Die Burg Hochosterwitz thront auf einem bewaldeten Felskegel inmitten einer grünen Hügellandschaft in Kärnten.
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Wehrhafte Zeiten: Als Kärnten noch ein Burgenland war

Man sieht sie auf Felskanten und Hügeln: Was Kärntens Burgen und Schlösser heute noch über Schutz, Macht und das Leben erzählen.

In Mittelkärnten regiert immer noch das Mittelalter: Mehr als 100 Burgen, Schlösser und Ruinen laden dazu ein, auf den Spuren der Vergangenheit zu wandern. 

Grob gesagt liegt ein Grund für die hohe Dichte an Bauten in den alten Verkehrs- und Handelsrouten. Sie entwickelten sich bereits in der Antike und verbanden den Alpenraum mit der Adria und den Städten im Süden. Im Mittelalter gewannen diese Wege weiter an Bedeutung: Wer sie kontrollierte, konnte Zölle einheben, Handel lenken und seinen Einfluss sichern. Adelsfamilien, Bischöfe und Landesfürsten machten daher ihre Machtpositionen deutlich: durch Wehrbauten, die nicht nur militärisch genutzt wurden, sondern oft auch als repräsentative Verwaltungs- und Wohnsitze dienten.

 

Sturm auf die Burg

Das (Parade-)Beispiel dafür ist Burg Hochosterwitz in Sankt Veit an der Glan (auch im Bild ganz oben zu sehen). Der rund 800 Meter lange Aufstieg führt durch insgesamt 14 massive Tore, die Eroberungen nahezu unmöglich machten.

Ein historisches Torhaus mit Schiefer-Walmdach und Wandmalereien von Fahnenträgern in Renaissance-Kleidung vor einer Felswand.

Man muss 14 Tore und 5 Zugbrücken bewältigen, um Burg Hochosterwitz zu erreichen. 

©Getty Images/fotoember/istockphoto.com

Oben angekommen, vermitteln nicht nur Burghof und Kirche einen lebhaften Eindruck davon, wie das Leben auf einer Höhenburg einst aussah. Mit Handwerksbetrieben wie einer Schmiede, einer Zimmerei und einer Mühle war die Anlage auf Selbstversorgung ausgelegt. Viele der alltäglichen Arbeiten konnten direkt innerhalb der Burg erledigt werden. Waffen, Rüstungen und Dokumente aus mehreren Jahrhunderten sieht man im Museum. 

Nicht weit davon entfernt erhebt sich die Burgruine Glanegg über dem gleichnamigen Ort. Die einst bedeutende Wehranlage kontrollierte über Jahrhunderte das Glantal.

Burganlage auf einem Weinberg mit Terrassen, darunter ein Haus, umgeben von Wald und Bergen unter blauem Himmel.

Glanegg liegt malerisch über terrassierten Weinbergen.

©marvin walder

Die Wehranlage, die mit der Zeit zum Schloss erweitert wurde, hat einiges überstanden: Allein im 15. Jahrhundert war sie der Belagerung durch die Türken ausgesetzt sowie den Raub- und Plünderungswellen des ungarischen Königs Matthias Corvinus. 

Was sie nicht überstand, war die Dachsteuer Josephs II. Um Geld zu sparen, gaben die damaligen Besitzer den Auftrag, die Dächer der Burg abzutragen. Die Steuer wurde zwar bald wieder abgeschafft, doch das Schicksal der Burg war besiegelt: Sie trat den langen Prozess des Verfalls an.

Nur rund 20 Autominuten entfernt liegt auf einer Terrasse über den Wäldern des Kraiger Berges eine weitere Schönheit: Schloss Frauenstein zählt zu den besterhaltenen spätgotischen Schlössern Kärntens.

Luftaufnahme einer mittelalterlichen Burg mit Türmen, umgeben von Wald und Wiesen.

Schloss Frauenstein: elegant und wehrhaft zugleich.

©marvin-walder

Obwohl es nicht betreten werden kann, ist der Ort ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen. Von hier führen Wege zum Schloss Hochkraig sowie zu den Ruinen der Burg Freiberg und des Schlosses Niederkraig.

Ebenfalls im Privatbesitz befindet sich Schloss Eberstein. Im Görtschitztal sitzt es auf einem Felsen. Das 1078 erstmals urkundlich erwähnte, zweitgrößte Schloss Kärntens wacht heute nicht nur über die Landschaft, sondern über so manchen Biker, der hier am reiz- wie anspruchsvollen  Görtschitztalradweg unterwegs ist. 

Ein Steinturm mit hölzernem Baugerüst steht auf einem Hügel vor einem klaren blauen Himmel.

Bei Friesach entsteht eine Burg – ohne modernes Werkzeug und Arbeitsweisen.

©Burg Friesach Gmbh


Wie stark sich die Grenzen zwischen Heute und Gestern immer noch verwischen, zeigt aber Friesach am deutlichsten: Südlich der Stadt entsteht seit Jahren eine Burg – ausschließlich mit Werkzeugen, Materialien und Techniken des 13. Jahrhunderts. Besucher können so den Fortschritt hautnah verfolgen – und erleben, wie aus altem Wissen wieder ein Stück Vergangenheit entsteht.

Belinda Fiebiger

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