Blick über eine Küstenstadt mit Hafen, Bergen und blauem Meer, im Vordergrund Blumen und ein Baum.
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Duft von Freiheit: Monaco mit der Nase neu entdecken

Umgeben von Kultur und Geschichte lässt sich die weltgewandte – und doch fast von der Außenwelt unberührte – Oase Monte Carlo mit allen Sinnen erleben. Zeit, einen tiefen Atemzug zu nehmen.

von Anna Rosner

Monaco beginnt mit dem Meer. Nicht mit dem Glitzern der Jachten oder dem Lärm der Casinos, sondern mit dem leisen, salzigen Hauch der Meeresluft, der schon am frühen Morgen über den Hafen weht. Denn um fünf Uhr morgens riecht der Hafen nach Arbeit. Nicht nach Luxus, nicht nach Urlaub. Hier, wo die Fischer ihre Boote vorbereiten, liegt der Duft von frischem Fisch und nassem Holz in der Luft – nicht aufdringlich, sondern dezent, fast wie ein Versprechen. Das Meer ist überall: in den Algen, die an den Pollern kleben, im kühlen Wind, der von den Wellen kommt, im metallischen Geschmack auf den Lippen, wenn man zu lange am Kai steht. Es ist der Grundton, der hier alles andere trägt.

Auf dem Marché de la Condamine vermischt sich der salzige Duft des Meeres mit den süßen, erdigen Aromen des Marktes. Hier liegt der Geruch von reifen Tomaten und frischem Basilikum in der Luft, vermischt mit warmem Duft von gebackenem Brot, das aus den Backöfen der kleinen Bäckereien strömt. Die Händler rufen ihre Preise, und zwischen den Ständen steigt der frische, fast scharfe Duft von Zitronen und Oliven auf. Es ist ein Geruch von Fülle, von Lebensmitteln, die noch lebendig sind – nicht perfekt arrangiert, sondern echt und ungeschönt.

Ein sonniger Marktplatz mit rot-gelben Ständen voller Blumen und Obst vor einem historischen Gebäude mit pastellfarbener Fassade.

Auf dem Marché de la Condamine findet man lokale Händler.

©B.Vergely

In den engen Gassen der Altstadt ändert sich die Luft. Sie wird schwerer, reicher. Hier dominiert der warme, würzige Duft von gegrilltem Fisch und Knoblauch, der aus den kleinen Trattorien strömt. Das Olivenöl zischt in den Pfannen, und der Geruch von Rosmarin und Thymian steigt auf, als würde die ganze Stadt langsam in einem Topf köcheln. Die Tische sind einfach, ohne Stielgläser, ohne Schnickschnack – aber der Duft, der hier in der Luft hängt, ist reich und komplex, wie eine Sauce, die stundenlang gekocht hat. Es ist der Geruch von Mittagessen, das nicht für die Augen, sondern für den Magen gemacht wird.

Enge mediterrane Gasse mit Straßencafé, roten Markisen und zahlreichen Sitzenden zwischen hohen Häusern.

Durch Monacos Altstadt zieht stets der Duft von frischem Essen.

©B.Vergely

In den Hügeln oberhalb von Monaco wird die Luft leichter, süßer. Zwischen den Orangenbäumen und Pinien vermischt sich der blumige Duft der Orangenblüten mit dem harzigen Aroma der Bäume. Der Wind trägt den Geruch von feuchter Erde mit sich, die Sonne wärmt die Steine, als würden sie den Duft der Jahrhunderte freigeben. Es ist ein Geruch von Stille und Zeit, von einem Monaco, das nichts mit dem Trubel unten am Hafen zu tun hat. Hier riecht es nach Land, das sich nicht verändert – oder zumindest nur langsam.

Der Fürstenpalast von Monaco in der Abendsonne, eingerahmt von Zweigen mit Blick auf das Mittelmeer.

Hier vermischen sich Meersalz-, Pinien- und Kräuterduft.

©B.Vergely

Am Abend, wenn die Lichter der Stadt angehen, kehrt der Meeresduft zurück. In den kleinen Bars der Altstadt vermischt er sich mit dem dunklen Aroma von Espresso und Zigarettenrauch, der in den Vorhängen klebt. Die Gläser klirren, die Stimmen sind leise, und der süße, fast betörende Duft von Anis steigt aus den Pastis-Flaschen auf. Hier wird nicht über Reichtum geredet. Hier wird gelebt, getrunken, erzählt – und der Geruch, der in der Luft hängt, ist der von Monaco, wie es die Einheimischen kennen: ein Mix aus Salz und Erde, aus Fisch und Kräutern, aus Rauch und Zeit.

Und wenn die Nacht spät wird, verändert sich die Stadt noch einmal. Die Wärme, die vom Tag in den Mauern gespeichert war, steigt langsam aus dem Stein. Die Luft trägt nun den trockenen Geruch aufgeheizter Fassaden, vermischt mit einer kühlen Brise vom Wasser. Von den Terrassen dringt das Aroma geöffneter Weinflaschen herüber, begleitet vom Duft frisch geschnittener Zitrusschalen, die über Gläsern ausgedrückt werden. Nichts davon ist laut. Die Gerüche schweben durch die Straßen wie Gesprächsfetzen, die man aufschnappt und gleich wieder verliert.

Info

Anreise
Flug nach Nizza, weiter mit Zug/Bus (ca. 30 Min.) oder per Helikopter (ca. 7 Min.), CO2-Kompens. via atmosfair.de: 12 € (ohne Heli). Mit Zug ab Paris ca. 6,5 Stunden.

Kulinarik & Tipps
- Frühstück: Kaffee mit Croissant neben Marché de la Condamine
- Mittag: kühles Getränk u. Streetfood am Hafen
- Abend: Sundowner im „Le Grill“ mit Blick über das Meer
- Nightlife: Glückssträhne im Casino testen
- Tipp: Kichererbsen-Pfannkuchen „Socca“ und „Barbagiuan“ (gefüllte Teigtaschen) probieren!  

Auskunft
visitmonaco.com

Wenn die Gassen leerer werden und die Schritte seltener, bleibt vor allem die Nähe des Meeres. Es ist nicht immer sichtbar, aber stets präsent. Selbst, wo keine Welle zu hören ist, liegt noch dieser feine salzige Hauch in der Luft. Er setzt sich auf Geländer und Fensterläden, auf die Haut der Menschen und auf die Erinnerungen derjenigen, die wieder abreisen.

Und dann sind da die Pausen zwischen den Geräuschen. Die Stille, die sich zwischen das Klappern der Absätze auf dem Kopfsteinpflaster schiebt, das kurze Innehalten der Stadt, wenn der Wind für einen Moment den Duft der Pinien von den Hügeln herunterträgt. Selbst hier, wo alles lebendig ist, gibt es diese kleinen, fast unsichtbaren Momente, in denen Monaco durchatmet – und mit ihm alle, die hier sind. Es ist, als würde die Stadt selbst einen Augenblick lang alles genießen: Salz, Sonne, Leben.

Vielleicht ist es genau das, was von Monaco bleibt: kein einzelnes Bild, kein bestimmter Ort, sondern eine Atmosphäre, die sich nicht festhalten lässt und gerade deshalb so lange nachwirkt.

Monaco ist kein Ort, den man nur sieht. Es ist ein Ort, den man riecht.

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