„Sex in der Freizeit“.

War’s das wert? Warum Frauen einen One-Night-Stand bereuen

Neue Studie: Warum Frauen flüchtige heterosexuelle Begegnungen häufiger bereuen als Männer – und was wirklich dahintersteckt.

One-Night-Stands haben auch noch 2026 einen Ruf wie ein Cocktail aus Doppelmoral, Restkater und überholten Frauenbildern. Für Männer gelten sie gern als Beweis für ihre erotische Sogkraft, für Frauen eher als Charakterfrage. Monsieur hatte eine wilde Nacht, Madame hatte, nun ja, ausufernde Bedürfnisse. 

Der Flittchen-Faktor ist zäh: Dass Frauen heute selbstverständlich Lust haben dürfen, ist gesellschaftlich zwar beschlossen, vollkommen entspannt ist die Sache deshalb noch lange nicht. Tückisch.

Eine neue Studie in Archives of Sexual Behavior zeigt: Wer sich nach einem heterosexuellen One-Night-Stand stärker um den eigenen Ruf sorgte, berichtete auch eher von Reue. Männer hatten insgesamt weniger Reue. So weit, so erwartbar. 

Die alte Deutung liegt dann, wie so oft, fix-fertig auf der Hand: Frauen sind halt romantischer, moralischer, komplizierter, verletzlicher, kurz: biologisch zum Bereuen geboren. Aber die Sache ist interessanter. Denn der Unterschied zeigte sich in der Studie vor allem bei heterosexuellen One-Night-Stands. Bei gleichgeschlechtlichen Begegnungen schrumpfte er stark zusammen. 

Das ist keine kleine Pointe, das ist die Abrissbirne für eine ganze Reihe bequemer Erklärungen. Wenn Frauen Gelegenheitssex allgemein mehr bereuen würden, müsste das überall gelten. Tut’s aber nicht. Nun kommt der Teil, den Männer nur mit sportlichem Geist lesen sollten: Der stärkste Faktor im Kontext der Reue war – tataa! – sexuelle Zufriedenheit. Konkreter: der Orgasmus.

Tja, so schaut’s aus: Zwischen einem Warum eigentlich nicht? und dem Was habe ich mir nur dabei gedacht? liegen oft nur ein paar Drinks und ein enttäuschender Sexualpartner.

Zünglein auf der Waage

Nicht irgendein schwammiges „War eh nett“, sondern die Frage, ob der Sex für sie wirklich gut war. Es war der Höhepunkt als Zünglein auf der Waage, das den Unterschied in der Causa Reue erklärte. 

Übersetzt in den Dialekt des „Morgen danach“: Viele Frauen bereuen den One-Night-Stand per se gar nicht so, sondern jenen, der ihnen gesellschaftlich mehr Risiko eingebrockt und sexuell weniger geliefert hat.

Übrigens: Alkohol spielt hier mit. Nicht als schicke Begleitmusik, sondern als Verstärker. Ein Schwipserl mag enthemmen, starke Intoxikation machte, laut Studie, Reue dann aber doch deutlich wahrscheinlicher. Nein, die Kurve war nicht schlangen-, sondern u-förmig: Je betrunkener, desto heftiger die Reue. 

Tja, so schaut’s aus: Zwischen einem Warum eigentlich nicht? und dem Was habe ich mir nur dabei gedacht? liegen oft nur ein paar Drinks und ein enttäuschender Sexualpartner.

Die Krux ist also nicht, dass Frauen nach One-Night-Stands öfter bereuen, sondern, dass wir darüber noch immer gern in einer Sprache reden, die sie ad hoc verdächtigt, statt etwa Koitus-Routinen zu prüfen. Weil: Weibliche Lust wird immer noch erstaunlich oft als optionales Zusatzprogramm behandelt. 

Die Erkenntnis: Der mittelmäßige Ruf des One-Night-Stands ist das eine, der mittelmäßige Sex das andere. Zusammen ergibt das eine Kombination, die Reue nicht mystisch macht, sondern nachvollziehbar. Der mittelmäßige Ruf des One-Night-Stands liegt also auch daran, dass weibliche Lust dabei immer noch eher Nebensache ist.

Körperbilder

Bildlastige Dating-Apps können den Druck auf das eigene Aussehen deutlich erhöhen. Eine kleine Studie der University of Adelaide zeigt: Vor allem Frauen machten ihr Körperbild stark von der Resonanz in den Apps abhängig und griffen teils zu drastischen Maßnahmen, um attraktiver zu wirken. Bei Männern war der Wunsch nach Veränderung weniger vom Feedback anderer als von der Intensität der Nutzung geprägt.

Gabriele Kuhn

Über Gabriele Kuhn

Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.

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