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Pansexualität: Heißt das jetzt, man steht „auf alle“?

Pansexualität wirft eine spannende Frage auf: Was passiert, wenn wir in Sachen Liebe und Anziehung weniger schnell sortieren – und mehr auf den Menschen blicken?
„Sex in der Freizeit“.

Eine Leserin machte mich darauf freundlich aufmerksam, dass am 25. Mai „Pansexual and Panromantic Visibility Day“ ist. Ein Aktionstag für Menschen also, die sagen: Mich interessiert genau genommen nicht, ob jemand Mann, Frau, nichtbinär, trans oder sonst irgendwie einsortierbar ist. Mich interessiert der Mensch. Sein Blick und Witz. Seine Art, einen Raum zu betreten. Seine Verletzlichkeit und Unverschämtheit. Sein Geruch nach Kaffee oder Katastrophe, nach Schweiß oder Tränen. Pansexualität bedeutet also, dass die sexuelle oder romantische Anziehung nicht vom Geschlecht abhängt.

Panromantisch meint Ähnliches, nur ohne den sexuellen Anteil: Man kann sich verlieben, ohne dass das Geschlecht die entscheidende Rolle spielt. Wichtig: Es heißt nicht, dass man auf alle steht. Auch Pansexuelle haben Geschmack, Abneigungen, Launen und das Recht, jemanden nach drei Minuten Gespräch innerlich wieder auszuladen. Es geht nicht um erotische Dauerverfügbarkeit, sondern um einen anderen Blick auf die Welt.

Begehren, katalogisiert

Lange Zeit wurde Begehren katalogisiert: Hetero. Homo. Bi. Mann liebt Frau. Frau liebt Mann. Frau liebt Frau. Mann liebt Mann. Ein System wie ein alter Apothekerschrank: viele Schubladen, alle beschriftet und nach Gebrauch wieder zu schließen. 

Und dann kommen Menschen, die sagen: Die Schubladen sind mir zu eng, keine davon beschreibt mich. Für das Begehren Pansexueller ist Geschlecht nicht das entscheidende Kriterium. Das heißt allerdings nicht, dass sie deshalb automatisch offener, moderner oder lässiger Liebende wären. 

Da wären wir ja schon wieder im Schubladisieren. Niemand muss fluide begehren, um aufgeklärt zu sein. Heterosexuelle Menschen sind nicht automatisch engstirnig, Homosexuelle nicht weniger frei. Bisexuelle nicht „halb-pan“. Und Pansexuelle nicht für eh alles zu haben; schon gar nicht sind sie verwirrt.

Lange Zeit wurde Begehren katalogisiert: Hetero. Homo. Bi. Mann liebt Frau. Frau liebt Mann. Frau liebt Frau. Mann liebt Mann. Ein System wie ein alter Apothekerschrank: viele Schubladen, alle beschriftet und nach Gebrauch wieder zu schließen. 

Neu ist Pansexualität nicht. Der Begriff existiert seit mehr als hundert Jahren; neu ist eher, dass mehr Menschen Worte für etwas finden, das früher oft unausgesprochen und tabuisiert blieb. 

Und nein: Pansexualität ist auch nicht dasselbe wie Polyamorie. Pansexualität beschreibt, zu wem man sich hingezogen fühlt. Polyamorie, wie jemand Beziehungen leben möchte, nämlich mit mehr als einer Person, offen und einvernehmlich. Man kann pansexuell und monogam sein. 

Polyamorös und heterosexuell. Oder vieles dazwischen. Miley Cyrus (pansexuell) hat einmal gesagt, dass sie nicht daran denke, ob jemand ein Bub oder ein Mädchen sei. Sie würde vielmehr einen Menschen sehen, schön, sexy, stark, verletzlich, weiblich und männlich zugleich – und sich ihm nahe fühlen. 

Schön. Was zur Frage führt: Sollten wir also alle ein bisschen pansexuell sein? Nein. Sexualität ist nix, was man sich verordnen kann. Niemand muss sein Begehren erweitern, um besser oder cooler zu wirken. Aber vielleicht könnten wir alle ein bisschen pansexueller schauen. Weniger auf „Kategorie“ und „Schublade“, mehr auf den Menschen. Um sich zu fragen: Wer ist das und was macht sie/er mit mir? Womöglich erleben wir dann eine Überraschung, die sich Liebe nennt.

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