Äquatorialguinea: Das besonders unbekannte Afrika
Bioko, die Vulkaninsel im Golf von Guinea, ist quasi ein weißer Fleck im Tourismus. Neben üppiger Natur erlebt man hier einige positive Überraschungen.
"Was machst du in Äquatorialguinea?“, fragen mich selbst an meine manchmal sehr speziellen Reisedestinationen gewöhnten Freunde fassungslos. Okay, der Golf von Guinea ist eher für Seepiraterie bekannt als für Badeurlaube und das Land gilt als „autoritäre Kleptokratie“ unter dem am längsten amtierenden nicht-monarchistischen Staatsoberhaupt der Welt. Aber man ist, dank Lufthansa-Direktflug von Frankfurt nach Malabo (war bis 2025 Hauptstadt des Landes), von Österreich innerhalb eines Tages dort. Also, warum nicht?
Malabo liegt außerdem nicht auf dem größeren Teil des Staates am Festland, sondern auf der rund 70 Kilometer langen und 32 Kilometer breiten Insel Bioko. Und die hat einige Überraschungen zu bieten. Wie etwa eine für diese Region ausgezeichnete Infrastruktur mit sehr guten Straßen und zwei, drei sehr komfortablen Hotels. Der Grund dafür liegt an den reichen Ölvorkommen, dessen Einnahmen wenig überraschend der herrschenden Elite zukommen. Die hegt aber auch das zarte Pflänzchen eines beginnenden Ökotourismus mit tollen Voraussetzungen.
Guide Francisco
©Godai WolfgangRichtig dicht ist der Regenwald entlang der zahlreichen Bergkämme und Vulkankrater im Landesinneren. Francisco schwingt seine Machete ausdauernd vor sich her, um den Weg durch den Busch zu erleichtern, über schlammige Wege, so dicht bewachsen, dass man den Boden oft nicht sieht.
Giftschlangen gibt es auch in diesen Wäldern, aber dazu später, außerdem ist der Guide ja aus dem Dorf Moka, wo die Tour startete, und der wird schon wissen, wohin er tritt. Nun wird auch klar, warum die Agentur, die alle Ausflüge organisiert, dringend geraten hat, Bergschuhe, lange Hosen und Hemden mitzunehmen, hier nahe des Äquators. Der rutschige Untergrund, giftige Stacheln auf manchen Blättern sowie aggressive Ameisen erfordern Schutzmaßnahmen. Außerdem geht es bis auf kühle zweitausend Meter hinauf, zu einem Ausblick auf den Lago Biao, einem idyllischen See in einem Vulkankrater. Der schweißtreibende Aufstieg zahlt sich aus, die Natur hier ist spektakulär und unberührt. Und am Ende des Abstiegs gibt es sogar ein neues, zumindest derzeit noch viel zu großes Hotelrestaurant, wo man sich mit Steaks oder Huhn wieder aufpäppeln kann.
Der Autor vor dem Lago Biao.
©Godai WolfgangDer höchste Gipfel der Insel und des ganzen Landes liegt ein wenig weiter nördlich, der Pico de Basilé mit 3.011 Metern. Trotzdem kommt man hier ganz ohne Schnappatmung hin, denn von Malabo aus gibt es eine asphaltierte Straße bis zum Aussichtspunkt der Virgen de Bisila, eine der höchstgelegenen Kirchen Afrikas, auf 2.800 Metern. Weiter rauf darf man ohnehin nicht, Zäune und eine Menge Funkmasten weisen den Gipfel als militärisches Sperrgebiet aus. Die Vegetation im Nationalpark ist faszinierend, es gibt viele endemische Arten und seltene Spezies diverser Primatenarten, wie Kolobus- und Preuss-Affen.
Virgen de Bisila
©Godai WolfgangMalabo ist unspektakulär. Viel zu sehen gibt es auf dem riesigen Zentralmarkt, wo man neben etwas Kunsthandwerk nur Trödel sieht, hier zeigt sich, dass die Ölgelder beim einfachen Volk nicht ankommen. Ein paar alte Kolonialgebäude sind schon leicht verwest, architektonisches Highlight ist der riesige Präsidentenpalast, den man nicht fotografieren darf. Einen städtischen Nationalpark gibt es hier auch, mit zahlreichen riesigen Skulpturen, die jeweils einem der vielen Stämme des Landes zugeordnet werden.
