Wieso gebrauchter Luxus gerade zum großen Geschäft wird
Welche getragenen Taschen, Uhren und Kleider gerade so begehrt sind und der Markt enorm wächst.
In einem gehäkelten Kleid schritt Bella Hadid vor wenigen Tagen über den roten Teppich der Filmfestspiele von Cannes. Der Entwurf ist eine Hommage an Jane Birkins legendären Auftritt beim Festival 1969.
Dass das Topmodel gezielt auf Vintage setzt, zeigte sich an der Côte d’Azur auch in einem Archivkleid von Elie Saab von 2004 oder einem Louis-Vuitton-Minidress aus dem Jahr 2003. Ihre Stylistin Mimi Cuttrell ist bekannt für die Jagd nach Secondhand-Stücken.
Bella Hadid in Schiaparelli , eine aufwändige Kopie von Janes Birkins Kleid von 1969.
©APA/AFP/VALERY HACHEDrei Mal so schnelles Wachstum
Während Stars wie Hadid mit seltenen Vintage-Kleidern ihren Status als Modekennerinnen unterstreichen, greifen auch immer mehr Menschen ohne Promistatus zu Secondhand-Luxus. Zehn Prozent des weltweiten Bekleidungsmarkts entfallen bereits auf den Wiederverkauf. Laut Business of Fashion vergrößert sich das Segment gebrauchter Luxusgüter drei Mal so schnell wie für neue Ware. Bis 2030 soll der Umsatz auf 360 Milliarden Euro (2025 220 Mrd. Euro) anwachsen.
Plattformen wie Vestiaire Collective, The RealReal oder Vinted machen es vor und auch Händler wie Farfetch führen Pre-Owned-Rubriken ein.
Qualität früher besser
Ein Hauptgrund für den Boom: die explodierenden Preise der Luxusmarken. Laut Vestiaire Collective kaufen mehr als 70 Prozent Secondhand aus Spargründen. Hermès und Co. haben ihre Preise seit 2019 um bis zu 60 Prozent erhöht.
„Man merkt, dass es weniger Leute gibt, die sich diesen Luxus leisten können. Und selbst jene, die es können, überlegen länger“, sagt Ursula Wagner, Shop-Besitzerin von Designer Secondhand Vienna zum KURIER. Statt 10.000 Euro für eine neue Chanel-Tasche auszugeben, wollen immer mehr lieber eine gebrauchte um 5.000 Euro kaufen.
Auch weil es ein Qualitätsproblem gibt, sagt Wagner. „Früher war die Verarbeitung besser, egal ob bei Taschen oder Kleidung.“ So waren die Schnallen älterer Chanel-Bags noch vergoldet. Besonders gefragt seien bei ihr die Labels Chanel, Hermès und Louis Vuitton. Eine tatsächliche Investition sieht sie nur bei Chanel-Taschen, bei Dior sind nur einzelne Entwürfe wie die Saddle Bag gut zu verkaufen oder Fendis Baguette Bag.
Begehrter Klassiker, die Chanel Flat Bag: Schultertasche von 2009 bei Farfetch um 31.840 Euro.
©Farfetch/Chanel
Polène-Taschen fluten den Secondhand-Markt. Sie sind dort für unter 300 Euro zu haben.
©HerstellerDie trendigsten Stücke derzeit
Welche It-Pieces gerade begehrt sind, zeigt sich auf Onlineplattformen wie Ebay. Besonders gefragt sind eingestellte Rolex-Modelle wie die „Pepsi“. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Verkaufspreise für Modelle wie die Patek Philippe Nautilus um 154 Prozent, für die Cartier Demoiselle um 80 Prozent. Beliebt sind derzeit auch gebrauchte Loafer von The Row oder die Ballerina von Alaïa.
Gebrauchte Loafer von The Row werden gesucht. Neu zu haben um 1.300 Euro.
©Hersteller
Damenuhr von Cartier. Auf ebay hatte das Modell „Demoiselle“ in den letzten Monaten eine Preissteigerung um 80
Prozent.
Sneaker B30 von Dior ist gebraucht ein Renner:
Neu kostet der Schuh 990 Euro.
Soziale Medien befeuern den Run auf Luxusstücke
Vor allem in Asien boomt das Geschäft mit Luxus–Secondhand. „Dort ist man viel markenverrückter als bei uns“, sagt Wagner. Social Media verstärkt den Effekt zusätzlich. „Sobald man sich für ein Designerstück interessiert, wird es einem ständig auf Instagram eingespielt. Dort wirkt es schnell so, als hätte jeder eine Luxustasche.“
Früher seien solche Trends vor allem in Magazinen wie der Vogue sichtbar gewesen - aber heute begleiten sie Nutzer permanent durch soziale Medien.
Auch Winsy Tsang, Leiterin für Handtaschen beim Auktionshaus Christie’s in Asien, sieht darin einen entscheidenden Faktor: „Der ständige Strom an begehrenswerten Taschen, die von Modehäusern und Influencern geteilt werden, hat eine jüngere Generation für diese Kategorie begeistert.“
Extrem viele Kollektionen
Gleichzeitig bringen Luxuslabels immer mehr Kollektionen auf den Markt. „Für den asiatischen Markt entwickelt Burberry sogar eigene Linien. Kein Wunder, dass genügend Ware für Pre-Owned-Boutiquen vorhanden ist“, erklärt Expertin Wagner.
Sie selbst besitzt übrigens nur zwei Taschen: „Eine von Céline und eine von Gucci. Das reicht mir.“
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