Eine graue Katze kommt durch die Katzenklappe ins Zimmer.
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Mehr als nur Kontrolle: Was der Chip bei Haustieren alles kann

Die Kennzeichnung und Registrierung von Hund und Katze dient nicht nur der Kontrolle. Die Chips sind auch im Alltag nützlich.

Die Mühlen der EU mahlen langsam. In der Vorwoche stimmte das Parlament in Straßburg für die „ersten EU-weit geltenden Standards für die Zucht, Haltung, Rückverfolgbarkeit, Einfuhr und den Umgang mit Katzen und Hunden“. 

Kernpunkt dabei ist eine Kennzeichnungs- und Registrierpflicht für Vierbeiner, um den illegalen (Welpen-)Handel einzudämmen. Verkäufer, Züchter und Tierheime haben ab Inkrafttreten der Verordnung vier Jahre Zeit, sich auf das Chippen und den Eintrag in eine nationale Datenbank vorzubereiten. Für private Hundehalter werden die Maßnahmen nach zehn Jahren verbindlich, Katzenbesitzer müssen sie nach 15 Jahren umsetzen – der KURIER berichtete.

„Eine einheitliche Regelung von Portugal bis Zypern ist sinnvoll. Die Übergangsfrist ist aber extrem lang“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach weiß, dass Gesetze allein illegale Geschäftemacherei nicht unterbinden. Es braucht begleitend strenge Kontrollen – an den Grenzen ebenso wie durch die künftigen Halter. Diese profitierten auch im Alltag vom kleinen Transponder unter der Haut ihres Schützlings.

Hunde müssen in Österreich schon jetzt gechippt sein

„In Österreich ist das Chippen von Hunden seit Jahren Pflicht. Auch Katzen, die die Grenze passieren, müssen gechippt sein“, sagt Reitl. 

Jeder Hund ab dem dritten Lebensmonat muss vor der Weitergabe, wegen der Steuer sowie aufgrund der Import-, inklusive Tollwutimpfvorschriften in der EU, eindeutig gekennzeichnet sein. 

Der reiskorngroße Transponder, der in der Regel links am Hals implantiert wird, speichert eine Zahlenkombination. Erst durch den Eintrag in eine Datenbank wird diese Nummer mit dem Namen und der Telefonnummer des Besitzers verknüpft. Der Code wird weltweit nur einmal vergeben. 

Besitzer von Ausreißern lassen sich schnell ausfindig machen

„Wir empfehlen das Chippen seit Jahren“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Reißt sich der Hund von der Leine los, huscht die Wohnungskatze aus der Tür oder findet ein Senior nicht mehr allein nach Hause, kann der Transponder des verwaisten Vierbeiners mit einem speziellen Gerät ausgelesen werden. Haustier und Halter finden rascher zusammen, Leid wird verhindert.

„Die Chips haben Gimmicks, die sich im Alltag bewähren“, sagt Reitl. 

Transponder haben oft schon mehrere Zusatznutzen

So öffnet die Technik etwa die programmierbare Katzenklappe nur für den erwünschten Besuch, Fremde bleiben ausgesperrt. Im Mehrkatzenhaushalt steuert sie den Futterautomaten individuell. Auch das Katzenklo lässt sich kontrollieren; Veränderungen können eine Erkrankung anzeigen. 

„Es gibt auch Thermo-Chips, die die Körpertemperatur erfassen“, hebt der Zoodoc hervor. Die wenigsten Vierbeiner lassen sich Fieber bereitwillig rektal messen.

Die Mühlen der EU mahlen. Bevor die Kennzeichnungs- und Registrierpflicht in Kraft tritt, muss sie allerdings noch vom Rat der Mitgliedsländer gebilligt werden.

KURIER Tiercoach

Der KURIER-Tiercoach Frau Dr. Katharina Reitl aus der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn gibt exklusiv für den KURIER regelmäßig Tipps zur Haustierhaltung.

Hedwig Derka

Über Hedwig Derka

Hedwig Derka, geboren 1966 in Wien, seit 1996 Redakteurin beim KURIER. Spezialgebiet: Tiere. Lieblingsthemen: Wissenschaft und nutzloses Wissen. Lieblingsbeschäftigung außer Dienst: Meine kleine und große Familie. Noch Fragen? Interessante Geschichten? Nutzloses Wissen? eMail an mich: hedwig.derka@kurier.at

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