Scenic Train Journey Through Mountains in Switzerland
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Schienenkreuzfahrt durch die Schweiz: Quer durchs halbe Land

Die Alpen lassen sich auch auf Schienen queren, von Luzern bis Lugano, von Chur bis Zermatt.

Ein bisschen fühlt man sich wie in einem Aquarium. Egal ob man mit dem Gotthard Panorama, dem Glacier oder dem Bernina Express unterwegs ist – es geht darum, viel aus dem Fenster zu schauen. Aber noch mehr geht es um die Orte, an denen man aussteigt.

  • Luzern–Lugano: Gotthard-Panorama-Express 

    Zugleidenschaftliche Menschen nennt man (von lat. Eisen) ferrophil. Für jene (und auch alle anderen) ist das Verkehrshaus Luzern der beste Startpunkt einer Zugreise durch die Schweiz. Auf 20.000 Quadratmetern findet man dort ein technisches Wunderland: Historische Lokomotiven, Flugzeuge, Schiffe, Bergbahnen, interaktive Karten und Spiele, eine Automobil-Ausstellung und wirklich alles andere, was man sich zum Thema Technik und Mobilität noch vorstellt. Die eigentliche Reise beginnt am See.

Blick vom Boot auf einen See, dahinter grüne Hügel und schneebedeckte Berge unter blauem Himmel.

Der Vierwaldstättersee ist manchmal unverschämt schön. 

©Lea Moser

Mit dem Dampfer fährt man über den Vierwaldstättersee bis nach Flüelen, dort steigt man in den Zug, der einen über (eigentlich durch) den Gotthard bringt. Damals der längste Tunnel der Welt und eine visionäre Verbindung zwischen Nord- und Südeuropa, bis heute mit dem Gotthard-Basis-Tunnel (den kennen Sie vielleicht aus Staumeldungen) eine der wichtigsten Verkehrsadern in Europa. Danach wird es italienisch. Das Tessin/Ticino begrüßt in Lugano mit mediterraner Seeluft, mit Palmen und Weinbergen. Aus Grüezi wird Buongiorno. Die italienische Grenze ist nur einen Steinwurf entfernt, das hier ist immer noch die Schweiz. „Liberi e svizzeri“ (frei sein und Schweizer sein), diese Parole, mit der man sich gegen eine Eingliederung in die napoleonische Cisalpinische Republik stellte, prägt das Kanton bis heute. Tessiner sollte man nie Italiener nennen. Wobei ein bisschen Italien eben doch in der Mentalität steckt: im Genuss, im Dolce Vita, im Apéro, im Zusammensitzen, in der Sprache und in der Küche des Kantons.

Zwei Getränke mit Eis, Chips und eine Platte mit Canapés stehen auf einem Tisch.

In der italienischen Schweiz schwappt das Dolce Vita in Form eines Aperitivo herüber.

©Lea Moser
  • Lugano–Poschiavo–Chur: der Bernina Express

Dass man tags darauf im „eigentlichen“ Italien ist, merkt man an den Einszwanzig für einen Espresso, der an der Raststätte besser schmeckt als in jedem Hipstercafé. Der Bernina Express Bus fährt den Comer See entlang bis nach Tirano, dort steigt man wieder in den Zug um – und reist wieder auf Schweizer Boden. Wie ein Geheimtipp fühlt sich der Zwischenstopp in Poschiavo an. In dem kleinen Städtchen kommt man zur Ruhe, vielleicht auch, weil hier nur wenige aussteigen und die meisten lieber bis St. Moritz weiterfahren. Es gibt ein sehr kleines, aber sehr feines Kunstmuseum, einen hübschen Dorfplatz und Zuckerbäckervillen. Wer sich noch einen Tag mehr Zeit nimmt, sollte bei Fabrizio Raselli in Le Prese vorbeischauen. Denn der baut in Bio-Landwirtschaft Kräuter an: Edelweiß, Salbei, Minze und Co. für Tees, Gewürze und das Schweizer Original Ricola. Fabrizio führt über die Felder und erklärt die Herausforderungen des Kräuteranbaus. Es riecht besser als in jeder Parfümerie.

Direkt im Ort steigt man wieder in den Bernina Express ein, der hier wie eine Straßenbahn durch das Dorf fährt. In vielen Kurven kämpft sich der Zug den Bernina Pass hinauf, verlässt den italienischen Frühsommer in Richtung hochalpiner Gletscherlandschaft. Das tausendfach fotografierte Highlight der Strecke sieht man aus dem Zug selbst nur sehr kurz – das fünfundsechzig Meter hohe Landwasserviadukt. Das Ziel des Bernina Express und die älteste Stadt der Schweiz – Chur – wäre eine eigene Reise wert: Es gibt ein tolles Kunstmuseum (Empfehlung!), sehr gute Gastronomie, eine sehr hübsche Altstadt, die wundersam ausgestorben wirkt – viele kleine Gässli ohne große Fast-Food-Filialen und Fast-Fashion-Tempel.

Scenic Train Journey Through Mountains in Switzerland

Das ikonischste Stück der Reise sieht man besser, wenn man nicht selbst im Zug sitzt: das Landwasserviadukt.

©Getty Images/Nikada/istockphoto.com
  • Chur–Zermatt: Glacier Express

Die Fahrt mit dem Glacier Express verlangt Sitzfleisch. Sechs Stunden lang geht es mitten durch die Alpen, die Rheinschlucht, Schnee und Gletscher.

Ein roter Zug fährt durch eine verschneite Berglandschaft unter blauem Himmel.

Der Glacier Express fährt bis auf über 2.000 Meter Höhe. 

©Lea Moser

Die Endstation Zermatt hat etwas von einem Alpen-Disneyland, am Abend riecht es aus jedem zweiten Lokal nach Käsefondue und Après-Ski und zwischen Sportgeschäften und Luxusuhren sucht man das Authentische. Aber: Das ist es wert, wenn man den Blick hebt und auf das Matterhorn schaut.

Matterhorn Mountain Riffelsee Lake Zermatt in Summer Switzerland
©Getty Images/Mlenny/istockphoto.com

Info

Anreise
Mit dem Zug direkt von Wien nach Zürich,  weiter bis Luzern oder Chur. oebb.at

Swiss Travel Pass
Mit Bus, Bahn und Schiff durch die ganze Schweiz, inkl.  Museumseintritte und erm. Tickets für Bergbahnen. Für Panoramastrecken braucht man eine verpfl. Reservierung.

Die Grand Train Tour of Switzerland verbindet versch. Panoramastrecken der Schweiz, u. a.: 
– Gotthard-Panorama-Express: gotthard-panorama-express.ch
– Bernina Express: rhb.ch
– Glacier Express: glacierexpress.ch

Hotels
– Poschiavo: Hotel Albrici auf dem Dorfplatz, man schläft wie im Museum, hotelalbrici.ch
– Chur: Hotel Stern im Zentrum, stern-chur.ch
– Lugano: Hotel de la Paix, delapaix.ch/de/
– Zermatt: Blick aufs Matterhorn vom Hotel Europe, europe-zermatt.ch/

Auskunft
myswitzerland.com

Was für ein Berg. Als hätte ein Bildhauer ihn für eine Toblerone-Marketingaktion in die Landschaft gestellt. Am Gornergrat wird einem bei neunundzwanzig Viertausendern schwindlig vor lauter Bergpanorama. Und man versteht, warum man als Österreicher in die Schweiz fährt. Weil das gibt es bei uns halt doch nicht.

Über Lea Moser

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