Kurort Semmering
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Mehr als gute Luft: Semmering-Rax feiert 100 Jahre Pioniergeschichte

Heuer feiert die Region Semmering-Rax über 100 Jahre Pioniergeschichte und holt dabei den Vintage-Charme ins Heute.

Die meisten kennen das Naherholungsgebiet vor Wien ja von Sonntagausflügen: die Rax, den Schneeberg und den Semmering. Doch warum sollte man nicht  einmal ein paar Tage länger hierbleiben und so richtig ausspannen, wie es anno dazumal die feine Wiener Gesellschaft machte? Noch dazu, wo die Anreise ein Katzensprung ist? Selbst Kenner entdecken in der UNESCO-Weltkulturerbe-Region immer wieder Neues und im Sommer werden über 15 Jubiläen gefeiert – von der Rax-Seilbahn bis zum Theater Reichenau –  mit zahllosen Kulturevents. Neben neu ausgebauten Wanderwegen, Bikeparks und kulinarischen Gaumenfreuden haben  junge Unternehmer frischen Wind in Hotels, Hütten, Restaurants und Cafés gebracht. Die Bergbahnen sind auf dem letzten Stand der Technik und die einstigen Belle-Époque-Hotels sind heute wieder Orte, wo Kultur und Zeitgeist aufeinandertreffen. 

Kurort Semmering

Im nostalgischen Südbahnhotel finden im Sommer Theaterabende und Führungen statt

©Kurier/Gilbert Novy

All das verdankt die Region Carl Ritter von Ghega. Ohne die Semmeringbahn, Europas erste Gebirgsbahn, gäbe es keinen Kurort. So konnte der Semmering ab 1854 vorwiegend von der kulturellen Elite der Habsburgermonarchie erobert werden. Das Südbahnhotel öffnete 1882 seine Türen, 1897 fuhr die berühmte Zahnradbahn erstmals auf den Schneeberg – und bis heute zum Bergbahnhof Hochschneeberg auf 1.800 Metern Höhe. Die heurigen Jubilare, die Seilbahn auf die Rax und ihre Zubringerbahn, die Höllentalbahn, folgten erst 1926. Semmering und das Rax-Plateau wurden bald zu Zufluchtsorten berühmter Schriftsteller und Künstler wie Arthur Schnitzler, Alma Mahler-Werfel oder Heimito von Doderer.  

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Der berühmte „20-Schilling-Blick“ (auf dem Foto ganz oben) ist bequem über den Bahnwanderweg entlang der Semmeringbahn erreichbar 

©Kurier/Gilbert Novy

Frische Luft  & frisches Bier

Damit die Jubiläumsregion Semmering-Rax rund um die UNESCO-Welterbestätte Semmeringeisenbahn mühelos erforscht werden kann,  gibt es neben einem Hop-on-Hop-off-Angebot entlang der historischen Bahnstrecke mit Bussen zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag auch ein bequemes Sammel-Taxi, den RUFbus Semmering-Rax: Das Kultur-Shuttle holt und bringt die Gäste der Region Payerbach-Reichenau an ihr Wunschziel. Durstige Sommerfrischler können so völlig autofrei zum Beispiel auch zum neuen  „Rax Bräu“ gelangen, um sich mit frisch gebrautem Bier zu stärken. Denn selbst auf luftiger Höhe von Rax-Plateau, Semmeringpass oder Schneeberg wird’s auch im Sommer ganz schön heiß – trotz frischem Berglüfterl.  

