„Off Campus“ & Co: Warum New-Adult-Serien alle Rekorde brechen
Drama und Leidenschaft unter jungen Erwachsenen: New Adult-Romanzen als Serientrend des Jahres. Die Gründe für das Phänomen.
Glühende Herzen. Geflüsterte Sehnsucht. Grenzenlose Hingabe. Niemals wird im Leben so leidenschaftlich geliebt wie in der Jugend. Die neuen Serienhits machen sich das zunutze. Denn nirgends geht es derzeit romantischer zu als im Fernsehen. Herzschmerz-Streamingshows für die New Adults, also für junge Erwachsene, bersten nur so vor intensiven Gefühlen und allen möglichen Formen von Sehnsuchts- und Beziehungskonstellationen – und sind der große Fernsehtrend, an dem im Moment kein Weg vorbeiführt.
Groschenromane, Seifenopern, Telenovelas, all das gab es natürlich immer schon. Doch das waren stets heimliche Vergnügen. Jetzt darf den dramatischen Geschichten über Liebeschaos, heimliche Crushes und die erste große Liebe schamlos gefrönt werden – dank Serien von „Der Sommer, als ich schön wurde“ über „Maxton Hall“ bis aktuell „Every Year After“.
Hype um „Off Campus“
Schuld sind natürlich wieder einmal TikTok und Instagram. Hinter den Begriffen Booktok und Bookstagram bei diesen Sozialen Medien stecken große Communitys, welche die neuesten Schmonzetten besprechen, empfehlen, feiern oder verdammen. Der jüngste Welthit, den Amazon Prime Video lieferte, war die Serie „Off Campus“.
Erschienen ist der erste Teil der Buchreihe von Elle Kennedy schon 2016. Zum kultigen Pop-Phänomen wurde sie allerdings erst dank Booktok & Co. 36 Millionen Menschen haben die Serie in den ersten zwölf Tagen gesehen. Bei Frauen zwischen 18 und 34 Jahren bricht sie Publikumsrekorde. Die Handlung: Musikstudentin Hannah ist heimlich in den Hockey-Star Garrett verliebt. Der benötigt Nachhilfe, als Gegenleistung spielen sie eine Beziehung vor, um ihren eigentlichen Schwarm eifersüchtig zu machen. Dann, oh Wunder, funkt es tatsächlich und echte Liebe erwacht. Um die sexy Serie ist ein riesiger Hype entstanden, beim Friseur verlangen Frauen dieselben Bangs wie die Figur Allie, und vor allem das moderne Männerbild der Serie – sensibel statt Alphatier – wird gefeiert.
„Heated Rivalry“: schwule Romanze
Äußerst erfolgreich war auch „Heated Rivalry“. Auch diese Serie verhandelt das Thema Männlichkeit, und zwar als schwule Romanze, es geht um die so leidenschaftliche wie geheime Liebe zwischen zwei Eishockeyspielern. Und weil Hockey und Liebe als Serienerfolg gar so einschlagen, hat Netflix jetzt die Verfilmung der Bestseller-Reihe „Icebreaker“ von Hannah Grace angekündigt. Die ist ebenfalls ein viraler Booktok-Hit, denn so funktioniert aktuell das Spiel: vom Buch übers Social-Media-Phänomen zum Streaming. Die New-Adult-Belletristik, der große Wachstumsmarkt im Buchhandel, erobert nun auch Prime & Co, hat es vom Bücherregal auf den Bildschirm geschafft.
Kinderkram? Mitnichten. Erstaunlich viele Erwachsene schauen diese Serien. Für sie wird dabei eine nostalgische Sehnsucht an die eigene Jugend aktiviert. Aber natürlich liebt gerade die Gen Z den Stoff von Herzen mit Schmerzen. Die jungen Seher werden nebst bekannten Zutaten mit den generationsbeliebten Themen wie mentale Gesundheit, Familientraumata oder Leistungsdruck abgeholt, als Setting dienen College, Studium, Sommerferien. Hier lassen sich die erfolgserprobten Motive der Romantikliteratur (Tropes) in allen Facetten durchspielen. Von „Enemies to Lovers“ über „Second Chance“ bis „Friends to Lovers“. Und das Beste: All das ist für die Streamer auch noch um Eckhäuser günstiger zu produzieren als die nächste Fantasy-Serie mit fliegenden Drachen, Zwergenarmeen und Computermonstern aus der Digitalstube. In der Dating-Hölle mag Romantik derzeit nicht viel gelten. Im Fernsehen läuft sie dafür auf Knopfdruck.
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