Trennung: Was passiert jetzt mit dem gemeinsamen Freundeskreis?
Wenn Paarbeziehungen enden, stehen gemeinsame Freunde vor Herausforderungen. Was eine Psychotherapeutin rät.
Das neue Jahr verbinden viele Menschen mit einem Neustart – für Paare bedeutet das oft eine Trennung. Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP), bestätigt das im Gespräch mit dem KURIER: „Nach den Feiertagen im Winter und nach den großen Sommerferien ist die Trennungsrate deutlich erhöht.“
Besonders herausfordernd wird es, wenn Paare einen gemeinsamen Freundeskreis haben. „Neben dem Partner auch noch die gute Freundin oder den Freund zu verlieren, macht die Situation noch schmerzhafter“, sagt die Psychotherapeutin.
Wie die Nahestehenden reagieren, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Waren es schon vor der Beziehung meine Freunde, die meines Ex-Partners oder sind die Freundschaften während der Beziehung entstanden?
Es komme auch darauf an, von wem die Trennung ausgegangen ist. „Wenn ich diejenige war, die Schluss gemacht hat, bin ich in den Augen der ‚anderen Partei‘ sozusagen ein Stück in der ‚Täterinnenrolle‘“, erläutert Haid. Da kann die erste Reaktion Ablehnung sein: „Viele Menschen sind im ersten Augenblick überfordert und wissen nicht, wie sie sich richtig verhalten sollten.“ Aus Angst, etwas Falsches zu sagen, ziehen sich viele zunächst zurück. Das werde von Betroffenen jedoch oft als zusätzliche Kränkung erlebt.
Was tun, wenn meine Freunde mich ablehnen?
Die Psychotherapeutin empfiehlt, ein wenig Zeit vergehen zu lassen. Nach einer Woche sollte eine Kontaktaufnahme möglich sein, „zumindest mit einzelnen Personen – am besten mit jenen, mit denen man enger ist“. Dabei stellt sich die Frage: Wer ist vertrauenswürdig und kann ein Geheimnis für sich behalten? Haid rät daher, sich eher an jemanden außerhalb des Freundeskreises zu wenden, das heißt an einen Kollegen oder jemanden aus der Familie.
Es sei generell keine gute Idee, Menschen aus dem gemeinsamen Freundeskreis intime Details aus der Beziehung – zum Beispiel im Falle einer Krise – zu erzählen. Dabei solle man auch selbst reflektieren: Warum erzähle ich das gerade dieser Person? Suche ich eine Verbündete? Die Expertin erklärt: „Freunde kommen dadurch oft in einen Loyalitätskonflikt, weil sie glauben, sie müssen Partei ergreifen. Dabei geht es darum gar nicht. Meistens reicht es, zuzuhören.“
Grenzen setzen
Sie empfiehlt, auch umgekehrt Grenzen zu ziehen. Wird einem als Freund oder Freundin ein Ultimatum gestellt oder konkret gefragt, wer von beiden Parteien richtig gehandelt hat, rät Psychotherapeutin Haid Folgendes zu erklären: „Diese Frage kann ich dir nicht beantworten. Ich bin gern für dich da, um dich zu unterstützen. Aber ich bin kein Richter.“
Gleichzeitig ist es auch in Ordnung, sich auf eine Seite zu schlagen: „Wenn das Verhalten meiner Grundhaltung oder meinem Wertesystem komplett widerspricht, ist es gerechtfertigt, eine Kontaktaufnahme ablehnen.“ Das sei oft der Fall, wenn es um massive Verletzungen wie Betrug oder Gewalt geht.
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