Maria Wagner und Sohn Felix Karl mit einem Druckmodel in der Hand von der Blaudruckerei Wagner im Mühlviertel.

Blaudruck: Das Weltkulturerbe und sein jahrhundertealtes Geheimnis

Blaudruck ist Weltkulturerbe, hat eine jahrhundertealte Tradition und stand kurz vor dem Aus. Jährlich lockt er Tausende Menschen nach Gutau (OÖ).

Blau machen, blauer Montag, ein blaues Wunder erleben: Wie wichtig der Blaudruck einst war, erkennt man aus den daraus entstandenen Sprichwörtern.

Mitte des 17. Jahrhunderts verbreitete sich die indische Färbetechnik mit dem typisch blau-weißen Muster rasant in Mitteleuropa. Mit der Industrialisierung  drängten schneller erzeugbare, billigere Stoffe auf den Markt, ein Färber nach dem anderen gab auf.

Maria Wagner neben der Indigo-Küpe: Kommt der Stoff aus der Farbe, wird er erst durch Oxidation an der Luft blau.

Maria Wagner neben der Indigo-Küpe: Kommt der Stoff aus der Farbe, wird er erst durch Oxidation an der Luft blau. 

©zVg / Hermann Wakolbinger

Heute gibt es noch zwei in Österreich. Die Familie Koo im Burgenland ist seit über 100 Jahren im Geschäft. Karl Wagner druckte ab 1878 im Mühlviertel, heute führt Maria Wagner den Betrieb. 

Wie zu Urgroßvaters Zeiten

"Wir färben noch in den Küpen, die der Urgroßvater gebaut hat, und verwenden die alten Modeln“, erzählt sie. Für das Färben wird mit dem Model, einer Art Stempel, eine Papp genannte Masse in aufwendiger Handarbeit auf den Stoff aufgebracht. Der Papp härtet zwei Wochen aus, er versteinert, sagen die Färber.

Druckmodeln liegen auf einem Blaudruck-Stoff

Die Druckmodel der Wagners sind bis zu 200 Jahre alt – bis heute wird mit ihnen gedruckt.

©Blaudruck Wagner / Privat

Das blaue Wunder

Wenn der Stoff dann ins Indigobad, die Küpe, getaucht wird, bleiben die bedruckten Teile weiß. Nach wenigen Minuten verlässt der Stoff die Küpe, ist erst grün und oxidiert dann an der Luft. Die Farbe wird blau, das sprichwörtliche blaue Wunder, das sich die Leute früher nicht anders erklären konnten.

Warum wir noch immer am Montag Blau machen

Blaudrucker färbten traditionell montags, erklärt Alfred Atteneder, Obmann des Färbermuseums  in Gutau. Da mehrere kurze Farbbäder von langen Wartezeiten unterbrochen wurden, entspannten die Färber dazwischen beim Wirten, sie „machten blau“.

Färbermarkt Gutau, So, 3.5.2026 

Über 100 Aussteller aus fünf Ländern,  Ausstellungen, Schaufärben, Modenschau, Führungen

Anreise: per Auto oder Zug und per Shuttlebus vom Bahnhof Pregarten.

Eintritt: 4 Euro

Mehr Infos: faerbermarkt.at

Blaudruckereien in Österreich: 

190 Jahre - und noch immer in Gebrauch

Eine von Wagners ältesten Modeln datierte die Uni für Bodenkultur. Das Holz für den Model wurde vor 190 Jahren gefällt. Wagner schätzt, dass einige ihrer Model bis zu 200 Jahre alt sind. Auch heute noch greifen Kunden, neben moderneren Motiven, zu den barocken oder Jugendstilmustern aus Wagners Bestand. Für Dirndlstoffe reisen die Kunden von weither an, Wagners Stoffe findet man auch in Südtirol. „2019 war in Haslach ein internationales Textiltreffen, da haben sich viele Stoffe mitgenommen – nach Japan, Amerika oder Neuseeland. Das ehrt mich schon sehr.“ 

Es ist aber vor allem der Renaissance der Tracht zu verdanken, dass  Wagners Geschäft läuft. „Am Anfang war es sehr beschaulich“, erinnert sie sich an ihre Anfänge vor 28 Jahren. Heute schätzen die Kunden Handwerk mehr und Dirndln werden von den Jungen wieder getragen.

Paare in Blaudruck-Tracht tanzen

Durch die Renaissance des Dirndls ist auch der Blaudruck wieder im Aufwind: Die Stoffe verkaufen sich bis Südtirol. 

©Färbermuseum Gutau / Fotoclub

Der Aufschwung des Blaudrucks ist auch dem Färbermarkt in Gutau zu  verdanken. Dort treffen sich Blaudrucker aus Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn seit 26 Jahren. Bei schönem Wetter kommen inzwischen bis zu 9.000 Besucher – und die Färber tauschen sich untereinander aus. Keine Selbstverständlichkeit, denn seit Jahrhunderten gilt das Färbergeheimnis. 

Geheimnis wurde nur mündlich von Vater zu Sohn weitergegeben

„Die Rezeptur des Papps hat man in den Färberfamilien immer nur von Kopf zu Kopf, vom Vater auf den Sohn weitergegeben“, erklärt Museumsdirektor Atteneder. Aus Sicherheitsgründen wurde es nie aufgeschrieben. Anfangs hätte auch bei den Treffen in Gutau ein gewisses Misstrauen  bestanden. Doch man begann zusammenzuarbeiten.

Interesse von Korea bis Amerika

Ein Meilenstein war die Aufnahme des Blaudrucks in die Liste des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes 2018. Damit wurde der europäische Blaudruck international sichtbarer. Vor zwei Jahren kam es zu einer  gemeinsamen Ausstellung mit koreanischen Färbern in Wien, eine weitere in Korea ist geplant. Auch Wissenschafter weltweit interessieren sich nun für die alte Technik. Im Postfach des Färbermuseums gehen internationale Anfragen, zum Beispiel für Doktorarbeiten in Amerika, ein.

Josef Koo und Sohn Jan-Joseph drucken im Burgenland, reisen aber zum Färbermarkt mit ihrer Ware an

Josef Koo und Sohn Jan-Joseph drucken im Burgenland, reisen aber zum Färbermarkt mit ihrer Ware an.

©Färbermuseum Gutau / Pils

Heute sind die Färber auch neuen Techniken gegenüber offen. Die Wagners druckten für die Künstlerin Sarah Eder, die beim diesjährigen Färbermarkt ausstellt, und in der Zeugfärberei in Gutau gibt Künstlerin Janina Wegscheider mit ihrem Mann und einer Freundin im Rahmen der Experimentierwerkstatt Workshops.

Auch sie biss sich anfangs am Färbergeheimnis die Zähne aus. Drei Jahre experimentierte sie mit Papprezepten, auch, um sie umweltverträglicher zu machen. Die Begeisterung bei den Workshops sei groß. 

Die Färber sind vorsichtig optimistisch, was die Zukunft betrifft. Josef Koo im Burgenland hat einen Sohn, der ihn schon zum Färbermarkt begleitete. Felix Karl Wagner, erzählt seine Mutter lachend, habe sich vor zwei Jahren mit dem Blaudruck-Virus infiziert. Bleibt die Kauflust der Kunden ungebrochen, will er den Betrieb übernehmen. „Blaudruck darf man nicht als Arbeit sehen“, sagt sie. Es sei die Faszination, die einen weitermachen lässt.

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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