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Was liest Schriftstellerin Birgit Birnbacher?

Die Salzburger Autorin und Bachmannpreisträgerin über Bücher, die ihr am Herzen liegen und sie beim Schreiben inspirieren.

Heuer wird der Bachmannpreis in Klagenfurt zum 50. Mal verliehen. Birgit Birnbacher gewann den Hauptpreis 2019 und ist längst eine feste Größe des Literaturbetriebs. Der aktuelle Roman der Schriftstellerin widmet sich Ann, ihrem Sohn Oz, der ADHS hat, und ihrer verschwundenen, an Demenz erkrankten Oma. Die Kritik nahm „Sie wollen uns erzählen“ (Zsolnay Verlag) durchwegs positiv auf.

Die gebürtige Pongauerin scheint gegenüber Lob eher gelassen, umso mehr beeindrucken sie die Werke anderer. Eines hat sie besonders geprägt: Herta Müllers „Atemschaukel“, das sie derzeit verliehen hat.

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Birnbacher hat immer Bücher auf Vorrat

©Birgit Birnbacher

Nach einem Umzug hat sie jene Bücher, die ihr besonders wichtig sind, jetzt erst einmal in ihrem Zimmer untergebracht, manche davon begleiten Birnbacher seit vielen Jahren. Joan Didions „Das Jahr magischen Denkens“ gehört dazu, ebenso Deborah Levys „Was das Leben kostet“. Und ohne die Gedichte von Christine Lavant ziehe sie gar nicht erst um. „Ich brauche die Lyrik immer bei mir.“ Am Herzen liegt Birnbacher auch Matthias Grubers Roman „Die Einsamkeit der Ersten ihrer Art“. „Er hat mit diesem Buch etwas Besonderes erschaffen. Ich würde es nie weggeben“, sagt sie.

Im Zug schreibe ich, im Auto höre ich zu. So ärgere ich mich über keine längere Fahrt.

Neben Lavant nimmt sie regelmäßig Rainer Maria Rilke, Bertolt Brecht und Elfriede Jelinek zur Hand. Auch Hörbücher begleiten die Autorin. Entdeckt hat sie diese in einer Lebensphase, in der sie ihre Kinder, als sie noch klein waren, in der Babytrage spazieren führte. „Im Zug schreibe ich, im Auto höre ich zu. So ärgere ich mich über keine längere Fahrt.“

Ich lese auch Bücher, die mich thematisch nicht interessieren. Solange ihre Sprache wunderbar ist, reicht mir das.

So selbstverständlich wie das Lesen gehört auch das Schreiben seit ihrer Kindheit dazu. Als Kind besaß sie eine Schreibmaschine, deren Löschband nicht funktionierte. „Vielleicht hat das dazu geführt, dass ich heute so gerne streiche“, sagt sie. Ihr Vater, Kunstlehrer an einer Mittelschule, musste ihre Manuskripte vervielfältigen; offenbar war der Wunsch, gelesen zu werden, schon damals vorhanden.

Als sie den Bachmannpreis bekam

Jahre später, beim Bachmannwettbewerb, trat das Lesen des eigenen Textes zunächst fast in den Hintergrund. Denn es lief im Leben gerade nicht alles rund. „Private Katastrophen lassen so einen Wettbewerb schnell einmal unwichtig erscheinen“, erinnert sich die Schriftstellerin. Dann erlitt auch noch eine Jurorin während Birnbachers Lesung eine Kreislaufschwäche und musste von Sanitätern versorgt werden. Während die Kameras weiterliefen, deutete der Moderator ihr, weiterzulesen.

„Glücklicherweise bin ich recht krisenerfahren und habe am Tonfall der Rettungsleute gehört, dass es nicht um Leben und Tod geht.“ Dann machte sie eine überraschende Entdeckung: „Ich merkte, dass ich den Text auswendig kann – das war mir vorher gar nicht bewusst.“

Wenn bei Lesungen gelacht wird 

Vorzulesen und über Bücher zu reden, sieht Birnbacher als Privileg. „Wenn Leute nach Lesungen kommen und sagen: ,Du meine Güte, das war sogar lustig’, freut mich das.“ Eine Lesung soll einen besonderen Ort schaffen, sagt sie. „Es darf gelacht und geweint werden – und alles ist echt und analog.“

Lesend verbringt Birnbacher ihre Zeit vor allem nach Abschluss eines Manuskripts. „Ich lese auch Bücher, die mich thematisch nicht interessieren“, sagt sie. Oder solche, die sie nicht versteht. „Solange ihre Sprache wunderbar ist, reicht mir das.“ Das erklärt auch, warum in ihren Regalen viele ungelesene Exemplare stehen. Sie kauft andauernd neue – als Vorrat für sich und die Kinder. „Ganz sicher gibt es einen richtigen Tag, einen idealen Zeitpunkt für jedes Buch.“

Annemarie Josef

Über Annemarie Josef

stv Chefredakteurin KURIER Magazin freizeit. Lebt und arbeitet seit 1996 in Wien. Gewinnerin des Hauptpreises/Print bei "Top Journalist Award Zlatna Penkala (Goldene Feder)" in Kroatien. Studium der Neueren Deutschen Literatur in München. Mein Motto: Das Leben bietet jede Woche neue Überraschungen.

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