Blick von einem Garten auf das Meer mit zwei Pinien, kleiner Küste, Boot und weitem Himmel.
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Magic Moments an der Amalfiküste: Es gibt noch unentdeckte Orte

Wer den beliebten Küstenabschnitt etwas ruhiger erleben möchte, sollte im Herbst kommen. Eine Spritztour für Nostalgiker in Kampanien.

Es ist Herbst und ausnahmsweise ein Regentag an der Amalfiküste. Die kurvige Panoramastraße, auf der man bei Schönwetter kaum vorankommt, ist diesmal fast autofrei – ein seltener Anblick. Endlich Gelegenheit, diesen Küstenabschnitt mit der macchina ohne Stress abzufahren.

Zuerst Positano: Der Ort ist zwischen April und Ende Oktober immer belebt – zu schön die Lage, zu schön die bunten, an die Felsen geklebten Häuser, zu schön die beiden Strände.

Aber einen echten Geheimtipp gibt’s selbst dort: Hier wurden in jüngster Zeit von Archäologen die Reste einer römischen Villa freigelegt. Wer je in Pompeji war, kommt aus dem Staunen kaum heraus: Positanos Villa Romana steht in Sachen Wandmalereien der berühmten pompejanischen Villa dei Misteri so gut wie nicht nach. Und hat noch dazu einen unschätzbaren Bonus: Die meisten Touristen ziehen an dem Museum trotz der prominenten Lage (direkt unter der Pfarrkirche Santa Maria Assunta) achtlos vorbei – die Ruhe im Inneren (es werden ohnehin nur maximal zehn Personen gleichzeitig eingelassen) macht aus der unterirdischen Villa einen magischen Ort.

Die Ruhe, die man sucht

Weiter nach Amalfi. Auch hier ist es trubelig, doch der nächste Sehnsuchtsort liegt nur zwanzig Autominuten entfernt.

In Ravello, vierhundertfünfzig Meter oberhalb der Küste gelegen, findet man die Ruhe, die man in Amalfi vergeblich sucht – das Dörfchen ist autofrei.

Richard Wagner hat hier in der Villa Rufolo seinen Klingsors Garten entdeckt und im Parsifal verewigt. Einen schöneren Ausblick auf die Amalfitana als von hier kann man kaum wo ergattern. Es sei denn, man wandert noch fünfzehn Minuten weiter zum Belvedere der Villa Cimbrone – das Küstenpanorama mit den antikisierenden Büsten im Vordergrund ist schon fast kitschig.

Auf der Rückfahrt nach Positano noch ein Zwischenstopp in Praiano. Oberhalb der Hauptstraße lockt eine Kirche, also nichts wie die steile Straße hinauf. Und plötzlich diese Szenerie: Vor einer Kehre parkt, wie aus den Sechziger-Jahren herbeigebeamt, ein zitronengelber Fiat 500, hinten drauf ein Lederkoffer. Das Pärchen, das vor dem Auto steht, könnte einem Werbeprospekt für das Dolce Vita entsprungen sein – seine gelben Sneaker stimmig zum Auto, ihr weißes Kleid, bedruckt mit Orangen und Zitronen, perfekt auf das, was die Amalfiküste ausmacht, abgestimmt.

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©Wolfram Kautzky

Fazit der herbstlichen Spritztour: Das nostalgische Italien-Flair, das man aus Filmen, Illustrierten und Bildbänden kennt, gibt’s wirklich. Man muss nur wissen, wo – und ein bisschen Glück haben.

Info

Villa Romana/Positano Die römische Villa befindet sich im Museo Archeologico Romano, direkt unter der Kathedrale (9-21 Uhr, im Winter bis 16 Uhr, Eintritt 15 €).

Villa Rufolo/Ravello Parkanlage mit Prachtblick auf die Amalfi-Küste (täglich 9-20 Uhr, Eintritt 8 € (villarufulo.com). Im Sommer Klassikfestival unter freiem Himmel,
ravellofestival.info

Villa Cimbrone/Ravello Hotel samt einer weitläufigen Gartenanlage und Aussichtsterrasse (Belvedere) (Gärten von 9.00 bis Sonnenuntergang geöffnet, Eintritt 10 €).

Ziele und Aktivitäten auf italia.it/de

Wolfram Kautzky

Über Wolfram Kautzky

Wolfram Kautzky ist regelmäßiger Gastkolumnist für den KURIER.

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