Essen aus dem Wald: 3 Rezepte von 4-Hauben-Köchin Palmetzhofer
Spitzenköchin Theresia Palmetzhofer hat für die freizeit ein Menü kreiert, dessen Zutaten sie vor ihrer Haustür gesammelt hat.
Sanft hügelige Landschaft, weitläufige Wiesen und Wälder, durchzogen von munteren Bächen, ab und zu ein sogenannter „Neidzeiler“, also eine Allee aus prächtigen, alten Birnbäumen – Mostviertelidylle pur. Hier, genauer in Neuhofen an der Ybbs, führt Theresia Palmetzhofer das wunderbare „Gasthaus zur Palme“, dem im aktuellen Gault Millau vier Hauben verliehen wurden. „Es lebt sich gut damit,“ sagt die junge Chefin über die hohe Auszeichnung. „Ich verbiege mich nicht dafür“.
Kostbares aus der Natur
Vor der Haustür wachsen die besten Zutaten für ihre schlichte, beherzte Küche. „Ich fahr eine Runde mit’m Radl und schau, was es gibt.“ Derzeit sind das Bärlauch, Sauerklee und Waldmeister, mit viel Glück auch ein paar frische Morcheln. Die Brunnenkresse für die freizeit-Vorspeise hat Palmetzhofer am Brunnbach in Neuhofen gepflückt. „Ein Schatz. Brunnenkresse braucht wirklich erstklassige Wasserqualität.“
Wildschwein, Morcheln & Bärlauch
©Barbara WittmannSo regional die junge Chefköchin auch kocht, so weit reicht doch ihr kulinarischer Horizont. Spanien, Italien, Dänemark – überall dort hat sie in die Küchen bester Restaurants geschnuppert. Am meisten geprägt haben sie aber die sechs Jahre an Konstantin Filippous Seite in dessen hochdekoriertem Restaurant in Wien. Danach kehrte sie heim ins Mostviertel und verwandelte das ehemalige Kaffeehaus ihrer Mutter zu einem charmanten, stilvollen Treffpunkt für Genießer, in dem sich die Einheimischen genauso wohl fühlen wie Gäste, die von weither kommen.
Rezept
Zutaten für 4 Personen
Für das Wildschwein:
- Ca. 400 g Wildschweinrücken, zugeputzt
- Ca. 20 frische Morcheln
- Butter
- Bärlauchsalz
Für den Bärlauchflan:
- 300 g mehlige Erdäpfel
- 3 Eier
- 50 g Butter, zerlassen
- 200 g frischer Barlauch, Muskatnuss, Salz, Pfeffer
- Für den grünen Flan die Erdäpfel schälen, grob würfeln, in Salzwasser
weichkochen, abgießen. - Den Bärlauch in einem Standmixer pürieren, die noch warmen Erdäpfeln, die Eier und die flüssige Butter dazugeben, mixen, bis eine cremige Masse entstanden ist. Mit Salz, Pfeffer und geriebener Muskatnuss würzen. Die Masse zwei Finger hoch auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech streichen, bei 100 °C 25 Minuten mit Heißluft im Dampf garen (im Backrohr eine Wasserschale reinstellen)
- Den Wildschweinrücken salzen und mit kräftiger Hitze rundherum kurz
anbraten. Die Pfanne dann ins Backrohr stellen (175 °C), das Fleisch darin ca. 8 Minuten garen, zwischendurch einmal wenden. Dann rausnehmen, in Alufolie wickeln, 10 Minuten rasten lassen. - Die Morcheln sorgfältig putzen (entsanden). 4 Morcheln grob schneiden
2 EL Butter in einer Pfanne erhitzen, die ganzen Morcheln darin wenige Minuten braten, salzen. Den Bärlauchflan in Stücke schneiden, auf vorgewärmte Teller setzen. Die Wildschweinrücken halbieren, dazulegen. Die ganzen Morcheln aus der Pfanne heben und anrichten. Die gehackten Morcheln in der Pfanne in der verbliebenen Butter anschwitzen, salzen, dazu anrichten. Mit frischen Barlauchblättern garnieren und mit Bärlauchsalz oder grobem Salz würzen.
