Nicole Kidman in "Scarpetta"

Nicole Kidman ermittelt in "Scarpetta": "Bin nicht zimperlich"

Verfilmung der Bestseller von Patricia Cornwell: Nicole Kidman jagt als brillante Gerichtsmedizinerin einen Serienkiller.

Bei Jimmy Fallon hatte Nicole Kidman die Lacher kürzlich auf ihrer Seite. Ob sie eine Autopsie durchführen könne? Klar, antwortete Kidman selbstbewusst in der Talkshow. Sie könne Organe benennen, und nicht nur das, sie auch entnehmen. „Das gehört zum Job.“

Der ist nach wie vor Schauspielerin, und den nimmt die Oscar-Preisträgerin sehr ernst. Der Grund, warum sie sich von einem Gerichtsmediziner in die Kunst der Autopsie einweisen ließ, ist ihre neue Hauptrolle: In der neuen Serie „Scarpetta“ auf Amazon Prime übernimmt sie in acht Folgen die Rolle der gleichnamigen Gerichtsmedizinerin, die mit forensischen Methoden Todesfällen auf den Grund geht und Morde aufklärt. 

Das macht Kidman so überzeugend, wie man es von ihr gewohnt ist, gibt eine entschlossene wie brillante Detektivin. Die Story: Kay Scarpetta kehrt in ihre Heimat in Virginia zurück, wo sie wieder als leitende Gerichtsmedizinerin arbeitet. Bei der Arbeit an einem Mordfall gibt es Verbindungen zu ihrem ersten großen Fall, der fast 30 Jahre zurückliegt und ihre Karriere geprägt hat – und Hinweise darauf, dass derselbe Mörder von damals wieder zuschlägt.

Erzählt wird das auf zwei Zeitebenen und mit einem Cast aus hochkarätigen wie prominenten Schauspielern: Bobby Cannavale spielt Pete, mit dem Scarpetta bei ihren Ermittlungen zusammenarbeitet, und Simon Baker ist als FBI-Profiler zu sehen – was ein schöner Gag ist, wenn wir an seine frühere Rolle in „The Mentalist“ denken. Und dann ist da noch Jamie Lee Curtis als Scarpettas Schwester, die ihr mit ihrer unberechenbaren Art das Leben nicht leicht macht, und die komplizierte Beziehung zu ihr. Ein Forensik-Krimi mit menschelnder Hintergrundgeschichte also, entwickelt von einem Profi: Liz Sarnoff fungiert als Showrunnerin und hat schon bei „Lost“, „Deadwood“ oder „Barry“ bewiesen, dass sie ein gutes Händchen hat für starke Seriencharaktere.

30 Jahre und ein Happy End

Alles steht und fällt aber mit der Vorlage: Patricia Cornwell hat die Bestseller-Krimi-Reihe „Scarpetta“ geschrieben, 25 Romane sind seit 1990 erschienen. Am College fragte sie sich, was mit Leichen passiere, nachdem sie am Tatort entdeckt worden sind, sie begann zu recherchieren – und darüber zu schreiben, als ihr die Figur der Scarpetta einfiel. Und sie nicht mehr losließ. „Ich bin mit einigen wahren Schrecken konfrontiert worden, habe Tausende von Autopsien gesehen, war an vielen Tatorten, hatte mit Serienmördern zu tun, habe mit ihnen im Todestrakt gesprochen“, so Cornwell. „Schreiben ist mein Weg, mit all dem umzugehen, von dem ich weiß, dass es da draußen wirklich passiert.“

Nicole Kidman und Jamie Lee Curtis

Komplizierte Familienbande: Nicole Kidman und Jamie Lee Curtis als Schwestern

©Connie Chornuk/Prime

Die Serien-Umsetzung dauerte dann ganz schön lange: 30 Jahre lang war das Projekt in Entwicklung und wanderte von Studio zu Studio, immer mit einer anderen Star-Schauspielerin für die Hauptrolle an Bord. Letztlich brauchte es einen letzten Schub und ein paar wichtige Anrufe, und für die sorgte Jamie Lee Curtis. 

Ursprünglich schlug sie andere, neuere Romane Cornwells zur Verfilmung, doch der Filmproduzent Chris McCumber beharrte auf der Scarpetta-Reihe, und zwar weil seine Gattin ein so großer Fan war – eines führte zum anderen, man sicherte sich die Rechte, und zuguterletzt stieg auch noch Liz Sarnoff ein. Die Showrunnerin war wiederum über ihre Mutter eng mit der Buchserie verbunden, ein Muss für Forensik-Fans, lange bevor es Serien wie „CSI“ gab. 

„In all den Jahrzehnten, in denen wir versucht haben, Scarpetta auf die Leinwand zu bringen, ist Liz die Erste, die die Bücher tatsächlich gelesen hat“, so Patricia Cornwell. „Alle anderen wollten die Geschichten komplett neu erfinden. Ich war begeistert. Schließlich funktionieren diese Geschichten nicht ohne Grund.“

Von Frauen, für Frauen

Nicole Kidman schlüpfte dann in die Hauptrolle mit der Ernsthaftigkeit einer Oscar-Preisträgerin. Dank eines Gerichtsmediziners eignete sie sich das nötige Fachwissen für die Rolle an, kann jetzt Autopsien durchführen. „Ich bin die Tochter eines Arztes und einer Krankenpflege-Ausbildnerin“, erklärte sie kürzlich der Presse, „ich bin nicht zimperlich.“

Für Jamie Lee Curtis ist die Serie auch ein feministisches Statement. Scarpetta bekämpfe Verbrechen in einer männerdominierten Welt. „Man bewundert sie für ihre Intelligenz, aber man hasst sie auch dafür. So ist es, eine Frau zu sein. Sie ist eine faszinierende Persönlichkeit inmitten einer männerdominierten Welt.“

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

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