Das neue Millionen-Geschäft der Stilvorbilder
Auf einer App zeigen Modeauskenner ihre persönlichen Shopping-Listen und verdienen damit Millionen.
Noch vor wenigen Monaten zeigte Meghan, Herzogin von Sussex, auf ihrer Shopmy-Seite eine erstaunlich bodenständige Garderobe: einen Trenchcoat von Uniqlo, Basics von J.Crew, schlichte Sandalen. „Eine handverlesene Auswahl der Dinge, die ich liebe“ stand darüber – und der kleine Hinweis, dass die Links Provision bringen können. Ihre Seite mit Empfehlungen ist inzwischen leergeräumt. War der Schritt vom royalen Stilvorbild zur Frau, die an jedem Klick mitverdient, vielleicht doch ein wenig zu offensichtlich?
Offiziell erklärt wurde der Rückzug nicht. Sicher ist nur: Kaum ein neues Geschäftsmodell zeigt derzeit besser, wie sich Mode und der Einfluss von Promis im digitalen Zeitalter verändern.
Herzogin Meghan in einem Trenchcoat mit Jeans und T-Shirt. Sie hat ihre Lieblingsstücke empfohlen und damit Geld verdient. Das tut sie jetzt nicht mehr.
©via REUTERS/Jonathan Brady200 Millionen Umsatz pro Monat
Die Plattform ShopMy, 2020 von der Amerikanerin Tiffany Lopinsky mitgegründet, mischt gerade die Modewelt auf. Das Prinzip ist einfach: Stilvorbilder stellen ihre persönliche Auswahl an Kleidung, Beautyprodukten oder Wohnaccessoires zusammen und versehen sie mit Affiliate-Links (Partner-Links). Kauft jemand über diesen Link ein, erhält die Person eine Provision, meist zwischen zehn und 30 Prozent.
Die Plattform zählt inzwischen Hunderttausende Creator und vermittelt Produkte im Wert von mehr als 200 Millionen Dollar pro Monat. Zuletzt wurde das Start-up mit 1,5 Milliarden Dollar bewertet.
Ein Coup für die App Shopmy war die Mitgliedschaft von Sofia Richie Grainge, die viele Kunden anzieht.
©EPA/JUSTIN LANE
Fashionista Elsa Hosk zeigt auch ihre eigene Marke.
©APA/AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELT
Demi Moores Stylist Brad Goreski gibt Tipps.
©APA/AFP/LISA O'CONNORDabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Influencerinnen. Auf Shopmy finden sich inzwischen auch die neuen Mode-Orakel: Sofia Richie Grainge mit ihrem makellosen „Quiet Luxury“-Look, Modefan und Model Elsa Hosk oder Tiktok-Superstar Alix Earle.
Laut Berichten der Financial Times verdienen mittlerweile selbst Creator mit vergleichsweise kleinen Communitys enorme Summen. Einige sollen über ShopMy mehrere Hunderttausend Dollar pro Monat umsetzen. Der Grund: Die Plattform belohnt nicht nur Reichweite, sondern vor allem Vertrauen. Wer eine kleine, aber kaufkräftige Community hat, kann lukrativer sein als jemand mit Millionen Fans, die nur zuschauen.
Alix Earle ist eine der wichtigsten Einflüsterinnen für die Gen Z.
©APA/AFP/LEONARDO MUNOZBewährtes ist beliebt
Besonders gut verkaufen sich dabei die ewigen und eher unspektakulären Sehnsuchtsobjekte der Modewelt: perfekt sitzende Jeans, weiße T-Shirts, hochwertige Strickteile und Beauty-Lieblinge wie eine nicht fettende Sonnencreme. Vielleicht liegt genau darin der Grund, warum Shopmy einen Nerv trifft. Die offene Werbung wirkt paradoxerweise ehrlicher als manches inszenierte Instagram-Posting, das scheinbar nebenbei Produkte bewirbt.
Infos
Hintergrund
Die App ShopMy wurde 2020 von der Harvard-Absolventin und Influencerin Tiffany Lopinsky gegründet. Ihre Beobachtung: Influencer konnten Produkte zwar empfehlen – aber nicht effizient daran verdienen oder den Erfolg sauber messen. Geschmack und Stil sollten ein eigener Wirtschaftsfaktor werden.
4 Millionen Euro Provision verdienen einige Stilangeber im Jahr. Eine Milliarde Euro Umsatz wird auf ShopMy durch die empfohlenen Produkte im Jahr gemacht. 200.000 Tippgeber gibt es derzeit.
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