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Das gemütliche Rax Bräu in Hirschwang

©Florentina Welley

In Hirschwang wurde das ehemalige Kino zu einer Brauerei umgebaut und kürzlich um ein kleines Restaurant mit Gastgarten und Rax-Blick erweitert. „Das Bier zum Berg“ ist das Motto vom „Rax Bräu“, in dem wöchentlich 3.000 Liter Bier gebraut werden. „Wir haben uns beim Umbau des ehemaligen Kinos und späteren Musikerheims alle Mühe gegeben, dass der  neue Stil  der Brauerei vollkommen mit dem Vintage-Charme der späten 1950er-Jahre harmoniert, in dem der Bau errichtet wurde“, erzählt Inhaber Sasza Hauser. Auch die alten Ölbilder in der Gaststube halten die spannende Geschichte des Semmeringgebiets wach. Etwa von der ersten Bergrettung:  Der „Alpine Rettungsausschuss“ wurde sogar noch vor dem großen Ansturm auf die Rax, als erster Bergrettungsdienst der Welt, 1896, anlässlich eines  schweren Lawinenunglücks in den Wiener Alpen, gegründet. 

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Der Herrnhof, einstige Papierfabrikantenvilla in Reichenau

©Florentina Welley

Hinter dem Rax Bräu in Hirschwang befindet sich eine ehemalige Papierfabrik, die heute noch als Kartonfabrik aktiv ist. „Das Gebäude des heutigen Rax Bräus wurde als Kino für Fabriksarbeiter der Papier- und Holzindustrie  eingerichtet, die auch die heutige Museumsbahn, die Höllentalbahn zwischen Hirschwang und Payerbach-Reichenau nutzten“, so Hauser.

Alte Villen – neuer Geist

Und aus der stilvollen ehemaligen Papierfabrikantenvilla in Reichenau, dem historischen Herrnhof, wurde ein elegantes Apartmenthaus. Der jetzige Eigentümer Johannes Ribeiro da Silva hat nicht nur die Originaleinrichtung der Villa erhalten, er produziert auch ein traditionelles Sommerfrische-Getränk der Belle Époque unter dem Namen „Silva“. Ribeiro serviert seinen Gästen – gerne im Jugendstil-Salon mit Parkblick – einen Verjus-Drink, der auf einem alten Rezept der Gloggnitzer Mönche basiert. 

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Hier findet auch der TONSALON statt: Jugenstil-Salon im Herrnhof

©Florentina Welley

Wer durch diesen Park spaziert, kreuzt einen Wanderweg, der direkt auf die Rax zum Ottohaus führt – vorbei am legendären Hotel Knappenhof. Ein Weg, den auch Sigmund Freud gegangen sein könnte. Denn der Psychoanalytiker war eng mit dem damaligen Ottohaus-Pächter und späteren Gründer des Knappenhofs  befreundet und soll dessen Tochter in einer einzigen Sitzung geheilt haben.

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Über den Thörlweg auf das berühmte Ottohaus auf der Rax 

©Florentina Welley

Mit solchen Geschichten im Kopf werden selbst so anspruchsvolle Anstiege auf die Rax wie der Thörlweg zum Vergnügen. Bequemer erreicht man die Rax aber mit der 100 Jahre alten Seilbahn, die zwar noch über dieselben Stützen aus Stahlfachwerkkonstruktion à la Eiffelturm schwebt, deren Triebwerke aber auf dem letzten Stand der Technik sind. 

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100 Jahre Raxbahn: alte Stützen, neue Technik

©scharfegger's raxalpen resort

Während die Rax als Wiege des alpinen Tourismus gilt, war der Kreuzberg früher ein beliebtes Jagdgebiet für Adel und Bürgertum. Auch hier bekommt man zur Jause alte Geschichten dazu. Etwa in der Speckbacherhütte auf 1.094 Meter Höhe am Kreuzberg. Die Hütte war einst das Jagdhaus des Barons Rothschild. Heute sorgen neue Pächter für kräftige Suppen oder Brettljausen mit Zirbenschnaps. „Unsere Köche kommen heute aus dem Himalajagebiet, genau wie einer der größten Rhododendren Europas, der vor 100 Jahren hinter unserer Hütte gepflanzt wurde“, erzählt Wirtin Tanja Brunner.

