3D-Couture aus Pet & Poesie: Zauberhafte Kleider von Iris van Herpen
Sie gilt als Pionierin neuer Modetechnologien und will mit ihren Designs „die Sinne formen.“ Die gleichnamige Ausstellung in New York zeigt ihre visionären Kollektionen, in denen Poesie, Handwerkskunst und Haute Couture verschmelzen.
Wer diese Kleider trägt, wirkt wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Sie sind fantastische Gebilde aus Stoffen, die es im Handel eigentlich noch gar nicht gibt. Denn wer kennt PETG–Organza, Thermoplastik, Mylar-Folien oder 3D-Nylon? Kein Wunder also, dass zu den spektakulären Pariser Couture-Schauen der niederländischen Designerin Iris van Herpen Stars und Künstlerinnen wie Beyoncé, Lady Gaga oder Björk pilgern.
Die Kleider von Iris van Herpen werden in der Ausstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler und mit einer Klanginstallation ergänzt
©Davidovits DanielaDie Modepionierin setzte schließlich als eine der ersten 3D-Technologien in der Haute Couture ein, entwickelt immer neue Textilien und kombiniert sie mit herkömmlichen Stoffen wie Seide und Organza.
Das Shift Souls Dress, 2019. Lasercut mit japanischer Färbetechnik aus Seidenorganza und reißfester Polyesterfolie
©Sølve SundsbøIhre futuristischen, organischen Kreationen entstehen häufig in Zusammenarbeit mit Architekten, Mathematikern, Meeres- und Neurobiologen, Paläontologen, Mykologen, Mineralogen oder sogar Astronomen. Denn Iris van Herpen verbindet traditionelle Haute-Couture-Handwerkskunst, wie etwa japanische Färbetechniken, mit experimentellen, technologischen Werkstoffen und verwandelt sie in poetische, tragbare Kleider. Dafür wurde sie auch vor zwei Jahren mit dem französischen Preis „Ordre des Arts et des Lettres“ ausgezeichnet.
Visionäre Couture: Iris van Herpens 3D-Druck Capriole Dress, 2011
©Luigi & IangoKleider aus Pet & Organza
Jetzt widmet sich die New Yorker Ausstellung im Brooklyn Museum „Iris van Herpen: Sculpting the Senses“, dem Thema Körper: Welchen Platz nimmt er im Raum ein, wie ist sein Verhältnis zu Kleidung, Umwelt und Zukunft, in einer sich rasant verändernden Welt? Mit ihren wasserähnlichen, skulpturalen Kleidern und luftigen Stoffen will van Herpen „Die Sinne formen.“
Sie revolutionierte das gesamte Modedesign, indem sie auf generative Designsysteme, Algorithmen und Daten setzt.
Schwebende 3D-Couture in der Ausstellung
©On White Wall/Paula Abreu PitaIhre innovativen Fertigungstechniken wie 3D-Druck und Laser-Beschnitt, sind nachhaltig und reduzieren Abfall. Aber obwohl van Herpen mit biologischen Materialien wie Algen, biobasierten Proteinen, nachhaltigen Hightech-Textilien wie PETG (3D-druckbares PET-Material) experimentiert, setzt sie weiterhin auf Handarbeit beim Nähen und Sticken.
Phantom's Coral Dress, 2025 aus Kupferdraht und Thermoplastik
©Gio StaianoErfolg mit Natur und 3D
Dass Technologie als Werkzeug dient, aber nicht die handwerkliche Herstellung ersetzt, ist auch für die Wiener Modedesignerin und Künstlerin Flora Miranda essenziell. Miranda arbeitete vor 10 Jahren nach ihrem Master in Antwerpen bei Iris van Herpen. „Mode, Kunst und Technologie waren schon vor dem Studium meine Themen und eben auch Iris' Themen und das machen ja nicht viele Menschen in der Mode“, so Miranda. „Schon damals war ich von ihrem Snake-Dress fasziniert, das von sich häutenden Schlangen inspiriert war. Iris' Themenwelt ist mehr in der Natur verankert, während mich die Ästhetik von Technologie und Softwaresystemen inspirieren und meine sinnliche Prägung aus der Malerei und Musik kommt.“
Das Hydrozoa Kleid von Iris van Herpen stammt aus der Sensory Seas Collection, 2020 und ist aus PET and Glas-Organza
©david uzochukwuWas Miranda bei van Herpen lernte? „Das Wichtigste, das ich dort mitgenommen habe, neben der praktischen Erfahrung, dass Iris bewusst reflektierte, was die Stärke ihrer Arbeit ist. Und sie verfolgte das auch konsequent statt alle Wünsche der Modeindustrie zu erfüllen. Die Industrie will Designer in ihre Gewerke ziehen und man muss selbstbewusst und unternehmerisch sein, um den eigenen Weg zu gehen.“
Die Kleider von Iris van Herpen werden in der Ausstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler und mit einer Klanginstallation ergänzt,
©On White Wall/Paula Abreu PitaDie Ausstellung im Brooklyn Museum zeigt 140 Kreationen, die zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen: die Kleider, mit Strukturen von Korallenriffen, verzweigten Pilzsystemen oder Eruptionen von Planetenbewegungen, sind aus Materialien von feinem Kupferdraht, Mylar-Folien, Nylondruck bis hin zu Baumwolle, Organza oder Seidenmix gefertigt.
Die Ausstellung „Sculpting the Senses“ ist bis 6.12.26 im Brooklyn Museum zu sehen
©On White Wall/Paula Abreu PitaZu van Herpens Couture werden neue Arbeiten aus den Sammlungen amerikanischer, asiatischer, zeitgenössischer und feministischer Kunst gezeigt. Zudem ergänzt die Schau eine multisensorische Klanglandschaft des niederländischen Komponisten und Musikproduzenten Salvador Breed.
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