Vom Einkleider der First Lady zum Rosenzüchter: Valentinos Erbe
Nachruf: Der italienische Modeschöpfer Valentino Garavani ist im Alter von 93 Jahren in Rom verstorben. Jackie Kennedy machte ihn weltberühmt.
Es war eine Inspiration, die er plötzlich bei einem Opernbesuch in Barcelona hatte: Valentino Garavani war von einer Frau im tiefroten Samtkleid so beeindruckt, dass er diesen Farbton zu seiner Markenfarbe auserkor – das legendäre Valentino-Rot, ein satter Rosso-Corsa-Ton, wurde zum Inbegriff italienischer Sinnlichkeit.
1960 in Rom gegründet
Als der junge Italiener in den späten 1950er-Jahren in Paris die ersten Kleider bei Jean Dessès und Guy Laroche nähte, ahnte kaum jemand, dass aus dem Buben aus der Kleinstadt Voghera eine der größten Mode-Instanzen des 20. Jahrhunderts werden würde. Zuletzt sprach man von ihm als dem „letzten Kaiser“ der Couture.
Valentino Clemente Ludovico Garavani – allein durch seinen Vornamen weltbekannt – ist im Alter von 93 Jahren in seiner Villa in Rom gestorben. Umgeben von seinen Liebsten.
Mode ist verdorben
Schon 2008 gab er das Zepter als Designchef ab. Zu seinem Abschied sagte er der Zeitung La Stampa damals: „Die Mode, ich wiederhole es, ist verdorben“. Er wolle nun gärtnern und Rosen züchten, erklärte er mit Augenzwinkern.
Der Mode „fehlt die Herausforderung, die Kreativität, die Fröhlichkeit.“
Seine Show 2006, kurz vor seinem Abgang an Kreativchef
©APA/AFP/FRANCOIS GUILLOT
Valentino bei einer Filmpremiere, in seiner "Pension".
©REUTERS/Denis BalibouseDennoch blieb das Modehaus Valentino, das er 1960 in Rom gegründet hatte, eines der wenigen Luxuslabels, das weltweit seit fünf Jahrzehnten bekannt sind.
Nicht zuletzt weil Pierpaolo Piccioli als Kreativdirektor die Marke von 2008 bis 2024 erfolgreich weiter führte und neben dem Rot auch noch dem Valentino-Pink zum Kult verhalf.
Der Kaiser selbst saß oft in der Front Row und ließ sich auf Mode-Events blicken. Er gehörte zum Who is who der Szene.
Anne Hathaway in Picciolis Valentino-Pink
©EPA/ETTORE FERRARIKennedy verhalf zum Durchbruch
Erfahrung mit dem Showbiz hatte er seit Jahren, der Durchbruch des schicken Dandys kam schnell: Jackie Kennedy trug die Kreationen des jungen Designers und verhalf ihm prompt zu internationaler Bekanntheit. Sechs Trauerkleider ließ sie sich nach dem Attentat auf J. F. Kennedy schneidern.
Auch das Hochzeitskleid kam von Valentino als sie Aristoteles Onassis 1968 ehelichte. Seine Abendroben wurden zum Synonym für Glamour: von Elizabeth Taylor über Audrey Hepburn bis Julia Roberts – die Kleider definierten Hollywood-Eleganz ab den späten Sechzigerjahren.
Jackie Kennedy und Valentino 1970
©imago/ZUMA Press/ZUMA Press/Imago-Images
Liz Taylor und Valentino in den Achtzigern
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Valentino nach einer seiner Modeschauen
©REUTERS/Luciano MellaceLiebe und Geschäft: Giancarlo Giammetti
Die Marke Valentino SpA hat heute hunderte Boutiquen weltweit. Das ist auch Giancarlo Giammetti zu verdanken. Valentinos Geschäftspartner und privater Liebe. Doch die beiden lebten auch als Paar weiterhin mit ihren Müttern zusammen.
Auch nach ihrer privaten Trennung eng verbunden: Valentino mit Giancarlo Giammetti
©REUTERS/Denis BalibouseFinanziell war das Duo höchst erfolgreich und blieb eng verbunden, auch wenn es später einen neuen Mann im Leben der Modelegende gab.
Mit Bruce Hoeksema, einem früheren US-Marineoffizier, lebte er bis zuletzt in seinem Palazzo in Rom oder in seinem Schloss nahe Paris.
Schwierige Zeit für Luxusmode
Auf 1,5 Milliarden Euro wird Valentinos Vermögen geschätzt. 2023 wurde mit der Marke ein Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro erzielt – dank Ready-to-Wear-Linien, Parfums und Accessoires.
Doch auch wirtschaftlich war das Haus nicht ohne Herausforderungen: Die Umsätze sanken laut Vogue um etwa drei Prozent, während Kosmetiksparten immerhin mit Zuwächsen glänzten.
Alessandro Michele übernimmt
Wie es mit der Mode weitergeht, wird man sehen. Nach Picciolis Abgang ist nun Alessandro Michele als kreativer Mastermind am Zug.
Die neuesten Kollektionen wurden verhalten aufgenommen, die große Sensation blieb bislang aus.
Michele sollte sich wohl an das Motto des Kaisers der Couture halten, der meinte: „Eleganz ist das Gleichgewicht zwischen Proportion, Emotion und Überraschung.“
Erst vor wenigen Monaten hat Italien eine weitere Modeikone verloren. Modepapst Giorgio Armani war im September im Alter von 91 Jahren gestorben.
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