Julia Cencig setzt in ihrer Privatbibliothek auf Feminismus
Die Schauspielerin feiert am 17. 4. Theaterpremiere mit „Szenen einer Ehe“. In ihrem Buchregal dominieren Frauenthemen.
Julia Cencig macht es sich auf ihrem Sofa bequem. Sie kommt gerade aus Italien, weil sie dort eine Doku für den ORF gedreht hat, aber ausruhen ist nicht: Zu lernen gilt es eine wahre Textlawine. Jeder Dialog muss bis 17. 4. sitzen – da ist Premiere von „Szenen einer Ehe“ im Theater Akzent. Das Beziehungsdrama von Ingmar Bergman ist legendär. Doch anders als im Film von 1973 werden in der Bühnenadaption die Rollen getauscht: Nun ist es die Frau, die ihren Mann für einen Jüngeren verlässt und damit die Tragik einer bürgerlichen Ehe aufbricht. „Ein Kammerspiel, das nahe geht, aber mit Komik-Potenzial“, so Cencig, „die umgedrehte Dynamik macht Spaß.“
Spaß am Lesen: Julia Cencig und ihr Bücherregal
©kurier/Barbara NidetzkySexuelle Frauenfantasien
In ihrer Bibliothek setzt sie auf feministische Themen. Etwa auf „Want“ von Hollywoodstar Gillian Anderson. Das Buch versammelt „Sexuelle Fantasien von Frauen aus dem 21. Jahrhundert“, anonyme Stimmen aus der ganzen Welt. „Ein inspirierendes Kaleidoskop“, erklärt Cencig, „empowernd, spannend und sexy“.
„Ein Zimmer für sich allein“ von Virginia Woolf ist ein Klassiker des Feminismus über soziale und ökonomische Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern – „Gedanken über Frauenrechte, die nie etwas von ihrer Gültigkeit verloren haben.“
Beim Textlernen am Sofa: Cencig spielt eine der Hauptrollen in "Szenen einer Ehe"
©kurier/Barbara NidetzkyGerechtigkeit ist auch ein großes Thema in der Graphic Novel „Rosa“ von Kate Evans, über Rosa Luxemburg. Cencig liebt die hochwertigen Comics, eine Leidenschaft, die sie mit ihren beiden Töchtern teilt. Die älteste ist mit 17 auch politisch interessiert; wie ihre Mutter hat sie das Buch über die politische sozialistische Kämpferin auf einen Sitz verschlungen. „Es ist eine augenöffnende Graphic Novel darüber, wie kurz die blutig erstrittenen Rechte für die Arbeiterschaft erst zurückliegen.“
Dass sie Elena Ferrante auf Italienisch lesen kann, liegt an Julia Cencigs Vater, der im Friaul aufwuchs. Die Schauspielerin ist Fan von Ferrantes vierteiliger Romanreihe „Meine geniale Freundin“ über das Schicksal zweier Frauen aus Neapel. Szenen einer Freundschaft – vielleicht ja ideal für Cencigs nächste Bühnenrolle.
Julia Cencig liest auf Italienisch - ihr Vater wuchs im Friaul auf
©kurier/Barbara NidetzkyDie Bücher im Überblick:
- Gillian Anderson: „Want. Sexuelle Fantasien der Frauen im 21. Jahrhundert“ – Was Frauen wollen, anonym, weltweit
- Virginia Woolf: „Ein Zimmer für sich allein“ – feministischer Klassiker
- Kate Evans: „Rosa“ – Graphic Novel über Politaktivistin Rosa Luxemburg
- Elena Ferrante: „Tage des Verlassenwerdens“ aus der „Meine geniale Freundin“-Reihe – Cencig liest im italienischen Original
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