Tipp: Für das Bärlauchsalz frische Bärlauchblätter waschen, abtropfen lassen und grob schneiden, dann 1:1 (also z. B. 100 g Bärlauch, 100 g grobes Salz) zu einer Paste mixen. Die Paste auf einen Bogen Backpapier streichen und im Backrohr bei milder Temperatur, im Dörrapparat oder über einem Heizkörper trocknen.
„Geradlinig und ohne Schnickschnack“ bezeichnet Palmetzhofer ihren Küchenstil. „Ich will Produkte nicht verschandeln. Eine Karotte ist bei mir eine Karotte.“ Niemals zu laut sind ihre Gerichte, genau wie sie selbst. Dass sie aber große Lust am Experimentieren hat, zeigt unter anderem ihr Engagement für die „Mostviertler Feldversuche“, einer überaus interessanten Veranstaltungsreihe, die regionale Spezialitäten sichtbar macht und dabei kulinarische Grenzerfahrungen garantiert. Palmetzhofer ist Gründungsmitglied und nach wie vor mit Elan dabei.
Infos und Termine finden Sie unter feldversuche.at.
Neu erfunden oder doch alt?
Wer an Essen aus dem Wald denkt, dem fällt wohl auch René Redzepis berühmtes Restaurant Noma in Kopenhagen ein, das derzeit zwar geschlossen hat, aber immer wieder für kulinarische Überraschungen sorgt. Das Essen dort ist nicht einfach nur „Waldküche“, sondern eher eine hoch kreative, experimentelle Fine-Dining-Version davon. Im Grunde steckt aber vieles drin, was unsere Urgroßmütter und wohl auch die Urgroßväter noch als selbstverständlich erachteten. Nämlich, das zu verwenden, was die Natur gerade hergibt, und in Zeiten des Überflusses für die Zeiten des Mangels vorzusorgen. Einlegen, fermentieren, trocknen, Konsistenzen und Strukturen verändern.
Topfen, Dirndln, Bachkresse, Maiwipferl & Fichtenstaub
©Barbara WittmannRezept Topfen, Dirndln, Bachkresse, Maiwipferl & Fichtenstaub
- 250 g Schaftopfen (Tipp: "Resche Resi" von den „Michmäderln"/Wallsee)
- 2 EL Olivenöl Salz, Pfeffer
- eine Handvoll Bachkresse (Alternative: Sprossen)
- eingelegte Dirndln (siehe Tipp, Alternative: Oliven)
- Walnusskerne
- Maiwipferlsirup (Alternative: Waldhonig)
- Fichtenstaub
- Topfen mit Öl verrühren, mit Salz und Pfeffer würzen.
- Einen Metallring (ca. 8 cm Durchmesser) auf einen Teller setzen, zwei Finger hoch Topfenmasse einfüllen und glattdrücken, den Ring abheben. Auf diese Weise auch auf den anderen drei Tellern einen Topfensockel setzen.
- Auf jeden Sockel 5-6 eingelegte Dirndln setzen. Bachkresse waschen, abschütteln, locker darauf verteilen.
- Walnusskerne rundherum legen, mit Maiwipferisirup beträufeln, mit Fichtenstaub bestreuen.
Jetzt bereitet Palmetzhofer den Nachtisch für uns zu. Das „Tüpfchen am i“ auf dem Dessert, das sie für uns kreiert hat, schreckt im ersten Moment ein wenig ab – Milchhaut ist ja bei vielen nicht so beliebt. „Die Idee mit der verbrannten Milchhaut habe ich aus Dänemark mitgebracht“, erklärt sie, während sie filigrane, braune Stückchen in Streifen bricht. Was aussieht wie dünne Baumrinde, schmeckt wunderbar zart nach Karamell und passt hervorragend zur feinen Waldmeister-Pannacotta, in deren Mitte eine Kugel Sauerklee-Eis sitzt und langsam schmilzt. Eine großartige, überraschende Kombination! Sauerklee wächst übrigens rund ums Jahr in beinahe jedem Wald, zu erkennen ist er an seinen sattgrünen bis rötlichgrünen Blättern mit ihrem feinsäuerlichen Geschmack und an seinen kleinen, weißen Blüten.
