Polly Adlers "Chaos de luxe": "Bitte in die Balenciaga reden"
Mutti ist am Spektrum
"Du bist sowas von am Spektrum", meinte der Fortpflanz. Ich sah von meinem Laptop hoch: "Neurodivergent in welche Richtung, Frau Doktor?" Neurodivergent und Spektrum gehören neuerdings zum psychobesessenen Favoritenvokabular der Gen Z, die sich ja bekanntlich enthusiastisch-inflationär ADHS-Eigendiagnosen ausstellt.
Ich bin voller Empathie, für jene, die in Mitleidenschaft gezogen sind, aber manche tragen eine kleine Konzentrationsunfähigkeit wie eine Diagnose-Monstranz vor sich her. "Das Spektrum geht von Selbstaufgabe bis Selbstzerfleischung" fuhr die, der ich das Leben geschenkt habe, fort: "Macht ein Leben ohne dieses Geschreibsel für dich irgendeinen Sinn?"
Ich konzentriere mich voll darauf, laut schweigend beleidigt zu sein. Und dachte an den Satz von Konstantin Wecker: "Man ist nicht annähernd so besonders, wie man glaubt." Sprich: was ich wann schreibe, ist natürlich für den Weltenlauf so wurscht wie nur. Ich beschloss, die Vanillesauce der Versöhnlichkeit über uns zu schütten: "Vielleicht hast du ja recht und eure Verve für Freizeitgestaltung und eine Life-Life-Balance ist der klügere Weg als diese fröhliche Selbstausbeutung, die mich durch die Wiesen treibt."
Später frönten wir der Neigungsgruppe "Guilty Pleasures", gingen traut in "Der Teufel trägt Prada 2" und waren voll d’accord, dass sich die Vogue-Domina an der Arbeitsmoral der Gen Z die kloweißen Zähne ausgebissen hätte. Wahrscheinlich hätte eine freche Praktikantin irgendwann sinngemäß folgende Wiener Wuchtel angesichts der dreisten Anforderungen zurückgeschossen: "Bitte, reden Sie’s mir in Ihre Balenciaga und dann stellen’s die in Ihren Maybach." That’s all.
"Mamacholie"- Pollys Muttertagsspecial am 10. Mail um 11 Uhr im Rabenhof: mit Sigrid Hauser & Sona MacDonald.
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