Cher posiert in einem extravaganten, schwarzen Outfit mit Federschmuck neben einer goldenen Oscar-Statue.
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Nackt, nackter, Cher: Mit Skandalmode in den Fashion-Olymp

Cher setzte jahrzehntelang nicht nur musikalische, sondern auch modische Maßstäbe – oft gegen alle Widerstände. Die Top 5 der Mode-Ikone.

Als die Filmfestspiele von Cannes im Vorjahr den Stars in letzter Minute Naked Dresses verboten, konnte das Cher maximal ein müdes Kichern gekostet haben. Alle redeten über den „neuen“ Skandal-Trend, sie hatte damit bereits in den 70ern für Schlagzeilen gesorgt – und ließ sich schon damals nichts dreinreden. 

Cher: "Den Hippies waren wir zu bieder"

Die 1946 als Cheryl Sarkisian geborene Cher feierte ihren Durchbruch mit Ehemann Sonny und „I Got You Babe“ Mitte der 1960er-Jahre. Damals trug sie noch Glockenhosen und bauchfreie Tops. Dann brach die Flower-Power-Ära an. „Den Hippies waren wir zu bieder“, erinnerte sich Cher im Spiegel.

Cher trägt ein weißes Outfit mit Schmetterlingsapplikationen und passendem Kopfschmuck.

Grammys 1974: Nach der Trennung von Ehemann Sonny feiert Cher ihre "Wiedergeburt" mit Schmetterlingen

©IMAGO/mptv/MPTV.net/Imago Images

Zwei Jahre lang krähte kaum ein Hahn nach ihr, dann lernte sie am Set ihrer neuen TV-Show Bob Mackie kennen. Er hatte schon Marlene Dietrich und Marilyn Monroe eingekleidet, sie war reif für einen Imagewechsel. Ein schicksalhaftes Zusammentreffen und der Beginn einer über 50 Jahre andauernden Mode-Beziehung.  „Supersexy“ statt bieder wollte sie aussehen, erinnert sich Cher. Und der junge Kostümbildner freute sich, endlich freizügiger designen zu dürfen.

Cher und Designer Bock Mackie posieren gemeinsam am Red Carpet

Bob Mackie designt seit über 50 Jahren Outfits für Cher. Zu seinen Kundinnen gehören und gehörten Superstars von Marlene Dietrich und Marilyn Monroe bis Taylor Swift und Miley Cyrus. 

©APA/AFP/VALERIE MACON

Ein Kleid überwältigte alle

Mackie schneiderte der „Goddess of Pop“ Hunderte Kleider auf den Leib. Keines erregte so viel Aufsehen wie Chers „Naked Dress“, mit dem sie 1974 zur Met Gala erschien. Die Fotografen konnten der durchsichtigen Robe mit strategisch platzierten Pailletten und Federn nicht widerstehen. Erst landete Cher mit dem Kleid in der Vogue, dann auf dem Titel des Time Magazine.

„In einigen Städten wurde das Magazin verboten, an anderen Orten war es innerhalb einer halben Stunde ausverkauft“, erinnert sich Mackie im Modemagazin Harper’s Bazaar an Chers Wandel zur Stilikone.

Cher sitzt auf einer Treppe neben einem gerahmten Porträt von sich selbst.

Das Naked Dress mit Federn schaffte es aufs Cover des „Time Magazine“, in die Vogue – und bei Chers Show 1975 per Gemälde auf die Bühne. 

©CBS via Getty Images/CBS Photo Archive/Getty Images

Das "Rache-Dress" überstrahlte alle

In den 80ern wechselte Cher auf die große Leinwand. Für ihren Film „Die Maske“ wurde sie von der Oscar-Academy übergangen. Sie erschien in einem „Revenge Dress“ zur Verleihung, lange bevor Lady Diana die Gattung des „Rachekleides“ berühmt machte. Das Showgirl-Outfit mit schwarzen Pailletten, enormem Mohawk-Federkopfschmuck, viel nackter Haut und einer blauen Kontaktlinse stahl allen die Show. 

„Das ist doch keine Mode“, sei ihm vorgeworfen worden, sagte Mackie damals im New Yorker. „Natürlich nicht“, habe er geantwortet. Es sei ein verrücktes Kostüm, aber  „die Leute reden immer noch darüber“. Für Cher-Biograf Josia Howard „ein wunderbarer Moment für alle, die ein Problem damit haben, wie sie gesehen werden, und die wissen, dass sie unfair gesehen werden“. 

