Heiner Lauterbach

Heiner Lauterbach über Ehe, Heiratsanträge, Altersunterschied

In der romantischen Komödie „Ein fast perfekter Antrag“ probiert Heiner Lauterbach Liebe im zweiten Anlauf. Das Interview.

München, Hotel Bayerischer Hof. Von hier aus gibt Heiner Lauterbach uns ein Interview. Mehr als 100 Filme hat er gedreht, ist ein Star seit den Achtzigern und Doris Dörries „Männer“. Auch mit 72 dreht er munter weiter, gibt Interviews, hat was zu sagen. Und feiert Erfolge. „Ein fast perfekter Antrag“ (neu im Kino) wird sich in diese einreihen: eine vergnügliche romantische Komödie voller Esprit und Wortgefechte. Lauterbach spielt Walter, der wieder auf die Uni geht, um die Gunst seiner Jugendliebe (Iris Berben) zu gewinnen. Sein erster Heiratsantrag 40 Jahre zuvor war spektakulär gescheitert. Bekommt der übergenaue Witwer bei der unabhängigkeitsliebenden Kunstprofessorin Alice eine zweite Chance?

Herr Lauterbach, Sie haben mehr als 100 Filme gedreht, darunter die eine oder andere romantische Komödie. Warum hatten Sie das Gefühl, bei dieser mitspielen zu müssen?

Die Antwort ist leicht: Ich liebe das Drehbuch. Es ist vielschichtig, sehr genau beschrieben, es wimmelt vor guten Figuren mit Fallhöhe, es ist nicht plakativ, hat einen guten Humor, großartige Dialoge und beinhaltet eine Rolle für mich, die ich einfach interessant fand, weil sie so weit weg von meinem persönlichen Charakter ist. Es hat Spaß gemacht, diese Figur mit Leben zu füllen. Ich habe versucht, diesen Charakter so nahe wie möglich an mich ran zu ziehen und ihn mit meinem Habitus zu füllen.

Der Mann, den Sie darstellen, ist misanthropisch veranlagt. Eine Eigenschaft, die mit dem Älterwerden zunimmt, wie man sagt. Geht es Ihnen ähnlich?

Als ich jung war, war ich Philantrop. Absolut und uneingeschränkt, ich mochte eigentlich jeden Menschen. Da war ich bisweilen wahllos, wenn man das negativ bewerten möchte. Aber das hat sich ein bisschen geändert. Ich stehe den Menschen inzwischen etwas kritischer gegenüber, bin aber weit davon entfernt, ein Misanthrop zu sein.

Was ist Ihr Gegenrezept zur Mieselsucht?

Es gibt so Eigenschaften im Leben, die dich nicht weiterbringen, sondern nur runterziehen. Neid ist eine davon. Neidisch auf andere zu sein ist menschlich und uns allen mehr oder weniger einmal passiert. Aber Neid bringt dich nicht weiter, sondern nur schlechte Gedanken. Buddha hat sinngemäß gesagt, dein übelster Feind sind deine bösen Gedanken – da ist viel dran. Man ist gut beraten, positiv zu denken im Leben und sich auf das Gute, das einem widerfährt, zu fokussieren.

Nicht immer ist das so einfach getan, wie gesagt.

Viele Sachen, über die man sich geärgert hat und die schief gelaufen sind im Leben, haben sich rückblickend betrachtet als gar nicht so schlecht herausgestellt. Mehr noch: Es war sogar besser so! Weil es auf einen anderen, spannenderen Weg geführt hat. Man ist also öfter verfrüht schlecht drauf.

Wie haben Sie diese Einstellung erlangt und sich von Neid befreit, gab es einen Moment der universellen Einsicht?

Ich muss gestehen, ich rede klug daher, aber mir gelingt eine positive Einstellung auch nicht immer. Was man weiß, ist nicht immer das, was man umsetzen kann. Siehe Ärgern beim Autofahren, wenn irgendein Idiot einem die Vorfahrt genommen hat. Das Auto ist eine gesellschaftsfreie Zone, wo wir alle zu Zombies werden. Ich rede immer vom Idealzustand.

Im Innern kämpfen Sie also quasi unentwegt gegen negatives Denken an.

Es ist wie bei einem Alkoholiker: Sich einzugestehen, dass man einer ist, ist der erste wichtige Schritt. Wer das nicht zugibt, tut sich schwer, aus diesem Sumpf rauszukommen. Man muss also wissen, dass negatives Denken einem schadet. Dass man Fehler macht oder rückfällig wird, kann passieren. Aber man muss daran arbeiten.

Ehrlich gesagt waren meine Anträge nicht wahnsinnig romantisch. 

Heiner Lauterbach

Ein anderes Charaktermerkmal Ihrer Figur ist, sie neigt zur Besserwisserei. Geht es Ihnen ähnlich, oder lassen Sie lieber fünf auch mal gerade sein?

Naja, würden Sie meine Kinder fragen, würden die ersteres bejahen. Es kann schon sein, dass ich zur Besserwisserei neige. Ein Prinzip von mir heißt: Du musst die guten Eigenschaften deiner Freunde übernehmen und ihnen die schlechten versuchen auszutreiben. Ein tolles Prinzip. Wenn das jeder machen würde, würden wir uns gesellschaftlich steil nach oben bewegen. Wenn ich also überzeugt bin, bei etwas völlig richtig zu liegen, korrigiere ich meine Kinder wie meine Freunde. Man könnte das als Besserwisserei bezeichnen. Ich neige dazu, eine humanere Begründung dafür zu finden: Ich verschaffe ihnen dadurch gerne einen Vorteil.

