Polly Adlers "Chaos de luxe": "Er ist so liieb!"
Hütet euch vor Johnny Kontrolletis!
"Er ist so lieb, so hat sich noch keiner um mich gekümmert": F’s rote Kasperl-Bäckchen waren drollige Signalträger ihrer hochtemperierten Gefühle. Es hatte etwas Befremdliches, eine 50-plus-Frau im Verblendungsstadium eines Teenagers zu sehen. Es war fast so, als ob sie plötzlich bauchfrei oder mit überambitionierten Stirnfransen erschienen wäre. Wir fanden den Kurti (so unser generelles Synonym für nicht satisfaktionsfähige Herren) eher jenseits der goldenen Toleranzlinie.
Wir hatten einen Nur-wir-Abend mit den anderen Mädels und saßen im "Salzamt". Da stand der Kurti plötzlich, völlig unangemeldet, da. Bei den letzten Mädels-Zusammenrottungen hatte er sich noch damit begnügt, im 20-Minuten-Takt fernmündlich anzufragen, ob F ihn schon ein bisschen vermisse. Weil er eben so lieb ist. Wie F fand. Wir hingegen fanden: wehende rote Flaggen.
Fällt in die Species Johnny Kontrolletti. Es beginnt mit "Ich wollte dich nur abholen" (Stufe 2). "Warum musst du immer mit diesen Frust-Tussen ausgehen, wir haben es doch so schön" (Stufe 3). "Wenn du mich ständig alleine lässt, beginne ich zu trinken/an uns zu zweifeln ..." usw. Vom Love-Bombing in die "unsplendid isolation" (solche Typen graben ihren Zielobjekten gerne soziale Kontakte ab) sind es dann oft nur ein paar Monate. Der Kurti hatte nämlich keine eigenen Freunde.
Generell sollte man Menschen, die hunderte Bekannte haben, aber niemanden, den sie nachts nach einem Raubüberfall um einen Bourbon on Trost bitten können, großräumig umschiffen. Und seine Bourbon-Raubüberfälle-Buddies sollte man auch darum bitten, die nassen Fetzen zu mobilisieren, um einen wieder zur Vernunft zu peitschen, sollte man ihn je sagen, diesen Satz: "Er ist aber sooo liiieb!"
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