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Im Original erhalten: hier speist man im Salon vom Landhaus Khuner, erbaut von Adolf Loos

©Florentina Welley

Wandert man dann zum Looshaus am Kreuzberg weiter, wird man mit feiner regionaler Küche, serviert im ehemaligen Salon des Landhaus Khuner (mit original Mobiliar von Adolf Loos), belohnt. In dem Haus aus Holz und Stein mit RAX-Blick, errichtet in den späten 1920er-Jahren, kann man sogar noch in den schlichten Loos-Zimmern übernachten. Sein Motto war schließlich: „Baue nicht malerisch. Überlasse solche Wirkungen den Mauern, den Bergen und der Sonne.“

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Der prachtvolle Kurpark in Reichenau von Landschaftsgärtner Franz Erban 

©Florentina Welley

Besondere Villen und historische Plätze lassen sich auch bei einem Villen-Spaziergang von Payerbach nach Reichenau entdecken: von ehemaligen Sommerfrische-Bauten entlang der Schwarza zu Freibad, Kurpark und Musikpavillon wandert man bis zum Theater Reichenau und über die Kurhauspromenade zum Reichenauer Kurpark. Landschaftsgärtner Franz Erban gestaltete den Park 1892, mit Pavillon, Teich und Bootsverleih.

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Das Café in der Orangerie im Schloss Wartholz; wer will, mietet hier einen Caddy zum Picknick an der Schwarza 

©Florentina Welley

Und das Schloss Wartholz, einst Sommerresidenz von Kaiser Karl und Kaiserin Zita, befindet sich zwar heute mit seiner großzügigen Parkanlage in Privatbesitz, aber in der Orangerie gibt es ein wunderbares Café und im Pavillon findet im Sommer der Literatursalon statt.

Die Sommerhauptstadt

Um 1900 nannten die Wiener den Semmering „Sommerhauptstadt der Wiener Kultur“. Heuer könnte man ihn wieder so bezeichnen. Dank Kulturveranstaltungen in Zusammenarbeit mit den Festspielen Reichenau und Florian Krumpöck, dem Intendanten des Kultur.Sommer.Semmering. „Dass Künstler aus dem deutschsprachigen Raum immer wieder gerne auf den Semmering reisen und für das Festival sogar extra Programme kreieren, ehrt uns, und ist, neben der Magie des geschichtsträchtigen Ortes, dem kulturbegeisterten Publikum zu verdanken“, sagt der Pianist und Dirigent. So können Sommergäste zwar noch immer nicht im Panhans einchecken, dafür aber in dem berühmten Hotel, wie auch im Kulturpavillon vis-à-vis, einen Abend mit Caroline Peters, Senta Berger oder Erwin Steinhauer verbringen. 

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Der berühmte „20-Schilling-Blick“ ist bequem über den Bahnwanderweg entlang der Semmeringbahn erreichbar 

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Das Hotel selbst wird renoviert und wartet ebenso wie das geschichtsträchtige Südbahnhotel auf eine gründliche Sanierung. In letzterem erfährt man bei Führungen durch die historischen Belle-Époque-Salons, dass es am Golfplatz des Hotels, der noch immer bespielbar ist, bei Loch 7 in schneereichen Wintern eine eigene Skisprungschanze gab.  

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Verblichener Glanz im Südbahnhotel

©Florentina Welley

Oder illustre Gäste wie Stefan Zweig, Arthur Schnitzler, Peter Altenberg und Sigmund Freud sich am Skijöring, Bobsleigh, Rodeln und an Liegekuren erfreuten. Im Sommer waren Golf, Reiten und Gymnastik angesagt.

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In der Hotellobby des Südbahnhotels erinnert die Säule an die Freizeit-Angebote von früher

©Florentina Welley

Neben alpinem Bergsteigen auf das Ottohaus oder zur Elisabethkirche am Schneeberg. Auch der Golfclub selbst versprüht  noch echten Vintage-Charme. Im Rahmen der Festspiele Reichenau wird auch das Südbahnhotel im Sommer zu einer literarischen Begegnungsstätte. 

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