Ein Mann mit Helm und Rucksack fährt auf einem Fahrrad über eine Brücke mit Fluss und Wald im Hintergrund.

Radtour im Engadin: Die schönsten Etappen am Inn entlang

Die Fahrt mit dem Rad vom Inn-Ursprung durch das Schweizer Engadin und das Tiroler Oberinntal ist landschaftlich grandios.

Engadin ist Rätoromanisch und heißt auf Deutsch Inntal. Der Inn entspringt in der Nähe des Lunghin-Passes an der italienisch-schweizerischen Grenze in 2.564 Meter Höhe. 520 Kilometer später mündet er in Passau in die Donau, wobei er der größere der beiden Flüsse ist.

Ein guter Einstieg für die rund 220 Kilometer lange Radtour nach Innsbruck ist Silvaplana, das einige Kilometer hinter St. Moritz auf einer Höhe von 1.800 Metern liegt. Es liegt am Silvanersee, der mit dem St. Moritzersee und dem Malocher See zur Engadiner Seenplatte gehört. Der Weg führt leicht abfallend entlang der Seen, man lässt den mondänen Erholungsort St. Moritz links liegen. Die Wege und Straßen sind gut ausgebaut, auf der Route sind immer wieder Läufer unterwegs: St. Moritz ist wegen der Höhenlage von 1.800 Metern ein beliebter Trainingsort. Der Inn ist hier noch kein Fluss, sondern ein größerer Bach. Das Wasser schimmert grünlich-weiß, es ist Gletscherwasser. Alte Kirchen laden da und dort zum Anhalten ein. An einem kleinen Waldsee praktiziert eine Gruppe ihre Yoga-Übungen.

Ein Gebirgsbach fließt zwischen grünen Bäumen und einem gelben Haus, im Hintergrund eine Steinbrücke und bewaldete Hügel.

Wasser aus einem Seitental stürzt bei Zernez hinunter, um im Inn zu münden.

©Josef Ertl

Dann wird die Landschaft gebirgiger, die flachen Etappen der Engadiner Seenplatte sind absolviert. Es geht über unasphaltierte Waldwege auf und ab. Insbesondere bei den Steigungen ist man froh, mit einem E-Bike unterwegs zu sein, so kann man die Hügel zügig anfahren. Es geht rauf zu den alten Ortschaften an den Berghängen. Nächster Halt: Zernez, der geografische Mittelpunkt des Engadin. Ein Stopp bei der Kirche von Lavin lohnt sich, der Altarraum ist voll wunderbarer Fresken.

Fresken aus dem 15. Jahrhundert in der Kirche von Lavin im Kanton Graubünden.

Fresken aus dem 15. Jahrhundert in der Kirche von Lavin im Kanton Graubünden.

©Josef Ertl

Ruhe der Berge

Die Strecke durch das Engadin gehört zum Schönsten der Tour. Sie ist körperlich herausfordernd, der Gast erlebt die Ursprünglichkeit des heimischen Lebens. Da und dort sind Bauern mit Spezialmaschinen auf den kleinen und steilen Wiesen unterwegs. Viele Einheimische sind weggezogen, die Städte bieten bessere Verdienstmöglichkeiten. Doch die Häuser sind gut erhalten, ruhesuchende Städter, die die Schönheit der Berglandschaft schätzen, haben sie erworben und gut restauriert.

Drei Menschen auf einem Wanderweg begegnen zwei Eseln hinter einem Zaun, im Hintergrund ein Bach und ein Holzhaus.

Kurzer Stopp auf dem Weg nach Guarda, um mit den Eseln zu kommunizieren.

©Josef Ertl

Scuol – größer als Wien

Nach einer längeren Bergauftour gelangt man nach Guarda, das wunderschön am Bergrücken liegt. Gastwirtschaften laden zur Rast ein. Nach der Labung geht es viel bergab, nach einer Stunde Fahrt erreicht man Scuol. Die Kirche liegt wunderbar auf einem Felsen oberhalb des Inns. Nach einer Gemeindefusion 2015 ist Scuol mit 439 Quadratkilometern flächenmäßig die größte Gemeinde der Schweiz – und etwas größer als Wien. Aufgrund spezieller geologischer Eigenheiten entspringen hier fünfundzwanzig Mineralquellen, von denen dreizehn gefasst sind. Die unterschiedlichen Mineralstoffe verleihen jedem Wasser ein besonderes Charakteristikum. Es werden von spezialisierten Sommeliers Wasser-Degustationen angeboten. Die Heilwasser werden auch für Bäder genützt.

Von den Wassern gestärkt führt die Tour Richtung Österreich. Nach dem Grenzübergang verengt sich das Inntal zu einer beeindruckenden Schlucht, die ihren Höhepunkt bei der Burg Altfinstermünz erreicht. Hier ging die römische Militärstraße Via Claudia Augusta durch, die damals wichtigste Alpenüberquerung. Das Rauschen des Inns ist beeindruckend, die Schluchtenlandschaft sowieso. Anschließend beginnt sich das Tal Richtung Pfunds in Tirol zu weiten. Die Steigungen sind zu Ende, es geht auf flachen, asphaltieren Straßen nach Landeck-Zams.

Info

 tirol.atAnreise
Man kann aus Österreich gut mit dem Zug anreisen. In der ersten Schweizer Haltestation Buchs Richtung Chur und St. Moritz umsteigen, der Zug fährt bis Silvaplana, oebb.at.

ARGE Innregionen
Die Tourismusverbände entlang des Inns haben sich zur ARGE Innregionen zusammengetan (innradweg.com,  anfragen@innrad-weg.com). Es gibt einen sehr informativen Folder, der die Tour gut beschreibt.

520 Kilometer legt der Inn vom Ursprung an der schweizerisch-italienischen Grenze bis zur Mündung in die Donau in Passau zurück. So lang  ist auch der Inn-Radweg. Er führt durch die  Schweiz, Österreich und Deutschland. Die Strecke von Silvaplana bis Innsbruck ist rd. 220 km lang: Silvaplana–Sucol 75 km, Scuol–Landeck 66 km, Landeck–Innsbruck 80 km.

Auskunft
engadin.ch
silvaplana.ch; tirol.at

Die Strecke von Zams ins achtzig Kilometer entfernte Innsbruck ist gut ausgebaut und verläuft diesseits und jenseits des Inns. Die Fahrt wird immer wieder von Schau-Erlebnissen unterbrochen. So lässt eine Gruppe von Raftern ihr Schlauchboot in den Inn, dort sind Kletterer an den nahen Felswänden unterwegs. In Imst ist für die Radfahrer vorzüglich gesorgt. Ein wunderbarer Rastplatz mit großzügigen Toiletten wurde eingerichtet, die müden Beine können in einem Wasserbecken erfrischt werden. Es geht vorbei am Kloster Stams, die Vororte von Innsbruck werden erreicht. Im Zentrum der Tiroler Hauptstadt hat man, beginnend in Silvaplana, 220 Kilometer zurückgelegt. Nach Passau wären es jetzt nur noch dreihundert Kilometer.

Josef Ertl

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