Kaffee mit Eis in einem Glas mit Milch

Kaffee-Trends: Barista-Star Piotrowska verrät die coolen Sommer-Drinks

Koffein wird im Sommer mit Obst aufgepeppt. Matcha, Cold Brew, Espresso – geschmackvoll im Trend wie nie.

Vorbei sind die Zeiten, als man in Österreichs Kaffeehäusern viel zu oft schlechte Melange trinken musste und die Auswahl neben Mokka maximal noch Kaffee mit Likör bot. 

Damit lockt man heutzutage niemanden mehr ins Lokal. Im Sommer werden stattdessen kalte, kreative Kaffeemixgetränke zum Renner. Kaffeepuristen hingegen finden bei kleinen, aber feinen Röstereien höchste Kaffeequalität und wieder und wieder verstärkt die Wiener Röstung. Die ist zwar international bekannt, wurde aber  bei uns zwischenzeitlich ins Abseits gedrängt. 

Während Italiener dunkel rösten und Schweden, zugeschnitten auf  Filterkaffee, sehr hell, setzt man in Wien traditionell auf die goldene Mitte: Eine starke Röstung, bei der trotzdem viele Aromen erhalten sind. 

Klein, fein und gerecht

Im Wiener Rösthaus im Prater setzt  man auf sortenreinen Arabica Kaffee. Der kostengünstigere Robusta kommt Röstmeisterin Silvia Maino nicht in die Tasse. Sie erfuhr von der Wiener Röstung vom inzwischen verstorbenen „Kaffeepapst“ Leopold Edelbauer.

Für Maino liegt die Zukunft in  Qualität und Nachhaltigkeit: Ihre Bohnen bezieht sie in geringen Mengen von kleinen Plantagen. Ist eine Sorte besonders beliebt und deshalb schnell vergriffen, kann es schon vorkommen, dass man ein dreiviertel Jahr bis zur nächsten Ernte warten muss. 

Ebenfalls auf sortenreine Kaffeedelikatessen spezialisiert sind die Gota Coffee Experts auf der Äußeren Mariahilfer Straße. Das Kaffeehaus reüssiert unter den besten der Welt. Dominika Piotrowska ist bereits zweifache Barista-Staatsmeisterin. Mitte April gewann sie erstmals den Staatsmeister in der Kategorie „Coffee in Good Spirits“ (siehe unten), im Juni wird sie Österreich bei der WM in Brüssel vertreten. 

Dominika Piotrowska mit ihrem „Coffee in Good Spirits“-Championship-Award.

Keine in Österreich mixt besser: Dominika Piotrowska mit ihrem „Coffee in Good Spirits“-Championship-Award. 

©Niklas Schnaubelt

Matcha bleibt, geschmackvollere Milch kommt

Dem KURIER verriet Piotrowska die trendigsten koffeinhaltigen Köstlichkeiten für den kommenden Sommer. Ein Liebling im Glas ist und bleibt Matcha. Die Geschmäcker werden jedoch  vielfältiger, weil der Einsatz von mehr pflanzlicher Milch die Palette erweitert. „Man kann mehr mit dem Kaffeegeschmack spielen.“

Eine Hand gießt Espresso in ein Glas mit Eiswürfeln und Milch, das auf einem Holzuntersetzer steht.

Pflanzliche Milch mit etwa Vanille geben Kaffee oder Cold Brew eine zusätzliche Geschmacksebene. 

©Getty Images/TitleFotos/istockphoto.com

Etwa mit Kokosmilch oder pflanzenbasierter Milch mit Vanille oder Karamell. „Ich finde das toll, weil ich dann weiß, dass ich nicht 3.000 Pumpstöße Sirup dazugeben muss.“ So könne man Zucker reduzieren, ohne beim Geschmack Abstriche machen zu müssen.

Matcha mit Erdbeerpüree, Milch und Eis in einem Glas

Püriertes Obst soll den Sommer versüßen, etwa mit Erdbeere im Matcha. 