Bei einem Film, der „Ein fast perfekter Antrag“ heißt, drängt sich die Frage natürlich auf: Wie geht der denn nun?

Wichtiger als die Fantasie, die man dabei walten lässt, ist der Antragsteller. Für mich ist entscheidend, wer den Antrag stellt – und nicht, wie er angelegt ist. Ist das Gesamtpaket attraktiv, würde ich auch einen schlechten Antrag in Kauf nehmen. Ich bin so aufgewachsen, dass der Mann den Antrag macht. Das habe ich auch getan, zwei Mal.

Mit auf die Knie fallen, Rosenblättern, Feuerwerk und allem?

Ehrlich gesagt waren meine Anträge nicht wahnsinnig romantisch. Der Entschluss zu heiraten wurde im Vorfeld eigentlich schon abgeklopft und für gut befunden. Ich musste zum Beispiel nie Angst haben, dass die Frau auf meine Frage, ob sie mich heiraten möchte, mit „nein“ antworten wird. Das war schon im Vorfeld geklärt. Auch, weil man den leichten Wunsch zu heiraten der Partnerin spürt.

Heiner Lauterbach und Ehefrau Viktoria

19 Jahre Altersunterschied, seit 25 Jahren verheiratet: Lauterbach mit Ehefrau Viktoria

©EPA/CLEMENS BILAN

Wie kann man sich also Ihre Heiratsanträge vorstellen?

Es war nie wie im Film, dass einer sich räuspert und sagt, er hätte da was vorbereitet. Ein Antrag ergibt sich eher im Gespräch, man fragt: Sag mal, wäre das nicht sinnvoll, in unserem Fall zu heiraten? Was ich bei beiden meiner Ehen schön fand: Dass ich in beiden Fällen mit meinem Antrag nicht gewartet habe, bis die Frauen schwanger wurden. Das war mir wichtig.

Warum?

Weil ich der Frau das Gefühl geben wollte, dass es mir um sie geht. Und nicht darum, wer die Mutter meiner Kinder wird. Da bin ich ein bisschen stolz drauf. Ich neige sonst nicht zu Stolz im Leben, aber das hat mir in beiden Fällen gefallen. Weil ich mir vorstellen kann, dass das auch als Frau nicht schön ist, wenn Heirat für einen Mann nur in Frage kommt, wenn eine Schwangerschaft im Spiel ist.

Ich glaube, 19 Jahre sind ein Altersunterschied, den man in den Alltag noch integrieren kann. 

Heiner Lauterbach

Ihre romantische Komödie handelt von einer Liebe im fortgeschrittenen Alter, etwas , das man nicht so oft sieht im Kino. Ihre echte Frau ist beinahe 20 Jahre jünger als Sie. Was ist Ihr Rezept für eine Beziehung mit großem Altersunterschied?

Ich glaube, 19 Jahre sind ein Altersunterschied, den man in den Alltag noch integrieren kann. Gerade heutzutage, wo man die Möglichkeit hat, sich durch gesunde Ernährung und Lebensweise möglichst lange jung, fidel und fit zu halten. 19 Jahre kann man überbrücken, aber wenn der Mann 80 ist und die Frau 30, wird die Diskrepanz zu groß.

Liebe im zweiten Anlauf, sollte man das probieren oder die Finger davon lassen?

Wenn man so empfindet, warum nicht? Ich kann es mir schlecht vorstellen, aber ich schließe nichts aus.

Hat sich Ihr Blick auf Liebe und Partnerschaft im Laufe Ihres Lebens verändert?

Alles verändert sich im Leben. Unsere Denkweise, Gewohnheiten, unsere Art zu lieben, Liebe zu empfinden und Liebe zu praktizieren. Insofern lautet meine Antwort: ja. Wir sind, was wir sind – die Kinder unserer Eltern. Aber man wird natürlich erfahrener, reifer, ruhiger, gelassener, souveräner, um die positiven Seiten zu benennen. Diese Veränderung spiegelt sich auch im Rahmen einer Beziehung wider.

Iris Berben und Sie spielen zum ersten Mal ein Liebespaar. Können sie sich noch gegenseitig überraschen?

Überraschen nicht, weil ich sie als Kollegin schon immer sehr mochte. Ich mag, was sie gemacht hat, und wie sie es gemacht hat. Ich kenne sie auch als Mensch und weiß, dass sie eine sehr bescheidene, kluge, warmherzige, empathische Frau ist. Es war sehr angenehm, mit ihr zu arbeiten.

Letzte Frage: Sie sind viel beschäftigt, drehen ein Projekt nach dem anderen. Was motiviert Sie?

Ich glaube, dass es unsere Bestimmung ist, etwas Sinnvolles zu tun im Leben. Das ist der Garant oder die Grundvoraussetzung, um glücklich zu sein. Auch: gesellschaftlich sinnvoll, ob als Arzt oder Polizist.

Und als Schauspieler?

Schauspieler sind dafür da, der Gesellschaft ein paar angenehme Stunden zu ermöglichen. Abzuschalten vom Alltag, was ja ganz wichtig ist für die Regeneration. Das ist auch ein wichtiger Beruf und den versuche ich möglichst perfekt auszuüben, um den Menschen eine schöne Zeit zu generieren. Daraus ziehe ich sehr viel Sinn.

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

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