Die hässlichen Seiten der Beauty-Filter
Der Einfluss digitaler Schönheitsideale setzt Jugendliche zunehmend unter Druck. Workshops in Museen unterstützen sie dabei, diesen Blick zu schärfen und zu hinterfragen.
Schlank, fit, makellos: In den Feeds sozialer Medien begegnen Jugendlichen täglich idealisierte Körperdarstellungen, häufig vermittelt durch professionelle Influencer mit Tausenden Followern. Sie prägen nicht nur den Alltag einer jungen Generation, sondern auch ihr Verhältnis zum eigenen Körper.
Neue Daten des Panels Gesundheitsförderung der Gesundheit Österreich zeigen dabei erschreckende Ergebnisse: Fast jede zweite junge Person (45 Prozent der 16- bis 25-Jährigen) fühlt sich durch Beiträge in den sozialen Netzwerken unter Druck, den eigenen Körper verändern zu müssen.
Um den entgegenzuwirken, wurde das österreichische Präventions- und Kunstvermittlungsprojekt „You Are Art – Ungefiltert schön“ ins Leben gerufen – in Kooperation mit Gesundheit Österreich, FEM (Institut für Frauen- und Männergesundheit), Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien und der Heidi Horten Collection. Die Umsetzung stammt von der Kreativagentur dasWeil.
Kunst vs. Lebensrealität
Im Zentrum stehen Workshops, in denen mit Hilfe einer App bekannte Beauty-Filter – die normalerweise auf Instagram verwendet werden – über klassische Kunstwerke in Museen gelegt werden. Etwa über Rembrandts Porträt „Bildnis einer jungen Frau“ von 1632. Das Ergebnis: ein glattes Gesicht ohne Ausdruck, Haltung und Stimmung. Warum die Initiative so wichtig ist und angesichts der Wirkung sozialer Medien dringend Handlungsbedarf besteht, macht auch Hilde Wolf, Leiterin des FEM Süd, bei der Präsentation des Projekts am Freitag deutlich: „Auf die Frage: ‚Was findest du an deinem Körper schön?‘ finden viele Jugendliche keine Antwort.“
Beim Workshop „You Are Art“ werden Beauty-Filter über klassische Kunstwerke gelegt.
©GÖGSeit dem Sommer 2025 wurden in Wien insgesamt 69 Workshops mit 895 Jugendlichen durchgeführt – begleitet von Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlern sowie Psychologinnen und Psychologen. Neben dem Einsatz der App standen auch Übungen und Fragen auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler mussten unter anderem Aussagen wie „Wer schön sein will, muss leiden“ auf einer Skala von eins bis fünf bewerten. „Die Selbstreflexion fand ich sehr interessant, weil man merkt, wie spontan man auf solche Aussagen reagiert“, erzählt die 14-jährige Leona, die neben den Workshops auch am Schulexperiment „Drei Wochen ohne Smartphone“ teilgenommen hat.
Erste Befragungen nach den Kursen zeigen, dass die Jugendlichen Schönheitsideale bewusster hinterfragen, den Einfluss von Social Media kritischer reflektieren und ein differenziertes Verständnis von „echter“ und digital erzeugter Schönheit entwickeln. Das kann auch Leona bestätigen: „Die Nutzung von sozialen Medien ist in unserer Klasse allgemein weniger geworden.“ Ihr Klassenkollege Liam hat bereits vor dem Experiment lediglich Whatsapp benutzt und auf Instagram und Tiktok verzichtet: „Ich brauche es nicht und will es nicht. Man kann definitiv Besseres in seiner Zeit machen, als nur aufs Handy zu schauen.“
Häkeln statt Social Media
Leona schaltet ihr Handy mittlerweile erst am Schulweg ein und verzichtet seit den Workshops ebenso auf Insta und Co.: „Stattdessen häkele ich oder rede mit meinen Eltern über Themen, über die ich mit ihnen vorher nie gesprochen habe.“
Schülerin Ella (13) macht jetzt stattdessen Sport: „Ich habe mir auch eine Bildschirmzeit eingerichtet.“ Sie selbst fühlt sich daher vom Schönheitsdruck sozialer Medien wenig betroffen. „Bei Freunden von mir ist das aber Thema.“ Künftig sollen weitere Workshops in Österreich stattfinden – bis Ende Juni haben sich bereits 1.023 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Heidi Horten Collection angemeldet.
Fakten
- Jeder und jede Dritte findet sich mit einem Filter schöner – bei jungen Frauen sogar 45 Prozent: Das ergab eine Umfrage des Panels Gesundheitsförderung der Gesundheit Österreich im Dezember 2025 zu Körperzufriedenheit und dem Einfluss von sozialen Medien. Nur 48 Prozent der Befragten fühlen sich demnach schön – bei jenen mit einer geringen Social-Media-Nutzung waren es 63 Prozent.
- 30 Prozent denken über Schönheitsoperationen nach.
- Fazit: Je intensiver soziale Medien genutzt werden, desto kritischer wird das eigene Aussehen wahrgenommen. Ein negatives Körperbild verschlechtert wiederum das psychische Wohlbefinden.
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