Cher überreichte in diesem Kleid den Oscar für den besten männlichen Nebendarsteller. Gewinner Don Ameche bedankte sich danach bei ihr. Er wäre niemals auf so vielen Fotos gewesen, wenn Cher ein anderes Kleid getragen hätte.

Cher posiert in einem extravaganten, schwarzen Outfit mit Federschmuck neben einer goldenen Oscar-Statue.

Weil die Academy sie nicht für den Oscar nominierte, stahl Cher in ihrem Revenge-Dress allen die Show. 

©mauritius images / Cinema Legacy Collection/Cinema Legacy Collection/mauritius images
Cher hält eine Oscar-Statue in der Hand und trägt ein aufwendig besticktes, durchsichtiges Kleid mit Fransen.

Oscars 1988: Cher gewinnt einen Oscar für "Mondsüchtig" und schreibt mit ihrem Naked Dress wieder einmal Modegeschichte. 

©mauritius images / Alamy Stock Photos / Media Punch, MediaPunch Inc/Alamy Stock Photos / Media Punch, MediaPunch Inc/Mauritius Images

Fernsehskandal bei Thomas Gottschalk: Cher zu heiß für "Wetten, dass ..?"

Im Jahr darauf schluckte man auch im biederen Deutschland, als die Sängerin in transparentem Bodysuit, Stringtanga und Lederjacke singen wollte. Der junge Thomas Gottschalk moderierte erst seit wenigen Wochen „Wetten, dass ..?“, als es hinter den Kulissen zu stundenlangen Streitereien kam. Schließlich ließ sich der Star zu einem knappen Ultramini als „Entschärfung“ überreden. Gottschalk stöhnte nachher, er brauche eine Kur. 

Im Jahr darauf klappte es dann auch mit dem Oscar. Aber nicht die Trophäe für „Mondsüchtig“ war Gesprächsthema Nr. 1, sondern wieder Chers Robe.

Video-Dreh zum Song "If I Could Turn Back Time": Cher trägt einen transparenten Bodysuit und eine Lederjacke

Videodreh zu "If I Could Turn Back Time": Das Kostüm war 1989 sogar MTV zu freizügig und wurde ins Nachtprogramm verbannt.

©Michael Ochs Archives/Getty Images

Cher schockt das Militär

Erst beim Videodreh zu „If I Could Turn Back Time“ 1989 überspannte Cher den modischen Bogen beinah. Sie erschien im durchsichtigen Bodysuit, bedeckt nur mit zwei Bändern, zum Dreh auf einem Kriegsschiff. Bob Mackie fand den Aufzug obszön und  bat sie zu verschweigen, dass er ihn entworfen hatte.    MTV zeigte das Video erst ab 21 Uhr. „Und danach wurde nie wieder ein Musikvideo auf einem Schlachtschiff der US Navy gedreht“, grinste  die Sängerin  im Spiegel-Interview. „Mir war irgendwann nichts mehr peinlich. Je mehr Haut ich zeigen konnte, desto besser.“

Grammy-Verleihung in L.A.: Cher in Lederjacke und transparentem Kleid auf der Bühne

80 und kein bisschen fade: Bei den Grammys 2026 hatte ihre Robe alle Zutaten eines typischen Cher-Outfits: Lederjack und darunter viel Transparenter Stoff. 

©REUTERS/DANIEL COLE

Statt billig zu wirken, schreibt Cher seit Jahrzehnten die Moderegeln um. Sie gewann zwei Grammys, je einen Emmy und Oscar, drei Golden Globes und verkaufte mehr als 200 Millionen Tonträger. Mit ihrem Mode-Mut schaffte sie es innerhalb von vier Jahren sechs Mal auf den Titel der Vogue und wurde für ihren Einfluss auf die Mode mit dem CFDA-Fashion-Award geehrt.  

Ihrem Stil bleibt Cher treu. Ihr Outfit bei den diesjährigen Grammys (siehe unten) reiht sich nahtlos in  ihre legendären Bühnenkostüme ein. Daran leise zu treten, denkt sie nicht. Auch nicht mit 80.

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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