Der beste Strand der Insel
Die Restaurants rund um einen künstlichen See werden vor allem von Chinesen besucht, die auch hier als Investoren recht umtriebig sind. Fünfzehn Kilometer östlich der Stadt gibt es den besten Strand der Insel, Sipopo, gleich neben einem überteuerten Luxushotel. Schwimmen, schnorcheln und essen dürfen hier aber auch Nicht-Gäste, Touristen wie Einheimische.
Sipopo Beach auf der der Insel Bioko.
©Godai WolfgangKurz vor Sipopo passiert man eine lange Reihe von Luxusvillen, die für Staatsgäste bei Sitzungen der Afrikanischen Union errichtet wurden. Da diese nur alle paar Jahre stattfinden, stehen sie sonst leer. Diese Geldverschwendung hat auch schon zu Protesten geführt.
Eine ganz andere Welt zeigt sich am südlichen Ende Biokos. Die Strände in der Region Ureka zählen zu den regenreichsten Orten der Welt. Wo die Straße endet, steht das Moaba Turtle Research Camp, weil an dieser Küste die größte Meeresschildkröte der Welt laicht, zwei Meter lang und bis zu siebenhundert Kilogramm schwer. Eine Wanderung führt bei Ebbe über den schwarzen Vulkansandstrand, wir müssen Flussmündungen entlang des Mangrovenwaldes durchwaten, bis zur Brust im Wasser.
Wattwandern auf Bioko.
©Wolfgang GodaiAber der Guide kennt die besten Querungen, und wahrscheinlich gibt es dort auch keine der extrem giftigen Waldkobras, die als gute Schwimmer hier auf der Insel auch Fisch auf ihrem Speiseplan haben. Gut sitzende Wassersandalen sind ein Muss, auch weil ein Teil der Route bergauf, bergab, durch den Dschungel führt. Dazwischen belohnen immer wieder tolle Wasserfälle, in deren Pools man gut schwimmen kann.
Wasserfall auf der Insel Bioko.
©Godai WolfgangDieser Teil der Insel ist Naturschutzgebiet, nicht einmal Einheimische dürfen ohne Sondergenehmigung zum Picknicken oder Baden hinein. Dass in den Mangroven trotzdem Mengen von Plastikmüll angeschwemmt werden, ist trauriger Alltag. Müllverbotsschilder nützen kaum. Dabei gibt es viele Polizeikontrollen, auch schon an der Zufahrtstraße. Die wollen meist den Reisepass und das E-Visum sehen, aber im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Ländern wird keine „Maut“ fürs Weiterfahren verlangt. Angeblich eine erste Maßnahme des proklamierten Nachfolgers des Präsidenten, seinem Sohn, gleichzeitig auch sein Vize, der sich gegen Korruption und für mehr Demokratie einsetzen will. Die Hoffnung lebt.
Playa Arena Blanca.
©Godai WolfgangAuf der Rückfahrt nach Malabo über die Westküste kann man die Insulaner fröhlich und entspannt erleben. Und zwar an der Playa Arena Blanca, dem populärsten Strand hier, mit Standln, Musik, Grills und buntem Leben. Das wird auch noch eine Weile so bleiben, denn Hotel gibt es hier keines. Es ist eben doch sehr ursprünglich, diese kleine Insel Bioko.
Info
Anreise Mit Lufthansa ab Wien über Frankfurt nach Malabo bequem in einem Tag bzw. Rückflug nachts. CO2-Kompensation via atmosfair.de: 49 €.
Einreise Man benötigt nur ein E-Visum, die Einreichung ist etwas kompliziert, also viel Zeit nehmen.
1968 In diesem Jahr wurde das Land unabhängig von Spanien.
Übernachten Hotel Bisila Palace: nahe beim Flughafen, großer Pool, gute Küche. bisilapalace.com
Ausflüge Die Agentur Rumbo Malabo bietet viele Touren und ist zuverlässig, pünktlich und hilfreich. rumbomalabo.com
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