Wenn beste Freunde gehen: Der unterschätzte Trennungsschmerz
Wenn Freundschaften auseinandergehen, kann das genauso wehtun wie ein Beziehungsende. Warum Freundschaften Pflege brauchen und was hilft, wenn sie zerbrechen.
Sie wurde als Hochzeit des Jahres kommentiert: „JUST&T MARRIED“ stand am 3. Juli auf Werbetafeln um den New Yorker Madison Square Garden. Die Namen hinter den beiden Ts: Taylor Swift und Travis Kelce. In den Tagen danach wurde nicht nur diskutiert, wer eingeladen war (wohl am überraschendsten: Hugh Grant), sondern auch wer keine Einladung erhalten hatte: Blake Lively.
Seit die Schauspielerin ihre ehemals beste Freundin im Frühling 2025 als Zeugin zu ihrem Gerichtsprozess mit Schauspielkollegen Justin Baldoni laden wollte, ist Blake Lively auf den Feiern und Urlauben des Popstars auffallend abwesend.
Popstar Taylor Swift war zuletzt ohne Blake Lively unterwegs.
©REUTERS/Jennifer Gauthier„Für Blake fühlt sich das unglaublich ungerecht an“, zitierte das britische Magazin Heat World eine anonyme Freundin der Schauspielerin. Blake räume ein, sie habe Fehler gemacht. Aber seien diese wirklich ein Grund, die mehr als zehnjährige Freundschaft zu beenden?
Freundschaftskummer
Den Schmerz kann Psychotherapeutin Marion Gasser, Vorstandsmitglied des Tiroler Landesverbandes für Psychotherapie, nachvollziehen: „Freundschaften sind Beziehungen, die oft über lange Jahre gehen. Dabei entsteht eine tiefe Verbundenheit. Erfahren wir hier Kränkungen, können sehr starke Gefühle entstehen, Trauer und Wut, aber auch körperliche Reaktionen wie Magenschmerzen oder Schlafstörungen.“ Die Symptome eines klassischen Liebeskummers.
Psychotherapeutin Marion Gasser kann den Schmerz nach einem Freundschaftsende gut nachvollziehen.
©Marion GasserNun sind Film-Marathons mit Taschentuchbergen am Ende einer romantischen Beziehung durchaus verbreitet, doch das Ende von platonischen Freundschaften – im eigenen Umfeld wie im Leben der Stars – trifft oft einen unangenehmen Nerv.
Für Gesprächsstoff sorgte ja nicht nur der Bruch zwischen Taylor Swift und Blake Lively. Als Kanye West und Drake einander 2018 auf Twitter befeuerten, hielt die Hip-Hop-Welt den Atem an. Als 2005 Paris Hilton und Nicole Richie nach einem ungeklärten Streit auseinandergingen, sandte das Schockwellen durch die Popkultur.
In Film, Literatur und Musik wird Rezipienten wiederholt eingeschärft, wie fragil Liebesbeziehungen sind. Freundschaften hingegen kommen mit dem erdigen Anschein der Kontinuität.
Wirken gemeinsam immer gut gelaunt: George Clooney und Brad Pitt.
©REUTERS/Mario AnzuoniÜber Jahrzehnte hinweg begleiten uns die Bilder von Drew Barrymore und Cameron Diaz, von Brad Pitt mit George Clooney oder Tina Fey mit Amy Poehler.
Kleine Kerben
Und so braucht es vielleicht die Mahnung an ihr mögliches Ende, um ihre Fragilität und damit ihre Pflege ernster zu nehmen.
„Eine Freundschaftstrennung“, erinnert Gasser, „ist ja kein punktuelles Ereignis, sondern meist ein längerer Prozess.“
Obwohl Paris Hilton 2005 in einer heute berühmten Nachricht wissen ließ, dass Nicole „genau weiß, worum es ging“, räumten beide Jahre später ein, dass kein singuläres Event ihre Freundschaft entzweit hatte, sondern sich kleine Missverständnisse durch Kommunikationsprobleme und sensationslüsterne Boulevardmedien angestaut hatten.
Regel Nummer eins, bei romantischen wie platonischen Beziehungen ist deshalb: Kommunikation. Diesen Respekt, sagt Gasser, schulde man nicht nur der anderen Person, sondern auch sich selbst. „Man hat zuvor viel Zeit und Energie in diese Beziehung gesteckt.“ Das sollte man nicht leichtfertig aufgeben.
Zweifacher Respekt
Respekt ist für die Psychotherapeutin aber auch noch in anderer Hinsicht relevant: „Es ist wichtig, Freunde in ihrer jeweiligen Art zu respektieren.“ Man muss nicht in allen Punkten d’accord sein.
Durch den Druck der sozialen Medien hat zuletzt noch ein anderer Aspekt den Freundschaftsaufbau verkompliziert: „Es verbreitet sich die Vorstellung, dass eine Freundschaft bestimmte Erwartungen erfüllen muss. Aber was genau eine bestimmte Freundschaft zu bieten hat, zeigt sich in dem wie sie von beiden Seiten gestaltet wird.“
Kommt es am Ende doch zu einem Bruch – weil die Verletzungen zu groß waren oder bestimmte Haltungen nicht hingenommen werden können – ist es wichtig, der Trauer und Verletzung Raum zu geben. Außerdem empfiehlt Gasser, auch wenn es in dem Moment schwierig ist: „Versuchen Sie, sich mit Geduld und Mitgefühl zu begegnen.“ Wahre Zufriedenheit erreichen wir nicht nur durch Freundschaften mit anderen, sondern wenn wir uns selbst gute Freunde sind.
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