Schödl, Krutzler & Co: Österreichs neue Wein-Generation
In der Weinbranche betreten neue, vielversprechende Protagonisten die Bühne. Vier Winzerinnen und Winzer, deren Weine man unbedingt kennen und kosten sollte.
Sie sind jung, gut ausgebildet und selbstbewusst. Die meisten absolvieren Praktika im Ausland und sprechen mehrere Sprachen. Vor allem aber machen sie richtig guten Wein. Doch die jungen Weinmacher sehen sich vor schwierigen Herausforderungen – Klimaveränderung und verändertes Trinkverhalten sind nur einige davon. Um dem zu begegnen, braucht es Mut, aber auch Demut vor den Gegebenheiten, vor der Natur. Vor allem aber braucht es klare Visionen und eine individuelle Stilistik, um aus der uniformen Masse hervorzustechen und bestehen zu können.
Die „Schödl Family“ Viktoria, Mathias und Leonhard machten im Weinviertel aus dem Hobby ihrer Eltern ein professionelles Unternehmen
©mike rabensteinerAll diese Eigenschaften besitzen zum Beispiel drei Geschwister aus dem Weinviertel. Sie nennen sich Schödl Family. Vor einigen Jahren machten sie aus einem Hobby-Betrieb der Eltern ein professionelles Unternehmen. Viktoria, Mathias und Leonhard Schödls Weg hätte auch ganz anders verlaufen können: In jungen Jahren wollten sie nur raus aus der Provinz, hinein in die Metropolen der Welt.
Das Weinviertel und den hiesigen Weinstil empfanden sie als zutiefst langweilig: "Es reizte uns damals einfach nicht", erinnert sich Viktoria Schödl. Sie studierte also Kunst- und Kulturmanagement, arbeitete in London und New York, ihre beiden Brüder in Südafrika und Kalifornien. Und doch zog es sie zurück nach Loidesthal, zurück in die Provinz.
Überraschend gut
Ab 2017 stiegen sie nach und nach in den Betrieb ein. Aus drei Hektar wurden 18 – seit 2019 arbeiten sie biologisch, seit 2020 biodynamisch. Seit vergangenem Jahr sind sie Mitglieder bei der renommierten Winzervereinigung "Respekt Biodyn". "Darauf sind wir stolz", sagt Viktoria. "Viele unserer Vorbilder sind dort vertreten." Einer Leidenschaft des Vaters sind sie treu geblieben – dem Schaumwein: Neben ihren Stillweinen, mit so lässigen Namen wie "Free Your Mind" oder "One of a Kind", überraschten sie die Fachwelt auch mit überaus präzisen Sekten und Pet Nats.
Die Schödls sind mit ihren Weinen am Puls der Zeit und mit Sicherheit einer der Namen, die man sich in Zukunft merken sollte.
Clemens Krutzler hingegen kommt aus einem schon bekannten heimischen Weinbaubetrieb. Die Krutzlers gelten als die ganz großen Pioniere des Südburgenlands – insbesondere ihr Paradewein "Perwolff" erlangte in den späten 1990er-Jahren Kultstatus. Große Fußstapfen für Clemens Krutzler, die er jedoch schier mühelos ausfüllt.
Talente der heimischen Weinbranche: Clemens Krutzler aus dem Südburgenland
©Ingo PertramerWeißwein aus Südburgenland Seit 2020 experimentiert er mit eigenen Projekten, seit 2023 leitet er den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater Reinhold und gilt als einer der ganz großen Talente der heimischen Weinbranche. Als er letztes Jahr gemeinsam mit südburgenländischen Kollegen am Arlberg vor Fachpublikum seine Gewächse präsentiert, überrascht er ausgerechnet mit einem Welschriesling.
Die Weißweinsorte verband bislang kaum jemand mit dem Südburgenland – umso beeindruckender das Ergebnis. Mittlerweile macht er vier Weine aus Welschriesling und Blaufränkisch, seine Handschrift zeigt sich klar und prägnant. Seine Gewächse sind von bestechender Leichtigkeit, Lebendigkeit und Klarheit. Finesse vor Opulenz, ist sein Credo. Minimale Intervention im Keller soll die Herkunft sprechen lassen.
Noch weiter südlich, in der Steiermark, zeigt ein anderer Jungwinzer sein Talent. Elias Muster beeindruckte schon als 17-Jähriger mit seinen Weißweinen. Heute ist er 22, lernt bei internationalen Weingütern und produziert nebenbei seine eigene Linie: Weine mit einer Balance und Ruhe, wie man sie von einem jungen Mann nicht erwarten würde.
Junger Jahrgang: Elias Muster aus der Steiermark
©Holger RiegelLehre beim Meister
Aber Elias hat einen außergewöhnlichen Lehrmeister: Sepp Muster gilt als einer der Pioniere und großen Meister heimischer Natural Weine. Einer der den Weg bereitete für den internationalen Erfolg dieser Kategorie. Den Willen zur Eigenständigkeit und das Gespür für Weine hat Elias ganz offensichtlich von seinem Vater geerbt. Wie aber will man revoltieren gegen einen Revolutionär? Vielleicht, indem man seinen ureigenen Instinkten vertraut und so ganz eigene Wege geht. Nicht laut aber umso nachhaltiger.
Macht gemeinsam mit ihrem Vater Weine: die Wienerin Julia Kroiss
©STEVE HAIDERAuch in Wien, der einzigen weinproduzierenden Metropole der Welt, melden sich neue, junge Talente: Wie etwa Julia Kroiss, die nun gemeinsam mit ihrem Vater Weine aus besten Lagen zwischen Sievering und Neustift produziert. Einige davon sogar schon ganz alleine. Sie tragen zart ihre Handschrift und weisen eine kühle, elegante Stilistik auf. Noch steht die junge Winzerin ganz am Anfang ihres eigenen Weges. Aber man wird noch viel von ihr hören.
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