Madeira: Warum die Insel als Foodie-Destination unterschätzt wird
Die Atlantikinsel kennt man für ihre Steilküste, ihre uralten Lorbeerwälder und ihre Blumen. Aber (noch) nicht als Foodie-Destination. Das sollte sich ändern.
Die Frucht schmeckt nach Banane, aber saurer, nach Ananas, aber süßer, nach Maracuja, aber weicher. Viele kennen die gefächerten Blätter der Monstera als Trendtopfplanze in Hipsterwohnungen. Hier am Obstmarkt in Funchal wird die alienartig aussehende, langstielige und grünbeschuppte Frucht der Monstera Deliciosa angepriesen. Hat man einmal angebissen, bringt der Verkäufer gleich noch blaue Bananen (deren Blau doch verdächtig gelb ist) und siebzehn verschiedene Passionsfruchtarten.
Urlaubsziele wie Italien, Griechenland, Thailand werden von „Foodies“ (also Touristen, die dem guten Essen nachreisen) umschwärmt. Portugal taucht auf Foodie-Rankings zwar auf, aber meist mit Lissabon oder Porto. Mit der Atlantikinsel Madeira rechnen wenige. Dabei erfüllt sie alle wichtigen Kriterien: Es gibt guten Wein, ein Inselgetränk, Speisen, die man nur hier bekommt, Spitzengastronomie und eben hundert Variationen von knallbuntem Obst.
In einer anderen Halle des Mercado dos Lavradores verkaufen Frauen in Tracht Blumenzwiebeln, weiter hinten wird in der Fischhalle der süßliche Obstgeruch durch Fischgedärmodeur überdeckt. Hier wird der Fang des Tages präsentiert, also alles, was der Atlantik vor Madeira so hergibt.
Eine Besonderheit ist der Schwarze Degenfisch. Ein Tiefseefisch, der in Wassertiefen um 1.500 Meter lebt und erst tintenschwarz wird, weil die tödliche Druckveränderung beim Einholen der Fangleinen seine Haut färbt. Der Fisch wird paniert und gemeinsam mit Passionsfrucht oder Banane serviert.
Obst und Fisch gehört hier zusammen – er wird paniert oft mit Banane serviert.
©Lea MoserApropos Banane: Die gibt es hier überall – in privaten Gärten, auf größeren Plantagen, auf jeder Speisekarte und im Bananenmuseum in Ponta do Sol. Überraschend spannend erzählt man dort die Kulturgeschichte der Banane, auf Schauplantagen kann man den Pflanzen beim Wachsen zusehen.
Im Bananenmuseum sieht man allerlei Bananenpflanzen – erwachsene und kleine.
©Lea MoserWer abends essen geht, findet in Funchal zwar auch internationale Lokale, ein paar klassische Gerichte müssen aber vorher probiert werden: Bolo do Caco (Brot aus Süßkartoffeln), Lapas (Napfschnecken mit Zitronensaft beträufelt), Espetada (gegrilltes Fleisch am Spieß) mit Milho Frito (frittietes Maismehl, ähnlich wie Polenta). Und zum Trinken?
Kleine Trinkkunde
Getrunken wird auf der Insel Madeira Wein oder Poncha. Ersterer ist der typische Likörwein der Insel, drei bis fünf Monate bei 45 bis 75 Grad gereift. Die Qualitätsspanne reicht von dem, was Restaurants zur Rechnung servieren (schmeckt oft fuselig) bis zum 2.000-Euro-Wein aus dem Jahr 1920, bei dem schon das Verkostungsglas 184 Euro kosten würde. Diana vom Weinmuseum der Firma Blandys erklärt, wie man Madeirawein richtig trinkt – trockene Sorten als Aperitif (etwa mit Sushi oder Blaukäse) und süßere Sorten als Dessertwein.
Diana erklärt den Reifeprozess des Madeiraweins und gibt Verkostungstipps.
©Lea Moser
Das wichtigste Getränk der Insel: Poncha, ein Cocktail aus Rum, Honig und Orangensaft.
©Lea MoserDas wichtigere Getränk ist aber Poncha. „Nach Madeira kommen und keinen Poncha trinken, ist wie Rom besuchen und den Papst nicht sehen“, schimpft ein Kellner, bevor er dazu überredet, den Cocktail aus Rum, Orangensaft und Honig zu bestellen. Und setzt nach: „Nach zwei Poncha sprechen Sie perfekt portugiesisch.“
Info
Anreise
TAP Air (flytap.com) fliegt mit kostenlosem Stopover in Lissabon von Wien nach Funchal. CO2-Kompensation via atmosfair.de: 38 €.
1.500 Meter unter dem Meer lebt der Schwarze Degenfisch, der seine Färbung erst durch den tödlichen Druckunterschied beim Einholen der Fangleinen erhält.
Reise-Kombi
Raiffeisen Reisen hat Madeira (5 N.) mit Lissabon (2 N.) im Programm, inkl. Flug ab 1.699 Euro p. P. im DZ. Termine von 25. 8.–1. 9. und 15. 9.–22. 9. Infos in allen Raiffeisen- und GEO Reisebüros. Tel.: 0800 66 55, Mail: info@raiffeisen-reisen.at,
bestfortravel.com
Auskunft
visitmadeira.com/de
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