©Getty Images/Alyona-Kos/Istockphoto.com

Im Sommer werden auch Früchte – als Püree – im Kaffee oder Matcha ein großes Thema. „Meistens etwas Tropisches wie Mango oder Erdbeeren.“ 

Auch der Hype um co-fermentierte Kaffees halte an. Die Expertin erklärt, wie der Geschmack in die Bohnen kommt: „Du trinkst zum Beispiel einen Kaffee mit Bananen- oder Kokos-Geschmack, mit Wassermelone oder Erdbeere, je nachdem, womit fermentiert wurde.“ Während Geschmack dem Kaffee oft als Sirup zugesetzt wird, ist das bei co-fermentiertem Kaffee nicht der Fall. Selbst wenn man ihn ohne Milch und ohne Zucker trinkt, braucht man so weder auf Süße noch auf Fruchtaromen verzichten.

Ein Glas mit Eiskaffee und Mangosaft, Eiswürfeln, Orangenscheibe und Strohhalm steht auf einem Tisch.

Mango im eisgekühlten Kaffee: Ein kühler Tipp für heiße Tage.

©Getty Images/Yume-Tabi/Istockphoto.com

Auch Cold Brew werde im Sommer wieder ein Renner, ist sich Piotrowska sicher. Dafür wird gemahlener Kaffee über einen längeren Zeitraum in kaltem Wasser extrahiert. Cold Brew oder Espresso werden aktuell auch mit Tonic gemischt. „Es gibt also viele Möglichkeiten. Nur unsere Vorstellungskraft ist das Limit.“

Mit Irish Coffee zur Weltmeisterschaft nach Brüssel

Dominika Piotrowska holte sich ihren dritten Staatsmeister-Titel. Ihr Geheimnis: Zu wissen, wie man mit Fehlern umgeht.  

Die 36-jährige Wahlwienerin ist bereits zweifache Barista-Staatsmeisterin. Mitte April kam ein dritter Titel in der Kategorie „Coffee in Good Spirits“ dazu, bei dem Kaffee kreativ mit Alkohol gemixt wird. „Die Kategorie lässt dir mehr Freiheit. Ich wollte mich mehr fordern.“

Für den Sieg musste Piotrowska mehrere Runden durchlaufen und in der Endrunde Kaffee mit Whiskey für die Juroren mixen. Auf welches alkoholische Getränk die Wahl gefallen war, erfuhr sie erst kurz davor. Sie entschied sich für einen Irish Coffee. „Es ist ein sehr besonderes Getränk, weil es sehr einfach ist“, sagt die Weltklasse-Barista. Nur Schlagobers aus echter Milch, Zucker, Whiskey und Kaffee gehören ins Glas. „Ich glaube, das ist etwas, was viele der Mitbewerber unterschätzen.“

Jeder macht Fehler

„Es sind viele kleine Dinge, die entscheiden, ob du gewinnst“, weiß Piotrowska und jeder mache Fehler. Jeder. Ihre Hände hätten so gezittert, dass sie die Schichten im Glas nicht richtig hinbekam. „Da wusste ich bereits, dass ich einen Punkteabzug bekomme. Aber gleichzeitig dachte ich, ‚Ich kenne meinen Drink, auch wenn er nicht perfekt geschichtet ist, weiß ich, dass er gut schmeckt’. Deshalb habe ich meinen Drink serviert, so viel wie möglich gelächelt und den Juroren guten Genuss gewünscht.“ Gerade wenn so wenige Zutaten im Mixgetränk sind, kommt es laut Piotrowska besonders auf deren Qualität an. Sie griff zu taiwanesischem Kavalan-Whiskey und Spitzenkaffee aus Panama. Der Whiskey hat einen Hauch von Mango mit floralen Nuancen, der Kaffee eine fruchtig-florale Note. Das ergänzte sich perfekt. „Du brauchst das Verständnis, wie eine Geschmacksnote mit einer anderen zusammenspielt. Ein Getränk sollte nicht nur schmecken, sondern auch Emotionen wecken. Es sollte ein warmes Gefühl der Freude vermitteln.“

Mit dem Österreich-Sieg in der Tasche fährt Piotrowska von 25. bis 27. Juni zu den Weltmeisterschaften nach Brüssel. Die Nähe ist von Vorteil, weil sie mehr mitnehmen kann. Zur Barista-WM in Korea reiste sie mit  100 bis 150 Kilo Gepäck an. Tassen, Kannen, Geschirrtücher oder Kühlboxen, alles hatte sie dabei.

Schon jetzt arbeitet sie an ihrem Wettbewerbs-Kaffee-Cocktail. Welcher es werden wird,  will sie noch nicht verraten, „weil jemand meine Idee kopieren könnte“. 

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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