Magdalen College, Oxford

Mein persönliches Oxford: Zwischen College und Netflix-Hit

Eine fast 1000 Jahre alte Universität als Netflix-Hit 2025? In Oxford ist alles möglich. Das weiß man seit Harry Potter. Die Stadt ist ein lebenswertes, lebendiges Erbe.

Können jahrhundertealte Mauern Rekorde der Filmwelt niederreißen? Am 1. August veröffentlichte Netflix „My Oxford Year“, drei Tage später führte der Film in 81 Ländern die Charts des Streamingdiensts an. In der gefeierten Hauptrolle: Oxford mit seinen Originalschauplätzen. Vernichtende Kritiken gab es für Schauspieler, Dialoge und Drehbuch – ein bemerkenswert misslungener Film. Aber Oxford spielte alle an die Wand und machte den Flop zum Erfolg.

Axel Halbhuber und Lea Moser aus dem KURIER-Reise-Team sprechen im Reisepodcast Stadt.Land.Meer. über Reise- und Urlaubsziele

„My Oxford Year“ erzählt das romantisch-dramatische Studienjahr der Amerikanerin Anna, die mit einer 26-Punkte-Liste anreist, was sie in Oxford sehen und erleben will, von der Bodleian Library bis zum Punting, vom Covered Market bis zur Kapelle des New College.

Mein persönliches Oxford ist die Stadt, in die es mich immer wieder zieht, seit ein Familienmitglied dorthin übersiedelt ist. Auch ich reise stets mit „To-see“-Listen an. Und dann führt die Stadt Regie, lockt mich an andere Orte, bringt unerwartete Erlebnisse. Genau so, wie es Anna im Film ergeht.

Oxford

Hertford-Bridge verbindet zwei Teile des gleichnamigen Colleges und hat in „My Oxford Year“ mehrere Auftritte

©Braunrath Birgit

Kebab und Cambridge

Plötzlich steht die kulturbeflissene Anna um Mitternacht an Hassan’s Food Truck (der im Film „Dimitri’s“ heißt) und isst mit leuchtenden Augen Kebab. „Hassan’s“ auf der Broad Street, unweit des Sheldonian Theatre, ist eine Institution im nächtlichen Oxford, die täglich bis 4.30 Uhr früh geöffnet ist.

Denn Oxford ist eine Stadt, die niemals schläft, obwohl sie auf den ersten Blick verschlafen wirkt, mit all den dicken, uralten Mauern, hinter denen sich aber so viel Leben abspielt.

In 36 Colleges, von denen einige 700 Jahre und älter sind, leben Tausende Vollzeitstudierende, die mehr als ein Fünftel der Bevölkerung Oxfords ausmachen. Sie halten das Stadtzentrum, das wie ein Freiluftmuseum aussieht, jung und lebendig. Sie machen Oxford zu einer der Städte mit der höchsten Fahrraddichte Englands – obwohl, zugegeben, in diesem Punkt der ewige Rivale Cambridge die Nase vorn hat. Im Universitätsranking 2026 hingegen liegt Oxford weltweit auf Platz eins. Und dies zum zehnten Mal in Folge.

KI und Colleges

Die Universität, an der uralte Traditionen gepflegt werden, als gäb’s kein Heute, ist gleichzeitig führend bei Zukunftsthemen. Einerseits strikte Kleiderordnung, Hierarchien und lateinische Zeremonien – die Vergangenheit ist omnipräsent. Andererseits ist Oxford Vorreiteruniversität. So wurde 2025 ein Programm ausgerollt, das ein spezielles KI-Modell für alle Mitarbeiter und Studenten anbietet. Damit ist Oxford die erste Universität Großbritanniens, die diesen Schritt setzt.

Oft gehe ich ohne Ziel durch die Stadt, lasse sie auf mich wirken. Menschen aus aller Welt, Kulinarik aus aller Welt (etwa am Gloucester Green Outdoor Market), tolle Straßenmusiker, hippe Cafés, in denen kein Kaffee ohne die Frage serviert wird: „Kuh-, Soja- oder Hafermilch?“

Bilder: 4 Mal Tradition in Oxford

Oxford ist eine Stadt zum Sich-treiben-Lassen, alle paar Meter ein Gebäude, das man kennt – Hertford Bridge, in Anlehnung an Venedig auch „Seufzerbrücke“ genannt; Sheldonian Theatre, der klassizistische Kuppelbau, von dem aus man einen Rundblick über die Stadt hat und in dem akademische Feiern stattfinden; Radcliffe Camera, der berühmteste Teil der Bodleian Library; Covered Market, Oxfords pulsierendes und gleichzeitig historisches Einkaufszentrum seit Ende des 18. Jahrhunderts ... Auch dazwischen lohnt sich ein Stopp: Viele Colleges haben Besuchszeiten für Touristen. Hinter schweren Toren und dicken Mauern tun sich Welten auf.

Infos

Anreise Direktflug nach London (etwa mit Austrian Airlines Wien– Heathrow oder British Airways Graz–Gatwick). Dann mit dem Bus „The Airline“ von Gatwick und Heathrow nach Oxford. CO2-Kompensation: 16 €

165.200 Einwohner Davon sind mehr als 20 Prozent (34.945) als Vollzeitstudierende an den Universitäten Oxford und Oxford Brooks registriert.

Auskunft oxfordcity.co.uk oder visitbritain.com/en/destinations/england/oxford

Eines der beliebtesten Colleges (bei Studenten und Besuchern) mit seinen gotischen Türmen, riesigen Rotwildwiesen und eigenem Punt-Bootsverleih ist Magdalen College. Ob Zufall oder nicht – Anna lebt in „My Oxford Year“ genau dort. Der Aufgang zu ihrem Zimmer liegt im Kreuzgang des Magdalen College. Wer nach der College-Tour Hunger hat und nicht warten will, bis „Hassan’s“ um 18.30 öffnet: „Najar’s“ auf St. Giles hat ganztags bis 21 Uhr offen und die weltbesten libanesischen Wraps, und St John’s College, direkt nebenan, ist einen Besuch wert. 

Ebenso das zehn Gehminuten entfernte Christ Church College. Übrigens: Dessen große Treppe, Speisesaal und Kreuzgänge spielen eine Hauptrolle in einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten: „Harry Potter und der Stein der Weisen“.

Birgit Braunrath

Über Birgit Braunrath

Birgit Braunrath, geboren 1968 in Eisenstadt, Journalistin seit 1992. Derzeitige Tätigkeit: KURIER-Kolumnistin. Sagt regelmäßig ihre Meinung im "OHRWASCHL", der täglichen KURIER-Glosse links unten auf der Titelseite.

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