Ein Mann sitzt lächelnd mit einem Buch auf einem grünen Sessel vor einem Bücherregal und einem runden Tisch.
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Diese Buch hat Countertenor Alois Mühlbacher immer mit

Der Countertenor und Festivalintendant Alois Mühlbacher über Bücher, die klingen wie Musik, Barock und ein Bücherregal, das noch gebaut werden muss.

Als gefragter Countertenor ist Alois Mühlbacher viel unterwegs. Madrid, Los Angeles, Mexiko – überall begeistert er mit seiner hohen Stimme.

Im Rucksack auf Reisen stets dabei: ein schmaler Rilke-Band. „Seine Sprache hat für mich eine unglaubliche Musikalität und Tiefe“, sagt Mühlbacher. Dass ihn zuletzt Weiter als die letzte Ferne von Otto Betz gefesselt hat, überrascht kaum: Im Zentrum steht die Lyrik seines Lieblingsdichters Rainer Maria Rilke.

Das Musikalische in der Sprache

Auch die Sprache Hugo von Hofmannsthals oder Georg Trakls empfindet er als besonders musikalisch. „Generell faszinieren mich Autoren, bei denen Rhythmus, Klang und Bedeutung so eng miteinander verwoben sind, dass man beim Lesen fast das Gefühl hat, eine innere Melodie zu hören.“

Zu den Büchern aus seinem Regal, die er gerne gelesen hat, zählt Am Anfang war die Nacht Musik von Alissa Walser. Die poetische Erzählung über die Beziehung zwischen Arzt und Patientin ist wie eine musikalische Komposition aufgebaut.

Ein Mann sitzt lesend auf einem grünen Sessel vor einem Bücherregal in modernem Wohnzimmer.

Alois Mühlbacher vor seinem Bücherregal in Hinterstoder.

©Privat

In Sachen Barockmusik kann ihm ohnehin niemand etwas vormachen. Zuletzt verwandelte er samt lässiger Videos sogar Pop-Hits wie Gnarls Barkleys „Crazy“ oder Michael Jacksons „Billie Jean“ in Arien. Mit weltlicher barocker Literatur, die aus heutiger Sicht etwas mühsam erscheint, hat er sich hingegen weniger beschäftigt. „Namen wie Martin Opitz oder Andreas Gryphius kenne ich vor allem aus der Literaturgeschichte, ich könnte aber aus dem Stand kein Werk von ihnen nennen. Anders ist es mit der mystischen Strömung, ganz besonders mit dem Werk Johann Schefflers, bekannt unter seinem Dichternamen Angelus Silesius.“

Mystisches beim Barock Festival

Vor zwei Jahren kuratierte er beim Barock Festival St. Pölten ein Konzert zu den Rosenkranzsonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber, bei dem auch Texte Schefflers gelesen wurden. Das Festival, dessen Intendant er ist, feiert heuer sein 20-jähriges Jubiläum und findet von 10. bis 20. Juni statt.

Apropos mystisch: Prägend war für ihn Bernard Haischs Warum Gott nicht würfelt. „Es hat meinen Blick auf die Wirklichkeit verändert, indem es die scheinbare Zufälligkeit der Welt in ein größeres, vielleicht sinnhaftes Gefüge stellt. Besonders eindrücklich ist für mich der Gedanke, dass sich an den Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis ein Raum öffnet, in dem das Fragen selbst an Bedeutung gewinnt und in dem sich Wissenschaft und Philosophie in gewisser Weise berühren.“

James Joyces literarische Odyssee

Ein Buch, das er mehrmals begonnen und nie beendet hat, ist James Joyces Ulysses. Passend, bei dieser literarischen Odyssee. „Einstweilen hat mir dafür die innere Ruhe oder auch die Muße gefehlt, auch wenn mich das Buch in manchen Momenten immer wieder fasziniert hat.“ Ein Schicksal, das viele Leser teilen dürften.

Seine Bücher stehen an zwei Orten: in Hinterstoder und in Wien. Im Haus seiner Eltern in Oberösterreich hat Mühlbacher eine Wohnung – samt selbst geplantem Bücherregal, das sein Vater gebaut hat. In Wien hingegen warten viele Bücher und Noten noch in Kästen. Aber nicht mehr lange. Die -Anfrage nach einem Foto seines Regals war der Auslöser für neue Pläne: Ein neues Bücherregal ist bereits entworfen, der Vater eingeweiht. „Der Plan steht, jetzt muss er nur noch getischlert werden.“

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

ist Redakteur bei der KURIER Freizeit. Seit Dezember 2020 schreibt er über Reisen, Kultur, Essen und Lifestyle. Kurz: über alles, was schön ist und Spaß macht. 2011 startete er in der KURIER-Chronik als Mitarbeiter für Oberösterreich, später produzierte er lange verschiedene Regionalausgaben.

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