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Trend Autofasten: Wie aus Verzicht eine nachhaltige Bewegung werden soll

Jeder dritte Österreicher lässt regelmäßig den Pkw stehen. Eine ökumenische Challenge fördert die Autoabstinenz.

Wer Fasten nur mit Essen verbindet, greift zu kurz. Seit inzwischen bereits 22 Jahren rufen die Katholische und die Evangelische Kirche in Österreich zum Autofasten auf. Es geht darum, sich bewusst Zeit zu nehmen, Alltagswege zu Fuß zurückzulegen und auf den Geschmack zu kommen, das Auto öfter stehen zu lassen.

So hilft man durch weniger Verkehr, weniger Abgase, Lärm und Staus der Umwelt und verbessert die Lebensqualität für alle. Angenehmer Nebeneffekt: Bei den aktuellen Spritpreisen entlastet es auch das Geldbörsel.

Heuer läuft erstmals auch die #1kmzufuss-Challenge auf Social Media. Damit wollen die Verantwortlichen mehr Leute erreichen und aus dem Autofasten eine nachhaltige Bewegung machen. 

Für die Teilnahme filmt man sich beim Gehen und erklärt, warum man mitmacht. Beim Posten nominiert man drei weitere Personen. Für jedes Video spendet das Umweltbüro der Kirche einen Euro, mit dem Bäume in einer von Österreichs Städten gepflanzt werden sollen.

Das Projekt ist mit 5.000 Euro gedeckelt. Noch ist das Budget nicht ausgeschöpft, „aber wir werden die 5.000 schaffen“, ist Dominik Trenker vom Umweltbüro der Erzdiözese Wien sicher. Er sieht die Aktion als Anstoß, der die Bewegung übers Ende der Fastenzeit tragen soll. „Die Bäume werden wir pflanzen und auf Social Media sichtbar machen“, kündigt er an.  „Die Aktion geht definitiv über die Fastenzeit hinaus.“

„Natürlich entsteht eine Bewegung nicht von heute auf morgen, das kann man nicht erzwingen“, aber die Aktion habe die Erwartungen der Organisatoren bereits übertroffen.

Auslaufmodell Autofahrer?

Dass der Verzicht aufs Auto zunehmend auch abseits der Fastenzeit zum Thema wird, zeigt die Statistik. Rund 1,8 Millionen Menschen ab 16 Jahren lenken in Österreich nie ein Auto, weitere 810.000 nur selten. Das entspricht mehr als einem Drittel der Einwohner. In Wien sind es sogar 63 Prozent, wie eine aktuelle Analyse des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt.

Vor allem bei den Jüngeren ist der Verzicht aufs Auto weit verbreitet. Während es bei den 30- bis 40-Jährigen 30 Prozent sind, lassen 70 Prozent der 16- bis 19-Jährigen meist oder immer das Auto stehen. „In Österreich sind laut VCÖ zwei Drittel täglich zu Fuß mobil. Den höchsten Fußgänger-Anteil hat mit 73 Prozent Wien, gefolgt von Salzburg und Kärnten mit jeweils 70 Prozent.

Wer nicht aufs Auto verzichten kann oder will, kann trotzdem für die Umwelt aktiv werden. Beim Klimafasten wird dazu aufgerufen, das wirklich Wichtige mehr wertzuschätzen.

  • Etwa indem man die Heizung zurückdreht (Energiefasten)
  • bewusster einkauft und auf lange Transportwege verzichtet (Delivery-Fasten)
  • oder den Hausmüll reduziert (Plastikfasten)

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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