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Kult-Zweiteiler: Vor 80 Jahren schlug er ein wie eine Bombe

Am 5. Juli 1946 präsentierte der Franzose Louis Réard der Welt seine Modeerfindung: den Bikini. Der Aufstieg des Zweiteilers war ebenso umstritten wie bahnbrechend. Ein Rückblick in acht Anekdoten.

Heute gehört er zum Strandurlaub wie Sonnencreme und Schnorchelbrille, doch in seinen Anfängen war der Bikini so skandalös, dass Models ihn mieden und ganze Länder ihn verboten. Acht kuriose Fakten über den umstrittenen Zweiteiler.

1. Land der Kokosnüsse

Eigentlich war Louis Réard ja Bauingenieur. Doch im Sommer 1946 trat er gegen Designer Jacques Heim in einen modischen Wettkampf: Er wollte den gewagtesten Zweiteiler der Welt kreieren. Weil dieser beim Publikum einschlagen sollte wie eine Bombe, lieh er sich den Namen von jener Pazifikinsel, auf der die Amerikaner zu Testzwecken kurz zuvor eine Atombombe abgeworfen hatten: Bikini Atoll. Das Wort „Bikini“ bedeutet in der Sprache der Inselbewohner übrigens „Land der Kokosnüsse“.

Der Bikini wird 60

Micheline Bernardini bei der Präsentation des Bikinis.

©dpa/dpaweb/APA/DPA/AFP

2. Model-los

Doch Neo-Modemacher Louis Réard hatte die Rechnung ohne Models gemacht. Niemand war bereit, seinen Zweiteiler vorzuführen. Davon ließ sich der Franzose nicht entmutigen und konnte schließlich Stripteasetänzerin Micheline Bernardini dafür gewinnen. Am 5. Juli 1946 erschien sie im Pariser Schwimmbad Piscine Molitor vor großem Presseaufgebot in Réards Kreation. Die Fotos gingen um die Welt. Allein die International Herald Tribune schrieb neun Artikel und Micheline soll rund 50.000 Fanbriefe erhalten haben.

3. Zuerst kam der „Atome“

Den Titel „Bikini-Erfinder“ muss sich Réard allerdings mit Jacques Heim teilen. Dieser hatte bereits im Juni den „Atome“ präsentiert, „den weltkleinsten Badeanzug“, ein Zweiteiler, dessen Höschen über den Bauchnabel reichte. Dass Réard in seiner Vermarktung aber deutlich erfolgreicher war, zeigt sich daran, dass wir den zweigeteilten Badeanzug heute nicht Atome nennen.

Roman Mosaic. Girls in Bikinis

Zweiteiler für Frauen gab es schon in der Antike - in Spanien und Italien war der Bikini dennoch anfangs verpönt. 

©Getty Images/stevegeer/istockphoto

4. „Sittenlose“ Moderne

Während der Bikini im liberalen Frankreich präsentiert wurde, galt er im katholischen Italien ebenso wie im Spanien der Franco-Diktatur als Symbol „sittenloser“ Moderne und wurde an öffentlichen Stränden zunächst verboten – zum Leid vieler Touristiker. 1953 wurde es Benidorms Bürgermeister Pedro Zaragoza zu viel. Auf der Vespa brauste er nach Madrid. „Die Briten, Schweden und Deutschen ziehen sich nicht an, nicht einmal im Urlaub!“, soll er Franco erklärt haben. Sein Mut zahlte sich aus: Benidorm wurde zur ersten Stadt Spaniens, die Bikinis erlaubte.

5. Bardots Gütesiegel

Im selben Jahr posierte die 18-jährige Brigitte Bardot in Cannes im Bikini am Strand – ein Werbe-Shooting für ihren Film „Sommernächte mit Manina“. Allzu erfolgreich wurde dieser Film nicht, doch drei Jahre später war das Publikum von der Romantik, Spannung und vergleichsweise „anständigen“ Erotik in „Und ewig lockt das Weib“ so angetan, dass Bardots Bikini die westliche Welt eroberte.

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Brigitte Bardot löste 1953 in Cannes mit ihrem Outfit einen Skandal aus.

©mauritius images / Alamy Stock Photos / Pictorial Press/Alamy Stock Photos / Pictorial Press/mauritius images

6. Honolulu Strandbikini

Nach dem Hollywood-Durchbruch kam der kulturelle Boost. Im Juni 1960 erreichte Brian Hylands Spaßlied „Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polkadot Bikini“ die Nummer eins der Billboard Hot 100, verkaufte sich millionenfach und bekam eigene Versionen im Deutschen („Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“) sowie im Französischen („Itsy bitsy petit bikini“). Ein Boom bei den Bikini-Verkäufen folgte.

7. Noch weniger ist mehr

Nach Frankreich hatte wohl Brasilien den größten Einfluss auf die Entwicklung des Bikinis. Der Aufstieg brasilianischer Supermodels und brasilianischer Strandkultur brachte in den 1980er-Jahren eine neue Offenheit: knappe Tangas. Das damit oft einhergehende Wachsen der Bikinizone wurde zwar in Brasilien geboren, aber in New York berühmt – durch die sieben brasilianischen Schwestern des J Sisters Salon in Manhattan.

8. Punkte, Rüschen, Streetwear

Zu seinem 80. Geburtstag ist der Bikini so vielseitig wie nie. Als Anspielung auf seine Anfänge sind heuer Polka-Dot-Bikinis besonders gefragt. Dazu kommen verspielte, leichte Häkelvarianten, häufig auf einem Triangel-Bikini. Und dann ist der Bikini nicht mehr länger nur am Strand zu Hause – er hat auch die Straßen erobert. Ob Micheline Bernardini, heute 98, darüber schmunzeln muss?

Anna-Maria Bauer

Über Anna-Maria Bauer

Schreibt seit 2021 als freie Autorin aus London für den KURIER über Politik, Royals und Lifestyle. Zuvor acht Jahre in der Wien-Chronik.

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