Ein Österreicher in Australien erzählt über Skifahren im Eukalyptuswald
An diesem Wochenende startet die Skisaison – in Australien. Kein Österreicher kennt das Wintersportgebiet Mount Buller so gut wie Roland Kautzky. Ein Gespräch über die Exotik des Schnees.
Einer der bekanntesten und beliebtesten KURIER (Reise)-Autoren ist Wolfram Kautzky. Und der hat einen Cousin, der seit langer Zeit in Australien lebt – als Skilehrer und Skifahrer. Weil dieser Cousin, Roland, anlässlich des Songcontests auf Wien-Besuch war, baten wir ihn zum extravaganten Gespräch über den etwas anderen Schnee.
KURIER Talk mit Roland und Wolfram Kautzky
KURIER: Roland, ihr fangt in Australien jetzt gerade also wirklich mit der Skisaison an. Habt ihr genug Schnee?
Roland Kautzky: Die Jahreszeiten sind genau gegenläufig, daher geht die Skisaison von Juni bis in den September hinein. Und es gibt sogenannte snow factories.
Wolfram Kautzky: Das sind nicht die üblichen Beschneiungsanlagen wie bei uns, wo aus einem See das Wasser gefroren auf die Piste gesprüht wird, sondern richtige Fabriken, wo der Schnee hergestellt und auch gekühlt wird. Und dann am Beginn der Saison wird der aufgetragen auf die Piste.
Roland K.: Aus dem Container sozusagen. Das ist recht beliebt, wenn man sich in diesem Bereich bewegt, wo es gerade so um die null Grad hat und da kann man dann Schnee auch schon jederzeit herstellen.
Ist dieser „Mount Buller“ eigentlich das einzige Skigebiet Australiens?
Es ist das Skigebiet, das am nächsten zu einer größeren Stadt liegt, drei Stunden von Melbourne entfernt. Es gibt dann schon noch vier andere, die sind aber alle weiter entfernt. Mount Buller ist der beliebteste Berg, sozusagen der Hausberg für die Melbourner.
Im KURIER TV-Studio: Wahl-Australier Roland Kautzky und sein Cousin, Reiseautor Wolfram Kautzky.
©Kurier TVUnd wie können wir uns das vorstellen? Hoch, tief, weit?
Also Alpen sind es keine. Aber ein Skigebiet, ja. Um die zwanzig Lifte, die teilweise natürlich doch nur kurz sind. Der Gipfel liegt knapp unter 2.000 Metern, aber die Schneefallgrenze ist schon um die 1.500 Meter. Man hat also eigentlich nur die obersten fünfhundert Höhenmeter, wo man Ski fahren kann. Die Zufahrt geht durch einen Eukalyptuswald hinauf und an der Baumgrenze erreicht man die sogenannten snow gums – die Schnee-Eukalyptus, die im Winter auch eingeschneit sind, ein ganz besonderes Erlebnis.
Die Liftanlagen sind – wie könnte es anders sein – von Doppelmayr, aber wegen der Schneegrenze nicht lang.
©Tony Harrington/Mt BullerUnd es gibt dort einen starken Österreich-Einfluss?
Wolfram K.: Das war auch für mich bei meinem Besuch sehr skurril. Man muss die Dimensionen zurechtrücken, „nahe bei Melbourne“ heißt ja, man sitzt drei Stunden im Auto.
Das kennt man in Australien.
Ja, und dann nähert man sich diesem Eukalyptuswald und das erste, das ich gesehen habe, waren Doppelmayr-Lifte. Aber damit nicht genug: Auf einer Lodge stand: Altsburg Lodge. Das S ist irgendwie verloren gegangen. Aber es kann kein Zufall sein, auch auf dem Gipfelhäuschen bei der Bergstation des Lifts ist ganz groß Tirol oben drauf gestanden. Das hat mich auch verblüfft. Also habe ich ein bisschen nachgefragt, was es damit auf sich hat. Und Roland hat mir die Geschichte erzählt, dass es einen Österreicher gegeben hat ...
Roland K.: ... Hans Grimus hat der geheißen. Der ist als 18-Jähriger im Jahr 1959 dorthin ausgewandert und wurde auf dem Mount Buller ein Skipionier. Er hat den ersten Lift errichten lassen und mit seiner Familie auch das Hotel, oder: eine Pension.
Das gibt es noch, oder?
Ja, bis heute. Während der Saison treffe ich mich dort jeden Donnerstag zum Stammtisch mit all den jungen österreichischen Skilehrern, die ja noch immer da hinkommen. Wir haben jetzt so zwischen zwanzig und dreißig junge Österreicher, die da jedes Jahr kommen. Denn es sind zwar eher kürzere Abfahrten, aber durchaus auch steiles und anspruchsvolles Terrain.
Auf den Pisten zwischen Eukalyptusbäumen lernen Kids gut Ski fahren – auch von österreichischen Skilehrer.
©Tony Harrington/Mt BullerSagst du als einer, der ja auch in Österreich Skilehrer war. Aber du bist wegen des Skifahrens hingekommen.
Über Umwege. Ursprünglich habe ich in Wien fertig studiert und war dann immer schon am Arlberg in St. Anton als Skilehrer tätig. Irgendwann kam die Idee, zu schauen, wie es auf der anderen Seite der Welt aussieht. Es hat mich zuerst nach Neuseeland verschlagen, dann hat mich die Liebe nach Melbourne gebracht. So bin ich vor 25 Jahren da hängen geblieben.
Abgesehen vom Skifahren ist Australien auch so für viele eine Sehnsuchtsdestination. Welche Punkte sollten bei der ersten Reise dorthin nicht fehlen?
Die Pflichtziele sind auf jeden Fall Melbourne, die europäischste der Städte, die kulturell was zu bieten hat. Sydney natürlich mit den ikonenhaften Bauwerken Oper und Brücke. Dann ein bisschen die Küste entlang Richtung Brisbane und den tropischen Regenwald im Norden. Und wenn man Zeit hat, ist jedenfalls der Uluru (früher auch Ayers Rock, Anm.) empfehlenswert. Das ist eine ganz andere Welt, so isoliert im Landesinneren, von Wüste umgeben. Da bekommt man natürlich auch die Aborigines-Kultur sehr gut zu spüren.
Was würdest du ergänzen, Wolfram?
Wolfram K.: Wir wollten unbedingt nach Byron Bay an der Ostküste, Roland wollte es uns zeigen. Wir hatten nur das Pech, dass ein Zyklon im Anmarsch war. Dadurch ist das ins Wasser gefallen. Das würde ich noch gerne sehen.
(Stark gekürzt, gesamtes Gespräch siehe TV-Hinweis).
Info
Anreise Flug nach Sydney mit Zwischenstopp – über mehrere Optionen. CO2-Kompensation via atmosfair.de: 249 €.
210 Kilometer liegt Mount Buller von Melbourne entfernt. Infos zum Skigebiet auf mtbuller.com.au/winter
Ausflugstipps – Mountainbiken: Route vom Mt Buller tausend Höhenmeter hinunter ins Tal des Delatite River (trailforks.com).
– Gute Pubs in der Ex-Goldgräberstadt Mansfield (visitvictoria.com).
– Wein verkosten im Weinbaugebiet Yarra Valley (visityarravalley.com.au).
Auskunft australia.com
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