Der beste Sonnenschutz und das Missverständnis vom hellen Sommer
Wie Farbe, Material und Schnitt der Kleidung darüber entscheiden, wie viel UV-Strahlung tatsächlich auf der Haut ankommt, und was man sich aus Asien abschauen kann.
Wer bei fast 40 Grad vor dem Kleiderkasten steht, greift fast automatisch zu hellen Farben und möglichst wenig Stoff. Aber ausgerechnet die Sommeruniform vieler Europäer – das weiße Leinenhemd oder das beige Kleid – gehört nicht zu den besten UV-Schutzmaßnahmen.
Dunkle Farben schützen besser
„Als Faustregel gilt: Je dunkler die Farbe eines Shirts, desto besser ist der Sonnenschutz – unabhängig vom Material“, so der Ratschlag des Vereins für Konsumenteninformation. Also kein Weiß, keine Pastelltöne, sondern Schwarz, Dunkelbraun, satte Töne in Rot, Blau oder Grün. Sie absorbieren mehr UV-Strahlen als hellere Farben.
Leinen, Cupro, Musselin
Wer auf Naturfasern anstatt beschichteten Kunstfasern wie Polyester und Nylon setzt, um sich von der Sonne zu schützen und nicht zu überhitzen, kommt schnell zum Leinen. Der Stoff ist im Sommer beliebt, weil er Luft zirkulieren lässt.
Sein Nachteil: Die oft lockere Webstruktur lässt einiges an UV-Strahlung durch. Denn die zweite Regel heißt: Je dichter der Stoff, desto mehr Schutz.
Kleid aus Musselin, Reserved, 50 € .
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Hose aus Cupro (Zellulose, die sich wie Seide anfühlt) von Dariadéh, 135 €.
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Leinen-Hemd von Arket, 69 €.
©HerstellerEin guter Kompromiss aus Schutz und Luftdurchlässigkeit sind dicht gewebte Viskose oder Baumwolle in Form von Musselin. Ein weißes Baumwoll-T-Shirt hat laut der internationalen Skin Cancer Foundation lediglich einen UPF zwischen 5 und 15.
UPF-Wert von Kleidung
Während bei Sonnencremes der SPF-Wert (Sun Protection Factor) entscheidend ist, werden spezielle Sonnenschutztextilien mit einem UPF-Wert ausgewiesen – dem Ultraviolet Protection Factor.
Ein Kleidungsstück mit UPF 50 blockiert rund 98 Prozent der UV-Strahlen. Solche Technologien kennt man bislang vor allem von Kinder-Badeanzügen. Inzwischen sind sie jedoch auch zunehmend bei Alltagsmode wie T-Shirts oder Jacken zu finden. Was früher nach Spezialausrüstung aussah, wird zunehmend zum Lifestyle-Produkt.
Der japanische Moderiese Uniqlo hat eine beachtliche Auswahl an UV-Alltagsmode.
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Ker Sun, Spezialist in Sachen UV-Schutz.
©HerstellerLeichte Kunst-Gewebe
Dabei muss nicht immer eine Beschichtung im Spiel sein. Dicht gewebte Polyesterstoffe erreichen UV-Schutzwerte, die an spezielle Sonnenschutzkleidung heranreichen. Nur wird man darin ordentlich ins Schwitzen kommen.
Und der beste Sonnenschutz nützt wenig, wenn man ihn wegen der Hitze nicht tragen möchte. Deshalb setzen viele Hersteller auf ultraleichte Polyestergewebe mit ausgewiesenem UPF 50+.
Asien ist in dieser Hinsicht lange voraus. Wer im Sommer durch Tokio oder Seoul spaziert, merkt wie sehr Sonnenschirme, UV-Jacken oder Armstulpen zum Stadtbild gehören. Hierzulande wirkt ein UPF-Sonnenschirm oft noch exotisch. Vielleicht nicht mehr lange.
Infos
Vergleich UV-Schutz: Leinen (weiß, dünn) UPF ca. 5–10. Seide (mittel) UPF ca. 5–25. Baumwolle (dicht gewebt) UPF ca. 10–30. Viskose (dicht gewebt) UPF ca. 10–30. Polyester / Nylon (dicht gewebt) UPF ca. 30–50+. Spezielle UV-Schutzkleidung (UPF-zertifiziert) UPF 40–50+.
50 UPF-Schutz blockiert UV-Strahlen zu 98 Prozent.
VKI Test
Ein Test des VKI im Mai zeigte Mängel bei UV-Shirts für Kinder. Die Hälfte der 12 Shirts hatte weniger Schutz als 50.
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