Studie: Warum 18- bis 29-Jährige oft Fertiggerichte wählen
Eine neue Studie zeigt, dass 18- bis 29-Jährige überdurchschnittlich oft zu Fertiggerichten greifen. Die Ansprüche für ausgewogene Lebensmittel sind aber gewachsen, der Handel reagiert darauf.
Frisch und natürlich sollen die Zutaten fürs tägliche Essen sein; dazu auch noch ausgewogen, hochwertig und gesund. Am besten kocht man da selbst, ohne Konservierungsstoffe und künstliche Zutaten. In der Realität scheitern allerdings viele Österreicherinnen und Österreicher an den Anforderungen des Alltags. Der Griff zu Wurstsemmeln und anderen schnellen Snacks zwischendurch ist naheliegend.
„Viele wollen sich perfekt gesund ernähren, mit frischen, natürlichen Zutaten und ohne Konservierungsstoffe oder künstliche Aromen, scheitern im Alltag aber an der praktischen Umsetzung“, fasst Ernährungsberaterin Martina Steiner das Dilemma zusammen.
Info: Convenience-Produkte
Convenience-Produkte
Das englische Wort für „Bequemlichkeit“ bezeichnet Lebensmittel, die bereits einen oder mehrere Zubereitungsschritte hinter sich haben.
Geschichte
Bedeutende Schritte waren die Erfindung der Konservendose (1810), das Pasteurisieren (1860) und im 20. Jahrhundert die Tiefkühltechnik. Als erstes Fertiggericht gilt das „TV Dinner“ (ca. 1950) in einer Aluschale, die nur erhitzt werden musste.
Schnelles Essen
Nun sind sogenannte Convenience-Produkte nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Wie eine aktuelle, repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Integral im Auftrag des Lebensmittelhändlers Billa zeigt, greift mehr als die Hälfte der Befragten mindestens einmal pro Monat zu Fertiggerichten.
Zwischen 18- und 29-Jährige haben übrigens die geringsten Berührungsängste. Mit 28 Prozent greift fast jeder Dritte sogar mindestens einmal pro Woche dazu. Die Gründe zum Kauf sind aber bei allen ähnlich: Am häufigsten wird Zeitersparnis (58 Prozent) und einfache Anwendung (54 Prozent) genannt, gefolgt von Alltagstauglichkeit (43 Prozent).
Der Nimbus von Fertiggerichten ist allerdings nicht der beste. Schlechte Inhaltsstoffe (39 Prozent), zu viel Chemie (38 Prozent) oder ungesundes Essen (37 Prozent) wurden als Gegenargumente für einen Kauf genannt.
Das spiegelt in Summe eine gesellschaftliche Zwickmühle wider, die sich mitten am Esstisch abspielt: Zum Kochen fehlt vielen die Zeit, gleichzeitig sucht man nach geschmackvollen Alternativen, die den Körper nähren anstatt ihn zu belasten. „Wir sehen sofort am Teller, was sich gesellschaftlich tut“, sagt Integral-Studienleiterin Alexandra Mossakowski. Und da kommt zusätzlich das Thema Gesundheit ins Spiel. „Der Wunsch nach gesundem Altern ist in der Gesellschaft angekommen, Ernährung ist ein großer und gerade in unsicheren Zeiten kontrollierbarer Hebel dafür, der Sicherheit gibt.“
Bewusst ernähren
Den Wandel im Foodbereich hin zu gesunder Ernährung und steigendem Wunsch nach Fertigmahlzeiten merkt man auch im Handel. „Schnelle Mahlzeiten und bewusste Ernährung schließen einander nicht aus“, sagt Klaudia Atzmüller von Billa. Mit Ernährungswissenschaftlern wurden kalte und warme Gerichte der „Simply good“-Linie so überarbeitet, dass sie alle Kriterien erfüllen.
Ein Viertelliter frisch gepresster Orangensaft gilt zwar als Inbegriff von Frische und Gesundheit, „er enthält aber viel zu viel Fruchtzucker, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten“. Vermeiden will man auch Zusatzstoffe wie Emulgatoren, erklärt Ernährungsexpertin Victoria Vogi. „Wir haben uns auf nur vier unbedingt nötige Stoffe beschränkt: Ascorbinsäure, Zitronensäure, Pektin und Guarkernmehl zum Verdicken.“ Dazu kommt, dass statt des Pasteurisierens mittels Erhitzen ein spezielles Hochdruckverfahren eingesetzt wird.
Worauf es jedenfalls laut Ernährungsberaterin Martina Steiner ankommt: „Ernährung muss nicht perfekt sein. Aber man sollte schauen, dass man in seinen Möglichkeiten ein nährstoffreiches Fundament schafft.“
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