Rezept: Waldmeister, Sauerklee & Milchrinde
Für die Waldmeister-Pannacotta:
- 500 ml Obers
- 170 ml Vollmilch
- 90 g Zucker
- 4 Blatt Gelatine
- 2 EL Waldmeistersirup (Alternativ: Holunderblütensirup)
- 1 Vanilleschote
Für das Sauerklee-Eis:
- 250 g Sauerrahm
- 75 g Staubzucker
- ½ Zitrone
- eine Hand voll Sauerklee
Für die "Milchrinde":
- 1/8 l Milch
- Zum Anrichten: Sauerkleeblätter ev. Fichtenstaub
- Für die Pannacotta Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Milch, Zucker, Sirup und die halbierte Vanilleschote aufkochen. Die weiche Gelatine ausdrücken und ein-rühren, vom Herd nehmen. Die Vanilleschote entfernen, das kalte Obers einrühren. Die Creme in die vorgesehenen Serviergefäße füllen und über Nacht kaltstellen.
- Für das Sauerklee-Eis alle Zutaten glatt mixen. Die Masse in ein Kunststoffgefäß gießen und einfrieren. Kurz vor dem Servieren mit einem starken Mixer aufmixen.
- Für die Milchrinde" die Milch in einer beschichteten Pfanne erhitzen und
verkochen lassen, wenn sie appetitlich braun gefärbt ist, mit einem Holzspatel abschaben. - Sauerkleeblätter auf der Waldmeister-Pannacotta verteilen. Je eine Kugel Eis
draufsetzen, Milchrinde dazulegen. Mit Fichtenstaub bestreuen.
Der Wald im Glas
Die Aromen des Waldes einzufangen und kostbar zu machen, dem hat sich übrigens auch das Projekt „Waldbier“ der Österreichischen Bundesforste verschrieben. Jährlich widmet sich der Braumeister Axel Kiesbye einer Baumart in einem bestimmten Forstrevier, um sie in sein sehr exklusives Bier einzubrauen. 2026 dient ausnahmsweise nicht ein bestimmtes Gebiet, sondern der Artenreichtum eines klimafitten Zukunftswaldes als Basis: Lärchenblüten, Buchenblätter, Eicheln der Eiche, Tannenwipferl und das Harz aus der Douglasienrinde. Das Ergebnis ist ein kräftiges Kreativbier (6,8 % Vol.), vielschichtig und intensiv. Es ist bereits die 15. Edition Waldbier, eines spannender als das andere. Diverse Jahrgänge gibt’s zum Beispiel bei den beerlovers.at in Wien.
Große Küche, junges Team
Acht Köpfe zählt das junge Team in Palmetzhofers Vier-Hauben-Küche, mit der Mama sind’s neun. Die Seniorchefin sorgt nach wie vor für die traditionellen Mostviertler Mehlspeisen. Die Gäste kommen aber hauptsächlich, um Geschmäcker zu verkosten, für die sie sonst weit hätten fahren müssen. „Manchmal darf es auch ein Steinbutt sein. So was kriegt man in unserer Gegend ja kaum.“ Und am Sonntagabend und am Montag zu Mittag gibt’s in der Gaststube ganz einfach Pizza in „Der Palme“. Auch das darf sein – und wird geschätzt.
Palmetzhofer: „Ich bin hier total happy und will nicht mehr weg. Mein Wirtshaus ist mein Baby, und noch lange nicht ausgewachsen.“
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