Ein Mann mit grünem Gilet steht lächelnd in einer traditionellen Apotheke vor Regalen mit Flaschen und Produkten.
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Traditions-Apotheke Bad Ischl: Die Wundermittel der Kaiserfamilie

Die Kurapotheke Bad Ischl hat eine lange - und kaiserliche - Tradition.

von Claudia Jörg-Brosche

1823 eröffnete die erste Ischler Badestube. Die Sole-Bäder in den Räumlichkeiten der heutigen Trinkhalle waren erfolgreich und zeigten auch bei Erzherzogin Sophie und ihrem Gemahl Franz Carl Wirkung: Nach einem langen Kuraufenthalt war Sophie endlich guter Hoffnung – mit Thronfolger Franz Joseph. Der phänomenale Kurerfolg bescherte Ischl einen immensen Aufschwung, das Bergstädtchen an der Traun mauserte sich nicht nur zu einem der angesagtesten Kurorte der Monarchie (ab 1906 unter dem Namen Bad Ischl), sondern auch zum sommerlichen Regierungssitz von Kaiser Franz Joseph I. und seiner Sisi.

Gegen jedes Zipperlein

Von Anbeginn an trug die Kurapotheke Bad Ischl viel zum Wohlbefinden der illustren Gästeschar bei, 1890 wurde sie mit dem Titel „k. u. k. Hoflieferant“ geadelt. Hier gingen Wundermittel wie „Reduktionsfluid bei Fettleibigkeit“, „Gletschercreme gegen Sonnenbrand“, der „Ischler Coniferen-Spirit“, Schneckensalbe für die Augen oder Sisis Lieblingsprodukt Rosenbadesalz über den Ladentisch. Welches Zipperlein auch immer Blaublütige und Adabeis heimsuchte, die K.-u.-K.-Kurapotheke am Kreuzplatz wusste ein Mittel dagegen zu mixen.

Bis heute produziert der Familienbetrieb in vierter Generation (Familie Hrovat) mehr als 200 wohltuende Naturprodukte nach überlieferten Geheimrezepten. „Das ist eine Seltenheit in Österreich. Es ist uns gelungen, die Tradition der manuellen Arzneimittelherstellung trotz Druck der Industrie aufrechtzuerhalten“, erzählt Pharmazeut Martin Pramesberger. „Mehr noch: Unser Haus war maßgeblich daran beteiligt, dass das Apothekerhandwerk in Österreich seit 2010 zum immateriellen UNESCO Kulturerbe zählt. Das schafft ein neues Verständnis für lokale Besonderheiten, alte Bräuche, regionale Ressourcen und den nachhaltigen Umgang damit.“

Top 3

Kurapotheke Familienbetrieb am Kreuzplatz, Führung nach  Voranmeldung. kurapotheke.at

Konditorei Zauner Der kaiserliche Leibarzt Franz Wirer holte 1832 den Wiener Zuckerbäcker Johann Zauner nach Ischl. Auch heute noch sind alle  Köstlichkeiten 100 Prozent Handarbeit. zauner.at

Hotel Grand Elisabeth Neues, zentral gelegenes 4*S-Haus. Das  stylische Design ist eine Hommage mit Augenzwinkern an Sisi; grand-elisabeth.at

Interessierte Bad-Ischl-Gäste sind eingeladen, die historische Apothekenkultur kennenzulernen. Nach Voranmeldung gibt’s einen Blick hinter die Kulissen. Sprich: in die Produktions-, Lager und Kellerräume. Hier sieht man, wie Sisis Rosen-Badesalz, Ziegenmilchseife, Dachsfettsalbe, Cremen, Pastillen, Tinkturen, Tees und Liköre für mehr Gesundheit hergestellt werden. Die hochprozentigen Wohltäter der „Liquor-Serie“ werden sogar zur Verkostung gereicht – als „gute Hausgeister der Apotheke“.

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