House of the Dragon
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Ist Fantasy in der Krise? Nein, Fantasy hat gewonnen!

Zum Start der neuen Staffel von „House of the Dragon“ stellt sich die Frage: Wie steht's um das ehemals gehypte Fantasy-Genre?

Wenn die dritte Staffel von House of the Dragon startet, werden wieder Millionen Zuschauer nach Westeros zurückkehren. Sie werden Drachen sehen, Ritter, Burgen, Könige und Intrigen. Also all das, was man gemeinhin mit Fantasy verbindet.

Und doch erzählt die Serie nur einen kleinen Teil einer viel größeren Geschichte. Denn während Drachen über die Bildschirme fliegen, hat sich das Fantasy-Genre längst weit über seine klassischen Grenzen hinaus ausgebreitet. Es lebt nicht mehr nur in Westeros oder Mittelerde. 

Es versteckt sich in Horrorserien, Science-Fiction-Welten, Historienepen und Mysteryformaten. Es beeinflusst Blockbuster ebenso wie Prestigefernsehen.

Die Fantasy-Falle

Wer heute über Fantasy im Streaming spricht, hört oft dieselbe Diagnose: Das Genre habe seinen Höhepunkt überschritten. Nach Jahren voller Magier, Monster, Elfen und Prophezeiungen sei die große Welle vorbei.

Ganz unbegründet ist der Eindruck nicht. Nach Game of Thrones suchte jeder nach dem nächsten Westeros. Amazon investierte Milliarden in The Rings of Power und The Wheel of Time, Netflix setzte auf The Witcher, andere Anbieter brachten Serien wie Willow oder Shadow and Bone an den Start. 

Einige verschwanden rasch wieder, andere erreichten zwar ein großes Publikum, wurden aber nie zu jenem Kulturphänomen, das Game of Thrones einst war.

Doch genau hier liegt der Denkfehler. Das Problem war nie die Fantasy. Das Problem war die Annahme, Fantasy allein sei bereits ein Erfolgsrezept. Denn Game of Thrones funktionierte nicht wegen seiner Drachen. Die Serie war vor allem Familiendrama, Politthriller und Machtkampf. Fantasy bildete den Rahmen dafür. Dasselbe gilt heute für House of the Dragon – und deshalb ist die Serie auch erfolgreich.  

Die Streamingbranche hat nach dem Ende von Game of Thrones die falsche Lektion gelernt. Sie versuchte, die sichtbaren Zutaten zu kopieren, und übersah, was die Serie tatsächlich erfolgreich machte: starke Figuren und gute Geschichten.

Die vermeintliche Fantasy-Krise ist deshalb weniger eine Krise des Genres als eine Krise seiner Nachahmer. Gute Fantasy funktioniert noch immer. Sie braucht nur mehr als Schwerter, Magie und teure Spezialeffekte.

Fantasy verlässt die Burg

Ritter, Drachen und mittelalterliche Königreiche sind längst nicht mehr alles, was Fantasy ausmacht. 

Viele der erfolgreichsten Serien der vergangenen Jahre erzählen eindeutige Fantasy-Geschichten, ohne sich in dieser Weise zu präsentieren.

Outlander etwa gilt vielen als Historienromanze. Tatsächlich beginnt die Handlung mit einem klassischen Fantasy-Motiv: einer Frau, die durch ein magisches Tor in eine andere Zeit gelangt. 

From gilt als Horrorserie, basiert aber auf vertrauten Fantasy-Bausteinen: einer abgeschlossenen Welt mit eigenen Regeln, Monstern und einer geheimnisvollen Mythologie. Dasselbe gilt für Wednesday – nur mit Comedy on top.

Serien wie Fallout, Silo oder The Last of Us sind Science-Fiction, Postapokalypse – doch im Kern erzählen  sie von fremden Welten, rätselhaften Kräften und Menschen, die sich in einer Wirklichkeit zurechtfinden müssen, die anderen Gesetzen folgt als unsere. Fantasy hat die Burg also nicht verlassen, weil sie schwächer geworden wäre. Nein, sie ist so erfolgreich geworden, dass sie heute überall mitmischt.  

Mehr Welt, weniger Genre

Dass Fantasy auch künftig eine wichtige Rolle spielen wird, zeigt schon ein Blick auf die kommenden Jahre. 

HBO baut das Universum von Game of Thrones weiter aus: Neben House of the Dragon startete mit A Knight of the Seven Kingdoms ein deutlich kleineres, persönlicheres Westeros-Abenteuer , weitere Ableger sind in Planung. Auch The Rings of Power läuft weiter, obwohl die Erwartungen inzwischen realistischer geworden sind.

Auffällig ist dabei ein Wandel: Streamingdienste suchen heute weniger nach einzelnen Hits, als nach Welten, in die Zuschauer immer wieder zurückkehren können. 

Entscheidend ist nicht mehr, ob eine Geschichte Fantasy, Science-Fiction oder Horror ist. Entscheidend ist, ob sie ein Universum erschafft, das groß genug für weitere Geschichten erscheint.

Wie weit dieser Trend inzwischen reicht, zeigt Christopher Nolan mit seiner Verfilmung der Odyssee. Er macht aus einem mythologisch-historischen Epos schlichtweg Fantasy. Wie DAS ankommt, bleibt abzuwarten.

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Redakteur bei KURIER freizeit. Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also auch immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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