4 Food-Trends 2026: Wie wir heuer essen werden
Ein Blick auf die Essgewohnheiten und Innovationen, die das kommende Jahr prägen könnten.
Weltweit werden rund um den Jahresbeginn Prognosen abgegeben, wie sich Essen, Trinken und die Gastronomie entwickeln werden. Foodtrendreports gibt es von Marktforschungsinstituten, Lebensmittelindustrie und Supermarktketten. Was sich durchsetzt, sieht man erst im Alltag und in den Restaurants. Vier Entwicklungen, die Potenzial zeigen.
1.Traditionen: "Grandmacore" und bewährte Techniken
Überlieferte Rezepte, klassische Küchentechniken und regional verwurzelte Traditionen: Vielleicht ist dieser Foodtrend die Antwort auf eine zunehmend unsicherer werdende Welt. Die Verwendung bewährter Produkte helfe Verbrauchern, „das Gefühl des Kontrollverlusts in der moderneren Welt zu lindern“, konstatiert etwa das global agierende Marktforschungsinstitut „Mintel“ in seiner aktuellen Trendprognose. Für diese Rückbesinnung auf Bewährtes ortet Kim Severson, Foodtrendexpertin der New York Times, sogar eigene Begriffe: „Grandmacore“ oder auch „Nonna-stalgia“ legen 2026 den Fokus auf Speisen und Techniken, die schon unsere Großmütter pflegten – von Sauerteigbrot über Sauerkraut bis zu eingelegtem Gemüse.
Auch hierzulande prognostiziert Hanni Rützler in den Gastrotrends des Zukunftsinstituts ein „Re-Design der klassischen Küche“. Einerseits wird in der Spitzenküche die „traditionelle Geschmacksharmonie wieder wichtiger genommen“. Andererseits bringen junge, klassisch geschulte Köchinnen und Köche auch neuen Twist in das gut Bekannte, wie die Inspektoren des Restaurantguides „Guide Michelin“ konstatieren. Sie nennen etwa die ungarische oder polnische Küche, die neu interpretiert werde.
Besonders die klassische französische Küche erlebt laut Rützler erlebt durch das „Zelebrieren von Handarbeit und Techniken“ eine Renaissance.
Symbolbild von Fruchtgummis in unterschiedlichen Farben.
©Getty Images/iStockphoto/samsonovs/iStockphoto2. Texturen: Gummiartig wird das neue Knusprig
Nicht nur Geschmack und Gesundheit zählen bei der Auswahl von Lebensmitteln. Im neuen Jahr rückt das Thema Texturen stärker in den Vordergrund. Das heißt, das Mundgefühl rangiert nicht mehr hinter dem Geschmack, sondern mindestens gleichauf. Schließlich macht es einen Unterschied, ob sich der Biss in Chips oder Croissant knusprig oder letschert anfühlt. Besonders für Jüngere aus der Generation Z oder Millennials ist die Textur noch wichtiger. Es geht also darum, wie flaumig, weich oder schmelzend sich eine Speise anfühlt.
Zuletzt brachte es das Prädikat „knusprig“ zu hohen Ehren. Auf der Videoplattform Tiktok etablierte sich unter #CrunchTok sogar ein eigener Hashtag mit Videos, die den Biss in knuspriges Gebäck oder Gefriergetrocknetes zeigten und 2025 1,5 Milliarden Aufrufe erzielten. Die New York Times schrieb, dass sich das Wort „knusprig“ zudem auf rund 60 Prozent der US-Speisekarten fand.
2026 bekommt „knusprig“ mit „gummiartig“ heftige Konkurrenz. Es könnte „das neue Knusprig“ werden, vermutet die NYT. Tatsächlich zeigt sich auf der Fotoplattform Pinterest schon jetzt ein Trend zu Bildern von Fruchtgummis bis Lakritze. Potenzial könnte aber auch „cremig“ haben.
In der Spitzenküche ist wiederum mehr Tiefe in den Profilen zu beobachten, betont Hanni Rützler. Sie nennt etwa die Präzision der japanischen Küche in der Zubereitung.
3. Zutaten: Garum, Essig und weiterhin viel Kreativität
Es ist seit der Römerzeit bekannt und scheint im 21. Jahrhundert für neue Geschmackseindrücke zu sorgen: Garum, eine würzige Fischsoße, nutzen die Römer einst, um so ziemlich alles damit zu würzen. Heute setzt man sie zwar selektiver ein – in den USA experimentieren bereits etliche Köche damit. Anders als in der Antike produzieren die kreativen Köpfe Garum nicht aus Fischinnereien, sondern fermentieren Pilze wie etwa im „Noma Project“ in Kopenhagen. Andere probieren Hafer oder sogar Parmesanrinden.
Das Forbes-Magazin sieht auch eine Renaissance von Essig. Der Umgang der Konsumenten werde kreativer, von selbst Gekochtem bis zu Cocktails. Es werde gezielt nach neuen, innovativen Essigen gesucht.
Mit neuen Zutaten überraschende Geschmacksnoten kreieren bleibt damit weiterhin ein Megatrend. Und die Auswahl an Zutaten wird vielfältiger – was die Konsumenten laut dem Trendreport der global tätigen Agentur „Mintel“ goutieren. Diese Produktvielfalt zeigt sich 2026 „als Kreativitätsimpuls“, heißt es im Foodreport des Zukunftsinstituts. „Durch die innovative Nutzung von Gewürzen, Kräutern, Obst und Gemüse entstehen neue Aromen.“
Sie ortet zudem „Geschmacksstimuli aus Lateinamerika und der Levante“. Diese seien gleichzeitig „Ausdruck der Offenheit, Neugier und des tiefen Respekts vor der kulturellen und kulinarischen Vielfalt.
4. Werte: Gäste einbeziehen, Bedürfnisse der Mitarbeiter ernst nehmen
Ob Europa oder Amerika: Das Thema Werte findet sich in zahlreichen Trendprognosen fürs neue Jahr. Dabei geht es um mehrere Aspekte. Gäste haben in Restaurants das Bedürfnis, in ihre Essensentscheidungen unter anderem Transparenz und ethische Verantwortung einzubeziehen. Sie wollen aktiv in die Speisen auf ihren Tellern eingebunden werden, beobachtet man beim Zukunftsinstitut.
Die New York Times sieht Werte in der Gastronomie überhaupt als „das Mantra des Jahres“. Die Menschen würden ihr Geld für einzigartige Erlebnisse und qualitativ hochwertige Lebensmittel ausgeben – aus Quellen, denen sie vertrauen.
Werte sind allerdings keine Einbahnstraße und schlagen auch bei den Gastronomen auf. Etwa, indem den Gästen mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, im Ambiente oder im Service. In neuen Gastrokonzepten taucht das offene Feuer in den Restaurants wieder öfters auf, die Menüs werden kürzer – und auch die Portionen kleiner. Für Trendexperten schlägt damit der „Ozempic-Effekt“ (wenig essen durch die Abnehmspritze) auf Normalgewichtige durch.
Hanni Rützler ortet im „Whitepaper Gastrotrends“ einen Wandel in der Gastronomie, der verstärkt auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter fokussiert. Gefragt seien zunehmend Sensibilität für die Gesundheit und das Wohlbefinden in Küche und Service.
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