Mythos Lederjacke: Marlon Brando
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Die Rückkehr der Rebellion: Lederjacken sind wieder da!

Mal Rock ’n’ Roll, mal High Fashion: Die Lederjacke ist zurück. Warum wieder alle aussehen wollen, als könnten sie zumindest theoretisch Ärger machen – und welche Modelle jetzt den Ton angeben.

Es gibt Kleidungsstücke, die altern. Und es gibt Kleidungsstücke, die nur kurz verschwinden, um irgendwann wieder aufzutauchen und allen anderen zu zeigen, wie man’s eigentlich macht. Die klassische schwarze Lederjacke gehört definitiv zur zweiten Kategorie.

Genauer gesagt: jene legendäre Jacke mit asymmetrischem Reißverschluss, breitem Revers und diesem leicht aggressiven „Komm mir nicht blöd“-Look, den Marlon Brando 1953 in „The Wild One“ quasi für die Ewigkeit konservierte. Er saß auf seiner Triumph, nuschelte sich durch die Rolle des Johnny Strabler und machte  aus einem simplen Motorradkleidungsstück einen Mythos.

Und wie das mit Mythen so ist: Sie kommen immer dann zurück, wenn die Welt ein bisschen zu geschniegelt wirkt. Nach Jahren der ultrasauberen Quiet-Luxury-Uniformen, beigefarbener Minimalismus-Mönche und Sneaker, die aussahen wie orthopädische Raumstationen, scheint Männermode wieder Lust auf etwas Gefährlicheres zu haben. 

Nicht wirklich gefährlich natürlich – niemand fährt mit seiner 1.800-Euro-Lederjacke direkt in eine Barschlägerei –, aber zumindest die Idee davon ist doch auf ganz eigene Weise prickelnd.

"The Brando"
©Hersteller

Die neue Lust auf die „Brando“ ist deshalb weniger Rockabilly-Nostalgie als eine Art stilistische Gegenreaktion. Männer wollen wieder Silhouetten mit Haltung. Kleidung, die nicht aussieht, als hätte ein Algorithmus sie ausgesucht. Dabei hat sich die Jacke längst von ihrer ursprünglichen Motorrad-DNA gelöst. Heute tragen sie Indie-Musiker, Modeleute, Schauspieler und Typen, die vermutlich noch nie auf einer Harley gesessen sind. 

Timothée Chalamet kombiniert sie schmal und fast elegant, Austin Butler trägt sie wie eine moderne Rockabilly-Fantasie, und selbst in der Luxusmode taucht die „Perfecto“-Silhouette plötzlich wieder überall auf.

Das Urmodell stammt von Schott NYC: Die berühmte „Perfecto“ gilt bis heute als Blaupause aller Brando-Jacken. Schweres Leder, massiver Reißverschluss, Gürtel unten – mehr Motorrad wird’s nicht. Wer es möglichst authentisch will, landet fast zwangsläufig dort.

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Vintage

 Vintage ist angesagt: Die L01 Distressed Biker von Saint Laurent ist wie ein Gral für Online-Schatzsucher

©Hersteller

Vintage  – extrem angesagt

Luxuriöser interpretieren Labels wie Saint Laurent den Look. Das kostet auch ordentlich – aber zum Glück ist gerade bei Lederjacken Vintage extrem angesagt. Und was ein echter „Vintage Rebel“ ist, der durchstöbert auf der Suche nach so einem Luxusteil die einschlägigen Plattformen. Und bekommt ein Stück mit „Leben“.

City Slicker

Smart & Smooth mit der City Slicker: Acne Studios, ab 2.500 € 

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Wer nicht ganz so den harten Kerl raushängen lassen will, greift, wie Ryan Gosling es recht gerne macht, zur länger geschnittenen City Slicker – oder macht’s wie Harry Styles und leistet sich ein avantgardistisches Designerteil, das ein wenig wie aus einem retrofuturistischen UFO-Film daherkommt. 

Und man könnte schon sagen: Hauptsache Leder! Denn auch die gute alte Bomber/Aviator-Jacke ist wieder dick im Geschäft, Brad Pitt trägt sie – so er nicht gerade den City-Slicker raushängen lässt. 

Bomber/Aviator

 Die Aviator von Hugo Boss, ab 1.300 €

©Hersteller

Das Entscheidende an der „Brando“ und ihren Verwandten war allerdings nie nur die Optik. Lederjacken  transportieren bis heute etwas, das vielen  Kleidungsstücken abgeht: Charakter. 

Sie wollen nicht gefällig sein. Nicht clean. Nicht vernünftig. Genau deshalb funktionieren sie wieder.

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Redakteur bei KURIER freizeit. Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also auch immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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