David und Victoria Beckham gehen Hand in Hand an einem sonnigen Tag.. Sie trägt ein Kleid und große Sonnenbrillen, er Stone-Washed-Jeans, Hemd, Gilet, Kappe und große Brille
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Y2K-Fußballer-Style: Alle feiern wieder Beckham und Balotelli

Die Fußballer-Mode der 2000er feiert ihr Comeback. Beckham, Ronaldo und Balotelli erscheinen im neuen Licht. Was als übertrieben galt, feiern junge Menschen nun als avantgardistisch.

Schockschwerenot! Lange Ketten, Rosenkränze, riesige Sonnenbrillen und steingewaschene Jeans. Lange genug war all das tief im modischen Unterbewusstsein vergraben und erfolgreich verdrängt.

Doch die Trendzyklen sind gnadenlos. Und alle 20 Jahre klopft die Vergangenheit höflich, aber bestimmt wieder an. Ignorieren ist nicht drin. Sie ist beharrlich und sie trägt eine Menge Gel im Haar. Pünktlich zur Fußball-WM entdeckt das junge Internetpublikum jedenfalls seine Liebe zur Mode der 2000er- und 2010er-Jahre, genauer gesagt: zur legendären Fußballer-Ästhetik dieser Zeit. David Beckham, Cristiano Ronaldo, Mario Balotelli & Co. lassen grüßen. Plötzlich gilt wieder: Je enger das Hemd, desto größer die Attitüde.

Begonnen hat das Ganze mit – the one and only – David Beckham. In den Neunzigern war modisch noch Luft nach oben: weite Sakkos, Riesenkrawatten, wenig Glamour. Und dann kam er 1999, Arm in Arm mit seiner Liebsten Victoria, im legendären Leder-Partnerlook zu einer Versace-Party. Spätestens ab diesem Moment gab es kein Halten mehr.

David Beckhams viele Stile

Beckham wechselte Frisuren wie andere Socken: vom Prince-Charming-Scheitel über kurze, Gel triefende Stirnfransen bis hin zum Iro oder Zöpfchen. Und wenn wirklich alles wurscht war, kam eben die Beanie-Haube zum Einsatz. Das Unterleiberl wich dem offen getragenen Hemd samt Ketten, der Anzug der Baggy-Jeans und wieder retour. 

So nachhaltig war der Einfluss, dass Dolce & Gabbana ihm 2022 sogar eine eigene Schau widmeten. Beckham habe sie maßgeblich inspiriert, erklärten die beiden Modegiganten laut NSS Sports. „Er hat den Glamour für Männer revolutioniert – mit Smokings, Destroyed Jeans, Haarbändern und Rosenkränzen.“

Auch wenn sich aus heutiger Sicht beim Anblick der ganzen Sonderlichkeiten alles zusammenzieht, man darf nicht vergessen: „Er hat der Herrenmode echten Glamour verliehen; das war ein entscheidender Moment in der Modewelt, der die Diskussion darüber, wie Männer sich kleiden, grundlegend verändert hat.“ Und das können nun wirklich nicht viele von sich behaupten: Spätestens nach einem Shooting für die Vogue Sport wurde er zum Gesicht einer ganz neuen Lifestyle-Bewegung: des metrosexuellen Mannes. Ein extravaganter Lebensstil, ausgiebige Körperpflege, Komplettrasur und herzlich wenig Lust auf ein klischeehaft-maskulines Rollenverständnis. Kurzum: Männer durften glänzen – und zwar nicht nur am Spielfeld.

Cristiano Ronaldo als Gucci-Markenbotschafter

Glänzend entwickelten sich übrigens auch die Bankkonten der Fußballer. Die Gagen explodierten, und gezeigt wurde das neue Vermögen nur allzu gern. Vorbei waren die Zeiten, in denen Kicker in der Freizeit im Trainingsanzug herumgeschlurft sind. Ob das immer ein ästhetischer Gewinn war, steht auf einem anderen Blatt. Ganz vorne mit dabei: Cristiano Ronaldo. Er inszenierte sich modisch mit Vorliebe in Gucci in den unverkennbaren Farben Grün, Rot und Ocker.

 Wie NSS Sports schrieb, gibt es nur wenige Sportler, die so stark mit bestimmten Marken verbunden sind, ganz ohne offiziellen Markenbotschafter-Vertrag. Die anderen Labels der Stunde hießen Armani Exchange, Dsquared2 oder Cavalli Class.

Ob man sich Geschmack kaufen kann, ist wie so oft eine Frage der Perspektive. Was vor rund zwanzig Jahren als protzig und maßlos übertrieben galt, wird heute jedenfalls von den jungen Menschen neu gelesen: als mutig, gender‑offen, queer-freundlich. Und plötzlich fällt sogar ein Wort, das man in den 2000ern wohl eher nicht bemüht hätte: avantgardistisch. Na da schau her!

Mario Balotelli ist wieder groß da

Doch auch wenn Beckham und Ronaldo um noch eine Spur prominenter sein mögen, einer wird gerade besonders liebevoll wiederentdeckt: Mario Balotelli. Laut InStyle gilt er derzeit als absoluter Favorit, auf Pinterest kursieren unzählige Paparazzi-Fotos aus jener Zeit. Eigentlich hat er sich ja ganz ohne Shirt ins kollektive Fußballgedächtnis eingebrannt. Nach seinem zweiten Treffer gegen Deutschland im EM-Halbfinale 2012 posierte er grimmig, mit angespannten Muskeln und blondem Irokesen wie ein Krieger, der gerade Geschichte geschrieben hat. Er wurde damit eines der ersten großen Internet-Memes im Sport.

Heute liebt man an ihm vor allem seine ganz eigene Kunst, sich zu kleiden. Hosen mit tiefem Schritt, eng anliegende oder asymmetrische Kapuzenwesten mit Reißverschluss, gerne mit integriertem Wappen. Dazu T-Shirts mit V-Ausschnitt oder Stücke mit gut sichtbaren Logos. Die Farbpalette blieb meist neutral, bei den Accessoires wurde dafür ordentlich aufgedreht: Kappen, Ohrringe. Mehr war bei ihm immer mehr – mit weniger gab er sich nie zufrieden. Aber es musste offenbar zur Person passen. Als einfacher Zeitgenosse war er, der für viele Skandale gesorgt hatte, nicht bekannt.

Und inzwischen gilt Balotelli sogar als echte Inspirationsquelle. Wie das französische Magazin Sneaker Spirit berichtet, lief er im Juni 2025 für KidSuper über den Laufsteg der Paris Fashion Week.

Auch das Londoner Label Corteiz würdigt ihn mit einer eigenen Kollektion und ernennt ihn gleich zum Markenbotschafter. Die Zusammenarbeit greift einen seiner legendärsten Momente auf: das berühmte „Why always me?“. Jene Botschaft, die er einst nach einem Tor unter seinem Trikot präsentierte. Damals verboten, heute ein Meme und fixer Bestandteil der Fußball- und Popkultur.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

ist Redakteur bei der KURIER Freizeit. Seit Dezember 2020 schreibt er über Reisen, Kultur, Essen und Lifestyle. Kurz: über alles, was schön ist und Spaß macht. 2011 startete er in der KURIER-Chronik als Mitarbeiter für Oberösterreich, später produzierte er lange verschiedene Regionalausgaben.

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