Eine Frau mit langen Haaren hält ein gelbes und ein weißes Oberteil vor sich und steht vor einer Kleiderstange.
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Farbberatung: Stilberaterin lässt sich in die (Farb-)Karten schauen

Die Suche nach dem passenden persönlichen Farbschema hat sich zum Hype entwickelt. Eine Expertin gibt Auskunft.

Wer die 1980er erlebt hat, erinnert sich vielleicht noch an die Farbanalyse, die Menschen in vier Jahreszeiten und die dazugehörigen Farben, die einem stehen, einteilte. Der Trend hat sich, ausgehend von Korea, weiterentwickelt und ist zum Hype angewachsen, an dem man auf Social Media nicht vorbeikommt. Milliarden TikTok-Clips werden teils hunderttausendfach angeklickt.    

Stil- und Imageberaterin Bettina Kohlweiss etwa berät Firmen- und Privatkunden in Wien. Zuletzt war sie bei der Vorstellung der neuen Tchibo-Sommerkollektion heiß umschwärmt. Sie arbeitet mit zehn Farbtypen (siehe Kasten unten). Neben den Jahreszeiten unterscheidet sie nach warmer oder kühler Farbtemperatur, hellem oder dunklem Farbschema und klaren oder gedeckten Farben. Eine Farbanalyse dauert bei ihr 1,5 (für Männer) bis 2,5 Stunden (für Frauen). 

Stilberaterin Bettina Kohlweiss hält eine Farbpalette mit verschiedenen kühlen Farbtönen hoch.

Stilberaterin Bettina Kohlweiss zeigt die Farben der kühlen Farbpalette.

©Marianne Lampl

Haut,Haare und Augen bestimmen den Farbtypen

„Ich mag jede Farbe, aber ich würde nicht jede Farbe anziehen“, erklärt sie. „Unterschiedliche Menschen brauchen unterschiedliche Farben, je nachdem, wie wir pigmentiert sind.“ Haut-, Haar- und Augenfarbe haben Einfluss darauf, welche Kleidung, welche Accessoires und welches Make-up uns passen.   

„Farben sollten unsere Ausstrahlung unterstützen, nicht überstrahlen“, sagt Kohlweiss. Bekommt man ein Kompliment, sollte es niemals einem Kleidungsstück gelten, sondern immer der Person, die es trägt.  

Was falsche Farben mit dem Gesicht machen

Für die Farbanalyse deckt die Stilberaterin den Oberkörper mit einem beigen Umhang „zur Neutralisierung“ ab, dann werden Tücher in verschiedenen Analysefarben der Reihe nach neben dem Gesicht drapiert. 

Die richtigen Farben bringen den Teint und die Augen zum Strahlen, die Lippen werden betont und sichtbarer, das Gesicht wirkt harmonischer. Andere jedoch betonen jeden noch so kleinen roten Fleck im Gesicht. Die passende Farbschattierung lässt Augenringe weniger dominant wirken, die falsche rückt Falten in den Vordergrund. 

Steht einem eher warmes Gold oder kühles Silber? Auch beim Schmuck zahlt sich eine Austestung aus, statt gegen den eigenen Farbtyp zu arbeiten. 

Wie Farben die Emotionen beeinflussen

Neben dem rein äußeren Eindruck wecken Farben auch starke Emotionen, bewusst oder unbewusst, erklärt Kohlweiss. Gelb wirkt lebendig und wird als positiv und optimistisch wahrgenommen. Grün ist ebenfalls positiv assoziiert und steht für Erneuerung, Entwicklung und Hoffnung. „Das ist wohl in uns Menschen drinnen, wir sehen Farben und verbinden damit gewisse Assoziationen.“ Deshalb kommt es bei der Farbwahl darauf an, womit man sich wohlfühlt, was man sich wünscht oder welchen Beruf man ausübt. All das hat Einfluss auf die Farbwahl der Garderobe. 

Die 10 Farbtypen

  • Farbtemperatur: warme oder kühle Farben
  • Helligkeit: helle oder dunkle Farben
  • Klarheit: strahlende oder gedeckte Farben
  • Frühling: warme Farben, sehr klar und strahlend, eher helle Schattierungen
  • Sommer: kühle Farben, sehr hell, jedoch eher gedeckt
  • Herbst: warme, erdige Farben, eher dunkler, gedecktes Farbspektrum
  • Winter: kühle, dunkle Farben, sehr kontrastreich und sehr strahlend

Man muss für sich keine Farbe kategorisch ausschließen, denn auf den Farbton kommt es an. Passt etwa ein hartes Grau nicht, lässt ein Blaustich die Farbe gleich ganz anders wirken. 

Wie man Fragen, die einem nicht passen, trotzdem tragen kann

Und was macht man, wenn Trendfarben wie das warmweiße Cloud Dancer, Butter Yellow oder das aggressive Magenta einem absolut nicht zu Gesicht stehen? Dann kommt es laut der Stilberaterin auf die richtige Kombination an. Statt die problematische Farbe großflächig einzusetzen, lasse sie sich als dezentes Muster integrieren.

Kohlweiss selbst ist eine Mischung aus Sommer und Winter. „Ich weiß einfach: Orange – obwohl ich Orange wunderschön finde – schaut an mir schrecklich aus.“ Müsse sie, etwa für eine Motto-Einladung, Orange tragen, würde sie sich für ein blaues Kleid entscheiden und dazu orange Schuhe oder ein kleines Accessoire kombinieren. Man muss auf keine Farbe verzichten; man muss nur wissen, wie man sie einsetzt.

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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