sagt der Wiener Psychotherapeut Konrad Rauchbauer. Social Media sieht er dabei als großes Problem. „Wenn ich mehrere Stunden täglich damit verbringe, wird es Teil meiner Erlebniswelt. Gleichzeitig beeinflusst es auch, wie ich mich selbst in meinem Umfeld wahrnehme“, sagt er.

Viele Menschen vergleichen sich demnach nicht mehr nur mit ihrem unmittelbaren Umfeld, sondern mit Personen aus aller Welt. Problematisch dabei sei auch, dass in den sozialen Medien häufig Bilder und Schönheitsideale vermittelt werden, die nicht der Realität entsprechen. Gerade in der Pubertät, „der vulnerablen Phase“, seien junge Menschen besonders anfällig solche Einflüsse. Rauchbauer plädiert daher für mehr Aufklärung und einen bewussten Umgang mit sozialen Medien – etwa in Schulen oder im Elternhaus.

Um Veränderungen herbeizuführen, brauche es auch mehr Bewusstsein bei der Erstellung von Inhalten in sozialen Medien. „Die Verantwortung liegt also auch bei den Content Creatorn“, sagt der Psychotherapeut. Dabei gehe es auch um Fragen, wie reißerisch diese Inhalte gestaltet sind und welche Schönheitsbilder dadurch vermittelt werden.

Aber auch die Scham spielt bei Männern nach wie vor eine große Rolle. „In männlichen Freundschaftskreisen ist es oft schwierig, Gefühle zu zeigen“, erklärt er. So würden sich zum Beispiel viele für ihr Aussehen schämen, könnten aber nicht darüber sprechen. Umso wichtiger sei es, Unterstützung zu suchen und solche Themen offen anzusprechen.

Tatsächlich beobachte Rauchbauer hier auch ein Umdenken: „Immer mehr junge Männer sind bereit, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ Diese Entwicklung nimmt er auch bei seinen Kolleginnen und Kollegen wahr.

Liisa Mikkola

Über Liisa Mikkola

Redakteurin und Digital Producer beim KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit.

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